Mit einem schweren Schild auf der Schulter die Straßen auf und ab trotten, darauf hat heute keiner mehr so richtig Lust. Was ist nur aus der guten alten Demonstration geworden! Nur Flashmobs und Facebook-Gruppen, wo das nach politischem Aktionismus suchende Auge hinschaut – alles nur oberflächlicher Klamauk?
Der Flashmob bei einer Wahlrede von Angela Merkel 2009 in Hamburg hat eines deutlich gemacht, Spaß ist bei spontanem, im Internet organisierten Protest ein wichtiges Element. Die “Yeaahh”-Rufe des Volkes nach jedem Absatz Merkels führten den politischen Rededuktus, der ja per se auf Jubel ausgerichtet ist, aber auf interessante Weise vor. Es spielte praktisch jeder seine Rolle, das Volk jubelte, die Kanzlerin sprach. Mit diesem Flashmob war ein kleines mediales Kunstwerk erschaffen worden.
Moderner Widerstand sieht nun einmal anders aus
Protest und Widerstand sind scheinbar, wie so viel anderes in der Bilderflut, von einem gewissen Vermarktungszwang durchdrungen worden. Zum einen müssen Teilnehmer angezogen werden, zum anderen muss Aufmerksamkeit in den Medien generiert werden. Die Organisatoren von Protestbewegungen haben mit dem Internet ein Instrument, das vieles erleichtert und auch Menschen, die kein vordergründiges politisches Interesse haben, erreicht. Das Web mit seiner Mitmach-Attitüde regt zum kreativen Umgang mit gesellschaftlichen Problemen an und bringt gleichzeitig frischen Wind in eine verstaubte Protestpraxis, für die sich in der Postpop-Ära kaum noch jemand begeistern kann. Moderner Widerstand sieht nun einmal anders aus.
Eines der schönsten Beispiele, wie man das Internet nutzen und mit einer intelligenten Strategie in kurzer Zeit Erfolge erzielen kann, ist das Netzwerk von Carrotmob. Die einfache Idee gezielten Konsums verschafften dem Gründer Brent Schulkin seit 2009 eine stetig größer werdende Anhängerschaft, bis hin zu internationalen Ablegern des Carrotmob. Ohne World Wide Web wäre eine derartig schnelle und unkomplizierte Akquise von Anhängern nicht möglich.
Widerstand gekoppelt mit dem Humor des Netzes ist spannend, manchmal auch ein wenig am Ziel vorbei, aber in der virtuellen Gesellschaft absolut zeitgemäß.
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