Es sind meist die dümmsten Wörter, die Karriere machen. Stefan Gärtner

Hintergrund

Kraft-Akt

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Nordrhein-Westfalen hat gewählt und die CDU hat eine böse Überraschung erlebt. Mit Norbert Röttgen fährt sie eines der schlechtesten Ergebnisse ein, das sie jemals erzielt hat. Jetzt stehen alle Zeichen auf Rot-Grün mit Hannelore Kraft an der Spitze.

Hintergrund

Vermutlich wäre Angela Merkel nie Bundeskanzlerin geworden, hätte es den 22. Mai 2005 nicht gegeben. In Nordrhein-Westfalen wurde ein neuer Landtag gewählt, und die Wahl endete für die deutsche Sozialdemokratie mit einem Debakel. Rot-Grün wurde in Düsseldorf abgewählt, nach 39 Jahren mussten die Parteien in ihrem Stammland die Macht an Schwarz-Gelb abgeben. Die Analysten waren sich anschließend schnell einig: Die Niederlage der SPD war eine Quittung für die umstrittene Einführung von Hartz IV. Bundeskanzler Schröder verlor anschließend die Nerven, er kündigte das rot-grüne Projekt in Berlin auf und verkündete vorgezogene Neuwahlen.

Der Rest der Geschichte ist bekannt. Die Union lag am 18. September 2005 knapp vor der SPD, vier Jahre wurde das Land von einer Großen Koalition unter Führung der CDU regiert. Während Merkel den schon sicher geglaubten Wahlsieg noch fast verspielte, demonstrierte Schröder seiner Partei noch einmal, dass er ein begnadeter Wahlkämpfer ist. Nordrhein-Westfalen schrieb Geschichte, auch wenn die schwarz-gelbe Koalition in Berlin erst mit vier Jahren Verspätung folgte.

In NRW wurde Jürgen Rüttgers an der Spitze einer CDU-FDP-Regierung Ministerpräsident, als erster Christdemokrat seit 1966.
Seine Regierung hielt bis zum 9. Mai 2010. Hannelore Kraft gelang, wenn auch knapp, die Rückeroberung des sozialdemokratischen Stammlandes. Zusammen mit den Grünen formte sie eine Minderheitsregierung, die immerhin zwei Jahre durchhielt: Am 14. März 2012 scheiterte der Haushalt, weil CDU, FDP und Linke sich der Zustimmung verweigerten.

Am 13. Mai 2012 mussten die Bürger in Deutschlands größtem Flächenland erneut an die Urnen. Hannelore Kraft siegte erneut – dieses Mal deutlich. Rot-Grün verfügt über eine solide Mehrheit. Für die CDU dagegen wurde die Wahl zum Desaster. Spitzenkandidat Norbert Röttgen fuhr mit rund 26 Prozent das schlechteste CDU-Ergebnis aller Zeiten ein. Noch am Wahlabend trat er als CDU-Landesvorsitzender zurück.

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