Ein Dummkopf sollte nicht zu viel Raum einnehmen. Bei gleicher Geistlosigkeit kommt es auf den Unterschied der Körperfülle an. Karl Kraus

Hintergrund

Jagd auf Doktor No

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Guttenberg ist zurückgetreten. Der Druck war nach den Enthüllungen der letzten Tage zu hoch geworden. Dass der Minister jetzt die Konsequenzen gezogen hat, ist richtig: Das Ministeramt darf nicht durch das Verhalten Einzelner beschädigt werden.

Hintergrund

Am 16. Februar berichtet die „Süddeutsche Zeitung“ über die Dissertation von Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU): Wörtlich zitierte Textstellen seien nicht als solche gekennzeichnet, die Arbeit somit teilweise abgeschrieben. Der Verteidigungsminister weist die Vorwürfe zurück. Erst Tage später räumt er „Fehler“ ein und legt seinen Doktortitel der Universität Bayreuth „vorübergehend“ nieder: „Es wurde allerdings zu keinem Zeitpunkt bewusst getäuscht.“

Der CSU-Politiker hatte seine Doktorarbeit im Jahr 2006 an der Rechts- und Wirtschaftswissenschaftlichen Fakultät in Bayreuth abgegeben. Im darauffolgenden Jahr wurde er mit der Bewertung summa cum laude zum Dr. jur. promoviert. Karl-Theodor zu Guttenberg besaß bereits zu dieser Zeit vielerlei “Ehrenämter und führende Positionen”:http://www.zuguttenberg.de/person.php, sowohl national als auch international. 2009 wurde er mit 37 Jahren zum Bundesminister für Wirtschaft und Technologie gewählt und wurde bis 2011 als jüngster Verteidigungsminister an Angela Merkels Seite gestellt.

Die Diskussion um die Dissertation beherrscht die Medien. Die Online-Community GuttenPlagWiki deckt immer mehr nicht gekennzeichnete Zitate auf. Bundeskanzlerin Merkel stellt sich hinter ihren Minister, die Opposition kritisiert Guttenberg. Dieser erklärt am 21. Februar, nach der intensiven Durchsicht der Arbeit dauerhaft auf seinen Doktortitel zu verzichten. Bei einer Fragestunde nimmt Guttenberg am 23. Februar im Bundestag Stellung zu den Vorwürfen. Am Abend entzieht ihm die Universität Bayreuth den Doktortitel.

Die Medien kritisieren Guttenbergs Verhalten. Am 28. Februar schreiben mehr als 50.000 Doktoranden einen Protestbrief an Bundeskanzlerin Merkel. Auch Peter Häberle, Guttenbergs Doktorvater, distanziert sich von Guttenberg und spricht von „unvorstellbaren Mängeln“. Am 1. März legt Karl-Thedor zu Guttenberg alle politischen Ämter nieder. Einen Tag später wird Thomas de Maizière (CDU) als Nachfolger in der Position des Verteidigungsministers vorgestellt.

Seitdem sind weitere Politiker unter Plagiatsverdacht geraten. Silvana Koch-Mehrin und Jorgo Chatzimarkakis (beide FDP) haben ebenso wie die Tochter des ehemaligen bayerischen Ministerpräsidenten Stoiber ihre Doktortitel aufgrund von Plagiatsvorwürfen aberkannt bekommen.

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Guttenbergs Rücktritt

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Richtiger Rücktritt, schwache Nerven

Der Rücktritt von Guttenberg war folgerichtig. Die Kritik - vor allem aus dem Netz - wurde immer lauter. Guttenberg hat in den letzten Tagen ziemlich alles falsch gemacht, was falsch zu machen war. Und eine weitere Lektion hat die Nation gelernt: Guttenberg fehlt die Nervenstärke. Kanzlermaterial ist er nicht.

Guttenberg und seine Gegner

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Der Kritiker des Elchs

Bei so viel ausgiebiger Kritik an Doktor a.D. zu Guttenberg muss ein Einwurf erlaubt sein. Der Medienforscher Professor Dr. Lutz Hachmeister mag den Verteidigungsminister zu Recht kritisieren, ein Blick in dessen Vergangenheit offenbart jedoch Erstaunliches.

Guttenbergs Schuld

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Der Verbrecher-Gott

Wer in der vergangenen Woche aus der Fremde dem politischen Treiben in der deutschen Heimat zusah, den musste tiefe Abscheu und Besorgnis erfassen. Aus kaltem Machtwillen entsagte Kanzlerin Merkel letzten Prinzipien innerer Führung. In Gestalt ihres unseligen Ministers zu Guttenberg verhöhnte sie die Leitwerte von Wissenschaft und Bildung – und damit das Fundament ihrer eigenen Republik. Warum es bei der Causa Guttenberg um mehr geht als den Aufbruch zur Schlingelrepublik.

Guttenberg bleibt kontrovers

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Zum Glück ist's nichts Ernstes!

Die Doktorwürde ist Guttenberg los, die Debatte geht weiter. Schlecht ist das nicht unbedingt. Wer die Skandale einfach weglächelt, hilft am Ende nur der Idee vom schönen Schein.

Verteidigungsminister Guttenberg

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Der Politakrobatiker macht weiter

Von einem “Stahlgewitter”, durch das Guttenberg gehe, sprach CSU-Parteifreund-Norbert Geis. Am Ende wird dem Freiherrn die Plagiatsaffäre sogar nützen: Hier holt er sich die angeblich notwendige Härte für den Politikbetrieb

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Journalist

Jost Kaiser
24.02.2011

Anklage gegen zu Guttenberg

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Mehr Schein als Sein

Der Sieg über die Pinscher steht kurz bevor, denn KT reagiert lässig auf die Anklagen. Er bedient damit tief sitzende Ressentiments in der Bevölkerung, die weder Politikern noch der oft beschworenen Intelligenzia so richtig vertraut.

 
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