Danke, gute Nacht zusammen! Joseph Ratzinger

Hintergrund

Das globale Daten-Leck

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Wikileaks hat die Kontrolle über die eigenen Daten verloren. Wer Transparenz predigt, darf sich darüber nicht wundern - und bekommt plötzlich die Schattenseiten des Kontrollverlusts mit.

Hintergrund

2006 wurde die Webseite Wikileaks von fünf Gründern – darunter das aktuelle Sprachrohr der Organisation, Julian Assange – ins Leben gerufen. Ziel ist es nach eigenen Angaben, eine zensur- und abhörsichere Platform zu schaffen, auf der unethisches Verhalten von Regierungen, Unternehmen und Organisationen enthüllt werden kann. Die Idee hinter Wikileaks bleibt aller Kritik zum Trotz interessant: Technologie schafft Transparenz. Die Beurteilung von Relevanz wird von den Hinterzimmern der Macht auf den digitalen Marktplatz verlagert. Das Informationsmonopol geht verloren, neue Zusammenhänge werden deutlich.

Doch die Arbeitspraxis von Wikileaks blieb schon bald hinter den eigenen Vorsätzen zurück. Im April 2010 veröffentlichte die Platform unter dem Namen “Collateral Murder” ein Video einen Hubschrauberangriffs in Baghdad (mehrere Journalisten kamen dabei zu Tode), das von den Wikileaks-Machern nachbearbeitet und dramaturgisch geschnitten worden war. Ebenfalls 2010 wurde bekannt, dass eingehende Datensätze nicht wie ursprünglich vorgesehen ohne Präferenzierung bearbeitet werden. Laut Assange wird sich Wikileaks aus Personalgründen darauf beschränken, zuerst Dokumente zu veröffentlichen, die besondere politische Brisanz versprechen.

Im Herbst 2010 sorgte Wikileaks mit mehreren großen Veröffentlichungswellen für Aufregung. Hunderttausende Dokumente zu den Kriegen in Afghanistan und im Irak sowie zur außenpolitischen Korrespondenz der US-Regierung wurden publiziert und von mehreren Zeitschriften und Zeitungen – dem SPIEGEL, der New York Times und dem Guardian – exklusiv vorab analysiert. Eine Veröffentlichung von internen Daten mehrerer US-Banken soll Anfang 2011 folgen.

Mit zunehmender Bekanntheit gerät Wikileaks nicht nur bei Regierungen in die Kritik (die US-Regierung hat Assange vorgeworfen, bewusst das Leben von US-Soldaten und Beamten zu gefährden und die nationale Sicherheit zu beeinträchtigen). Gegner werfen Wikileaks vor, durch die Selektion und Präferenzierung der Datensätze gezielt Politik auf Kosten der USA zu berteiben. Der journalistische Mehrwert sei keinesfalls bei allen Dokumenten gegeben, vielfach verstößen die Veröffentlichungen gegen geltendes Recht und verletzten die Privatsphäre der Betroffenen. Auch ehemalige Wikileaks-Mitarbeiter wie der deutsche Informatiker Daniel Domscheit-Berg haben sich von Assange im Streit getrennt. Sie werfen ihm vor, die Ideale der Wikileaks-Idee zu verraten und die Organisation autokratisch zu einem politischen Akteur umzubauen. Domscheid-Berg fordert eine dezentralisierte Struktur von Enthüllungsplatformen, deren interne Entscheidungswege genauso offen einsehbar sind wie die Dokumente, die sie publizieren.

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