Das Parlament erstickt in Floskeln, Ritualen und höfischen Zeremonien. Roger Willemsen

Hintergrund

Grundgütiger

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"Wenn es keinen Gott gibt, ist dann alles erlaubt?", fragt der russische Schriftsteller Fjodor Dostojewski. Religion war der moralische Kompass, der Rahmen unseres Handelns. Doch verlangt die säkulare Gesellschaft nach neuen Legitimationen für Moral und Ethik?

Hintergrund

“Wenn es keinen Gott gibt, dann ist alles erlaubt”. Dieser Ausspruch, den Fjodor Dostojewski in seinen Büchern angedeutet und in einem Brief niederschrieb, scheint in der heutigen Zeit gleichzeitig antiquiert und aktuell.

Gott, als Garant jeder Moral und Ethik, ist in einer poststruktralistischen Zeit längst nicht mehr an der Tagesordnung – ersetzt durch die Werte des Grundgesetzes oder der Menschenrechts-Charta. „Gott ist Tod!“ analysierte schon Nietzsche. Sartre verband dies auf seine Weise mit Dostojewski und kam zu dem Ergebnis: Durch Gottes Tod, bzw. ohne Gott kann der Mensch endlich vollkommen frei sein.

Es müsste also lauten: Ohne Gott sind wir endlich frei, endlich ist alles erlaubt! Gott, der dem Sisyphos-Argument zufolge erfunden wurde als „Der-der-immer-schaut“ um die Einhaltung von Gesetzten zu kontrollieren, diesen Gott gibt es nicht mehr. Aus der Freiheit aller, verbunden mit der menschlichen Vernunft, argumentieren Atheisten für einen rational bezogenen Moralbegriff, der Gott nicht braucht. Ihnen zufolge zeigen das Theodizeeproblem und das Euthyphron-Dilemma, dass Gott einer Moral viel mehr im Wege steht. Wenn überhaupt tritt Gott heutzutage in den Tagesmedien als derjenige auf, in dessen Namen gehetzt diskriminiert und gemordet wird. Müsste es nicht heißen: Dank Gott ist alles erlaubt?

Eine vernunftbasierte Moralvorstellung ergibt sich anscheinend aus Kants kategorischem Imperativ: Handle nur nach derjenigen Maxime, durch die du zugleich wollen kannst, dass sie ein allgemeines Gesetz werde. Doch auch Kant negiert nicht komplett die Rolle religiösen Glaubens: “Ich mußte … das Wissen aufheben, um zum Glauben Platz zu bekommen.” Und wenn man bei Nietzsche nicht begeistert beim Ausrufezeichen nach seinem berühmten Satz zu lesen und zu denken aufhört, so steht dort: „Stürzen wir nicht fortwährend? Und rückwärts, seitwärts, vorwärts, nach allen Seiten? Gibt es noch ein Oben und ein Unten? Irren wir nicht durch ein unendliches Nichts?“ Heißt das, dass Nietzsche vor der Orientierungslosigkeit der Gottlosigkeit zurückschauderte?

Und was bedeutet absolute Freiheit? Können wir etwas wollen und wählen, wenn alle Möglichkeiten offen sind, oder braucht es zum „wollen“ nicht zunächst ein „sollen“? Kommt die Menschenwürde nur aus dem Konsens oder dem positiven Recht, oder ist sie intrinsisch verankert? Wer garantiert sie? Der Staat? Die Gesellschaft? Nach Christlich/Jüdischer Theologie kommt die Würde dem Menschen von Gott her, vom Transzendenten her zu. Alles was ist ist von Gott gewollt, und damit wertvoll, er ist Garant aller Moral. Fällt Gott als Garant dieses Wertes weg, was kann ihn ersetzen?

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