Das Christentum kann nicht mit erhobenem Zeigefinger von oben herabschauen. Margot Käßmann

Online mit dem Kühlschrank

Das Internet der Zukunft wird noch mehr Informationen verfügbar machen – denn ohne eine Erfassung von Gegenständen und ihren Orten schöpfen wir das Potenzial der Vernetzung noch lange nicht aus.

Mitte der Achtziger startete eine Handvoll Forscher (der bedeutendste unter ihnen Mark Weisner) eine Bewegung namens “ubiquitous computing”. Ihr Ziel war es, Computer heimlich von unseren Schreibtischen in jeden Winkel unseres Alltags zu tragen. Doch es sei Ihnen versichert, dass diesen Visionären auch die Stille dieses Einsatzes am Herzen lag. Die eingebauten Computer sollten unseren Alltag erleichtern und nicht seine Fehleranfälligkeit steigern.

Das Netz der Dinge

Etwas später, Ende der Neunziger, war das Internet auf dem Weg zur Weltherrschaft in Sachen Informationsbeschaffung, als es einer weiteren Handvoll allgegenwärtiger Computer Forscher allmählich dämmerte, dass eines Tages alles miteinander verbunden sein würde. Von Computer um uns herum oder einen Banken-Großrechner zu Ihrem Laptop, Ihrem Handy, Ihrer Mikrowelle, den Sensoren Ihres Eigenheims und ja, sogar bis zu der Flasche Mineralwasser, die Sie soeben gekauft haben! Man begann an Projekten wie dem Internet zu arbeiten und passte Internet Protokolle an eine sehr begrenzte Zahl von Geräten oder EPCs (Electronic Product Code) an, um ein globales Netzwerk für verfolgbare Waren zu schaffen. Das Internet der Dinge war geboren und seine Kernidee war es, dass nicht nur Server mit Informationen untereinander verbunden sein sollten, sondern jede Sache, der wenigstens ein Funken Rechenleistung innewohnt. Dieses Internet of Things (IoT), wurde zunächst durch RFID Tags angetrieben (Radio Frequency Identification): Kleine Aufkleber, welche auf jedes Objekt aufgeklebt werden können, um es auch aus der Ferne durch einen RFID-Reader eindeutig identifizierbar zu machen. Dennoch erreichte RFID in 10 Jahren nicht den Status einer Massentechnologie wie es Gartner in 2005 vorausgesagt hatte. Und RFID ist nicht die einzige IoT Technologie die unter unerwartet niedrigen Adaptionsraten leidet. Sensor-Netzwerke, also kleine Computer, die miteinander kommunizieren, um ihre Umgebung wahrzunehmen (etwa Luftfeuchtigkeit, Temperatur, Strahlungswerte etc) sind eine wunderbare Technologie, die unsere Welt ein Stück smarter machen könnte. Dennoch schaffen sie es gerade nur in die Hände von Forschern.

Alles kann ans Netz

Ich glaube, dass es zwei Gründe für diese eher langsame Adaption gibt: Das Fehlen eines App-Eco-Systems und das Fehlen von Anwendungsmöglichkeiten für den End-Verbraucher. Lange verschlossen hinter einer Mauer aus sehr spezieller Sprache und besonderen Interfaces, wurden entsprechende Geräte isoliert und waren nicht kreativ genug: Denken Sie etwa daran, wie sich Mobiltelefone weiterentwickelten nachdem sie durch Apps öffentlicher Innovation zugäng waren. Seit einigen Jahren verändert eine andauernde Revolution langsam aber stetig den Deal: Forschung und Industrie haben begonnen zu verstehen, dass eingebaute Geräte vereinfacht werden sollten und dass sie alle die selben Kommunikationskanäle nutzen sollten: Die, die das Internet erfolgreich gemacht haben (TCP / UDP und IP v4 oder v6, um nur einige zu nennen). Darüber hinaus haben Web of Things Forscher realisiert, dass nicht nur die Kanäle übereinstimmen sollten, sondern auch die Sprache: Die Web-Sprachen (HTTP, HTML, Browsers, soziale Netzwerke etc.). Während dies zugespitzt klingen mag, ist es in der Tat eine kleine Revolution. Es bedeutet im Prinzip, dass unsere künftigen Geräte (etwa unser Fernseher oder unser Auto) alle mit dem Internet verbunden sein werden und Apps für sie so einfach entwickelbar sein werden wie heute Apps für das Web oder Handys. So können wir die Apps erstellen, die wir uns immer erträumt haben – oder immer gefürchtet haben. Denn ja, der Tag an dem Sie ihren Wohnungsschlüssel als “Freund hinzufügen” können, kommt eher als Sie denken!

Übersetzung aus dem Englischen

Leserbriefe

  • Theeuropean-placeholder
    einweitererleser – 12.11.2011 - 13:17

    Also sollten wir es dann auch für selbstverständlich nehmen, wenn unser alter PKW auf die 70 zugeht (in Tausend gefahrenen km), er plötzlich anfängt, mit dem Kühlschrank und den Girokonto zu verhandeln, wie viel denn pro Monat gespart werden soll, um einen Neuwagen anzuschaffen (natürlich wieder ein Mazda!), damit er, der alt,e endlich in in Rente gehen darf.

    Ich jedenfalls möchte nicht von meinem Besitzstand, der meine Rechtsfähigkeit okkupiert, marginalisiert werden, nur weil er unbedingt ins Internet gehen will.

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