Es ist ein guter Brauch, sich in die Arbeit des Amtsnachfolgers nicht einzumischen. Wolfgang Schäuble

Ein neues politisches Zeitalter

David Cameron, Parteivorsitzender der englischen Konservativen, spricht auf der TED-Conference 2010 über ein neues politisches Zeitalter. Die Zukunft, so Camerons These, gehört globalen Netzwerken und den darin integrierten Menschen.

David Cameron, der Parteivorsitzende der englischen Konservativen, beschäftigt sich mit der Verbindung zwischen Politik und Informationstechnologie. Auf der einen Seite steht die Überzeugung, politische Verantwortung vom regulatorischen Apparat des Staates an den einzelnen Bürger zurückzugeben. Auf der anderen Seite findet sich das enorme technologische Potenzial des postbürokratischen Zeitalters.

Cameron argumentiert, dass die lokale Verwaltung des vorindustriellen Europas durch die zentralisierte Staatsbürokratie des 20. Jahrhunderts verdrängt wurde: Big Brother lässt grüßen. Doch mit dem Aufkommen des Internets ist auch diese Form obsolet geworden. Die Zukunft, so Cameron, gehört globalen Netzwerken und den darin integrierten Menschen. Durch die kostenlose und zeitnahe Verfügbarkeit von Informationen werden die Bürger gestärkt, der Staat verliert sein historisches Machtmonopol. Optimistisch blickt der konservative Politiker in diese Zukunft: Unser Konsumverhalten ist von diesen technologischen Umwälzungen bereits nachhaltig verändert worden, die Politik wird folgen. Drei Entwicklungen erscheinen dabei als wichtig für die Kontrolle der Politik durch die Bürger:

Auf Internetportalen werden sich Wahlprogramme in Zukunft einfach vergleichen lassen

Durch die Verfügbarkeit von Parteispenden und Regierungsausgaben im Internet wird die Transparenz der Politik vergrößert und der Wettbewerb zwischen Regierungsorganisationen und privaten Firmen – etwa in der Bereitstellung von Sozialleistungen – ermöglicht.

Wahlmöglichkeiten werden ebenfalls erweitert. Auf Internetportalen werden sich in Zukunft Leistungen und Vorhaben einfach vergleichen lassen. Anstatt sich auf offizielle Angaben verlassen zu müssen, kann der Bürger zukünftig auf eine Vielzahl von Quellen zurückgreifen und dementsprechend Entscheidungen treffen.

Das wiederum erhöht die Verantwortlichkeit der Politik. Wenn Spenden und Straftatstatistiken frei und unkompliziert verfügbar sind, wird sich die Politik gegenüber dem informierten Bürger verantworten müssen.

Warum machen wir bestimmte Dinge auf eine bestimmte Art und Weise?

Fortschritte in Psychologie und Ökonomie haben darüber hinaus neue Blickwinkel auf das menschliche Verhalten ermöglicht: Warum machen wir bestimmte Dinge auf eine bestimmte Art und Weise? So kann zum Beispiel ein einfaches Diagramm zu Heizenergie und Heizkosten effektiver in der Absenkung des nationalen Energieverbrauchs sein als stringente Regierungsrichtlinien.

Die Schlussworte überlässt Cameron den Brüdern Kennedy. John F. Kennedy forderte vor einem halben Jahrhundert verstärkte Selbstverantwortung statt blinden Staatsvertrauens; Robert Kennedy warnte davor, den Fortschritt einer Nation nur am Auf und Ab statistischer Werte zu messen. Das Ziel, so Cameron, ist auch heute noch die Verwirklichung dieser Visionen. Die informationstechnologische Revolution stellt nun das passende Handwerkszeug dafür bereit.

Lesen Sie weitere Meinungen aus dieser Debatte von: Jamie Oliver, Bill Gates, Giesbert Damaschke.

Leserbriefe

comments powered by Disqus

Mehr zum Thema: Technologie, Selbstverantwortung, Regierungsmodell

Debatte

Regierungsprogramm von CDU und CSU

Medium_7227d1652f

"Für ein Deutschland, in dem wir gut und gerne leben"

Heute haben Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) und der Bayerische Ministerpräsident Horst Seehofer in Berlin das gemeinsame Regierungsprogramm "Für ein Deutschland, in dem wir gut und gerne leben"... weiterlesen

Medium_b6d0626984
von The European
03.07.2017

Debatte

Vorteile der Amtszeitbeschränkung

Medium_3e38546e3c

Gehen, wenn es am schönsten ist

Im Großen und Ganzen fördern Amtszeitbeschränkungen gesetzgebende Körperschaften, die energischer, ideologischer und diskussionsfreudiger sind. Kein Wunder, dass sie den Wählern gefallen. weiterlesen

Medium_ddd19c0ebd
von Patrick Basham
26.03.2011
meistgelesen / meistkommentiert