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Südafrika hat viele neue Freunde gewonnen

Aus sportlicher Sicht war die Fußball-WM für Südafrika kein großer Erfolg, doch das Land profitiert von seinem neuen Image. Ein Gespräch mit dem Botschafter Dieter Haller über die Hoffnungen im Vorfeld der Weltmeisterschaft, über die Rolle Südafrikas als Gastgeber und die Frage, für welche Mannschaft ein Botschafter eigentlich die Daumen drückt. Die Fragen stellte Franziska Prinz.

Dieter-haller-interview

The European: Sie sind nun seit drei Jahren als deutscher Botschafter in Südafrika. Haben Sie während der WM Deutschland oder Südafrika die Daumen gedrückt?
Haller: Zwei Herzen schlugen in meiner Brust – das deutsche natürlich höher. Wir können wirklich stolz sein auf die Leistung der deutschen Nationalmannschaft. Ihr kreatives Spiel, ihr jugendlicher Teamgeist und ihr so sportliches und sympathisches Auftreten hat die Südafrikaner sehr beeindruckt. Aber auch die Gastgeber haben gut gekämpft und immerhin den Vizeweltmeister von 2006 geschlagen. Es gibt in Südafrika viele Talente, aber die Strukturen des hiesigen Verbands sind noch zu schwach, um diese Talente konsequent zu fördern. Um dies zu verbessern, finanzieren wir einige deutsche Experten im hiesigen Fußballverband.

“Das Land und seine Menschen sind zusammengerückt”

The European: Die Fußball-WM 2010 ist vorbei: Welche der im Vorfeld gehegten Hoffnungen für das Land haben sich erfüllt und welche nicht?
Haller: Südafrika hat sich als exzellenter Gastgeber erwiesen und der Welt gezeigt, dass auch ein Schwellenland in Afrika ein solches sportliches Großereignis stemmen kann. Die Investitionen in der Verkehrs- und Kommunikationsinfrastruktur kommen allen Südafrikanern zugute. Das Land und seine Menschen sind zusammengerückt. Das Bild Südafrikas im Ausland ist differenzierter geworden. Ich gehe fest davon aus, dass sich dies zukünftig in einem Zuwachs an Investitionen und Touristik niederschlagen wird. Rund 370.000 ausländische Besucher sind zur WM gekommen – zwar nicht ganz so viele wie ursprünglich erwartet. Aber dennoch: Südafrika hat viel an Ansehen und viele neue Freunde gewonnen.

The European: Südafrika hat viele Milliarden Euro in den Bau der Stadien und in die Verbesserung der Infrastruktur investiert. Diese Bauten drohen nun brachzuliegen: Hat sich diese WM um jeden Preis gelohnt?
Haller: Dass Bauten brachliegen werden, ist nicht richtig. Es wurden insgesamt fünf Stadien neu gebaut – übrigens mit deutscher Architektur- und Ingenieursexpertise. Insbesondere die Stadien in Kapstadt und Durban sind inzwischen bereits zu Wahrzeichen und touristischen Attraktionen geworden. Für die großen Stadien gibt es Nutzungskonzerne und Betreiber. Wie die beiden kleineren Stadien in Nelspruit und Polokwane zukünftig genutzt werden, bleibt abzuwarten. Ich bin sicher: Die Investitionen in die WM werden sich mittel- und langfristig lohnen.

The European: Wie groß ist heute noch das Problem der Arbeitslosigkeit, das durch die WM nur kurzfristig gemindert werden konnte?
Haller: Südafrika ist ja eine demografisch betrachtet junge Gesellschaft – mehr als 50 Prozent der Bevölkerung sind unter 25 Jahre. Hunderttausende junger Leute drängen jedes Jahr auf den Arbeitsmarkt, der durch eine in der Tat sehr hohe Arbeitslosigkeit (zurzeit 25,2 Prozent) gekennzeichnet ist.

Die südafrikanische Wirtschaft wird nach dem Krisenjahr 2009 dieses Jahr voraussichtlich zwischen 3 und 3,5 Prozent wachsen. Die WM hat nach ersten Berechnungen insgesamt dazu mit 0,5 bis 1 Prozent Wachstumsimpulsen beigetragen. Mehr als 300.000 Arbeitsplätze wurden durch die WM, vor allem im Bausektor, geschaffen. Viele Südafrikaner konnten sich dadurch beruflich weiterqualifizieren. Die südafrikanische Regierung ist sich bewusst, dass es erheblicher weiterer Anstrengungen bedarf, um die hohe Arbeitslosigkeit wirksam zu bekämpfen.

“Schwarze, weiße und farbige Südafrikaner standen geschlossen hinter ihrer Mannschaft”

The European: Die Apartheid ist nach wie vor ein wichtiges und aktuelles Thema in Südafrika – glauben Sie, dass Fußball das Potenzial besitzt, die Menschen wieder näher zusammenzuführen, ähnlich wie damals der Rugby-Weltcup 1995?
Haller: Dass dies der Fall ist, hat die Fußball-WM 2010 eindrucksvoll gezeigt. Schwarze, weiße und farbige Südafrikaner standen geschlossen hinter ihrer Mannschaft. Gemeinsam waren sie wunderbare, freundliche Gastgeber – dies erlebte ich selbst jeden Tag. Von der herzlichen Gastfreundschaft und der südafrikanischen Lebensfreude waren alle ausländischen Fußballfans sehr beeindruckt. Auch viele deutsche Fans haben gesagt, dass sie gern noch einmal nach Südafrika kommen wollen.

The European: Südafrika gilt als einigermaßen gefestigte Demokratie. Welche Verantwortung kann das Land für die Region übernehmen, mit Blick auf Simbabwe, Kenia oder den Kongo?
Haller: Südafrika engagiert sich sehr intensiv bei der Lösung von Konflikten und bei der Konsolidierung von Frieden und Sicherheit in Afrika: diplomatisch, wirtschaftlich und auch militärisch durch seine Teilnahme an den Friedensmissionen der Vereinten Nationen und der Afrikanischen Union. Als wirtschaftliche Lokomotive des Landes setzt sich Südafrika vor allem auch für eine stärkere regionale Integration ein. Diesen Ansatz unterstützen wir mit Nachdruck, da gerade in der Intensivierung der regionalen Kooperation zum Beispiel bei Energie, Tourismus und Handel noch viele ungenutzte Potenziale schlummern.

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