Handle so, dass die Maxime deines Willens jederzeit zugleich als Prinzip einer allgemeinen Gesetzgebung gelten könne. Immanuel Kant

Hintergrund

Kreativer Ungehorsam

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In Iran twittert die Bevölkerung gegen das Regime der Mullahs, in Berlin nutzen Carrotmobs die Macht der Verbraucher und organisierte Flashmobs bekommen genug mediale Aufmerksamkeit, um ihr Anliegen auch ohne aufwendige Lobbyarbeit zu lancieren. Es scheint, als ob die klassische Demonstration ein vom Aussterben bedrohtes Relikt vergangener Tage ist.

Hintergrund

Mit einem schweren Schild auf der Schulter die Straßen auf und ab trotten, darauf hat heute keiner mehr so richtig Lust. Was ist nur aus der guten alten Demonstration geworden! Nur Flashmobs und Facebook-Gruppen, wo das nach politischem Aktionismus suchende Auge hinschaut – alles nur oberflächlicher Klamauk?

Der Flashmob bei einer Wahlrede von Angela Merkel 2009 in Hamburg hat eines deutlich gemacht, Spaß ist bei spontanem, im Internet organisierten Protest ein wichtiges Element. Die “Yeaahh”-Rufe des Volkes nach jedem Absatz Merkels führten den politischen Rededuktus, der ja per se auf Jubel ausgerichtet ist, aber auf interessante Weise vor. Es spielte praktisch jeder seine Rolle, das Volk jubelte, die Kanzlerin sprach. Mit diesem Flashmob war ein kleines mediales Kunstwerk erschaffen worden.

Moderner Widerstand sieht nun einmal anders aus

Protest und Widerstand sind scheinbar, wie so viel anderes in der Bilderflut, von einem gewissen Vermarktungszwang durchdrungen worden. Zum einen müssen Teilnehmer angezogen werden, zum anderen muss Aufmerksamkeit in den Medien generiert werden. Die Organisatoren von Protestbewegungen haben mit dem Internet ein Instrument, das vieles erleichtert und auch Menschen, die kein vordergründiges politisches Interesse haben, erreicht. Das Web mit seiner Mitmach-Attitüde regt zum kreativen Umgang mit gesellschaftlichen Problemen an und bringt gleichzeitig frischen Wind in eine verstaubte Protestpraxis, für die sich in der Postpop-Ära kaum noch jemand begeistern kann. Moderner Widerstand sieht nun einmal anders aus.

Eines der schönsten Beispiele, wie man das Internet nutzen und mit einer intelligenten Strategie in kurzer Zeit Erfolge erzielen kann, ist das Netzwerk von Carrotmob. Die einfache Idee gezielten Konsums verschafften dem Gründer Brent Schulkin seit 2009 eine stetig größer werdende Anhängerschaft, bis hin zu internationalen Ablegern des Carrotmob. Ohne World Wide Web wäre eine derartig schnelle und unkomplizierte Akquise von Anhängern nicht möglich.

Widerstand gekoppelt mit dem Humor des Netzes ist spannend, manchmal auch ein wenig am Ziel vorbei, aber in der virtuellen Gesellschaft absolut zeitgemäß.

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Das Internet und die Demonstration

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Die Hemmschwelle sinkt

Das Internet senkt die Schwelle zum Protest. Innerhalb weniger Tage finden sich Hunderttausende Gleichgesinnte. Doch die Aktionen verpuffen wirkungslos, wenn sie nicht mit dem klassischen Straßenprotest kombiniert werden.

Protest im Iran

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Schleier tragen ist Männersache

Wie kreativ Protest sein kann, zeigt sich an den Bildern von Kopftuch tragenden iranischen Männern, die über das Internet verbreitet wurden. Trotz der lächelnden Gesichter auf den Fotos ist die Lage im Iran sehr ernst.

Gegen die "Salamitaktik"

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Los, wir lassen alle die Hosen runter!

Die Piratenpartei nutzt die Möglichkeiten des Internets, um gegen die sogenannte "Salamitaktik" der Bundesregierung, der scheibchenweise vorangetriebenen Überwachung der deutschen Bevölkerung, auf kreative Weise zu protestieren.

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Politiker

Andreas Popp
04.02.2010

Carrotmobs

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Gib dem Esel die Karotte

Carrotmob kämpft mit sehr viel Spaß für eine bessere Welt und die Ergebnisse sind überwältigend. Die Aktionen verbreiten Optimismus und Lebensfreude. Sie stärken ein Gefühl für die Macht des Einzelnen.

 
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