„Ein Dummkopf sollte nicht zu viel Raum einnehmen. Bei gleicher Geistlosigkeit kommt es auf den Unterschied der Körperfülle an.“ Karl Kraus
Christian Wulff, der Kandidat der Koalition, hat es geschafft: Er ist der 10. Präsident der Bundesrepublik Deutschland. Doch die Wahl geriet zur Zitterpartie – erst im dritten Wahlgang konnte er sich gegen Joachim Gauck, den Kandidaten von SPD und Grünen, durchsetzen.
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Der Wahlkrimi am Mittwoch hat eines gezeigt: Angela Merkel hat Schlagseite, sie ist mit dem Virus des Versagens infiziert. Besäße Wulff Killerinstinkt, hätte er sich nach dem zweiten Wahlgang zurückgezogen und die Kanzlerin bloßgestellt.
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Als Kandidat mag er in der Bundesversammlung gescheitert sein. Für den Diskurs gegen die Politikverdrossenheit und für das Amt des Bundespräsidenten hat alleine das Antreten Joachim Gaucks dennoch großes geleistet.
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Die Wahl ist ein Sieg der Politik und eine Niederlage für die Medien. Wulff ist – wie die Kanzlerin – präsidial und konsensorientiert. Jetzt liegt es an ihm, aus Bellevue eine politische Denkfabrik zu machen und keine Kirche oder Pilgerstätte.
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Wunder muss er nicht vollbringen, der neue Mann in Schloss Bellevue. Aber er muss dringende Probleme in der Öffentlichkeit thematisieren, zum Beispiel die voranschreitende Spaltung der Gesellschaft. Der Bundespräsident kann dies anders ins Bewusstsein der Menschen tragen als Wissenschaftler oder Journalisten.
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Manchmal könnte der Eindruck entstehen, es würde über Joachim Gauck abgestimmt und nicht über das Amt des Bundespräsidenten. Das ist aber keineswegs der Fall. Christian Wulff hat die nötige Erfahrung im Politikbetrieb, die Gauck fehlt.
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Also doch: Die Linke schickt eine eigene Bundespräsidentschaftskandidatin ins Rennen. Die Nominierung Luc Jochimsens soll ein Zeichen politischer Unabhängigkeit sein. Tatsächlich aber ist sie ein Beleg strategischer Unreife.