Die Religionen sind verschiedene Wege, die im gleichen Punkt münden. Mahatma Gandhi

Wenn uns Thilo den Jörg macht

David Baum findet, ein paar Radikale tun dem politischen Organismus gut. Und freut sich auf den Unterhaltungswert, den Thilo Sarrazin mit einer rechtspopulistischen Partei bieten würde. Schließlich soll man auch Kinder zwischendurch im Dreck spielen lassen.

HÖREN SIE, wieso soll Deutschland eigentlich keinen Haider haben? Man kann mit Fug und Recht sagen oder sogar in ein Megafon hineinbrüllen: weil die Republik mit diesem Pack von der Linken schon genug Scherereien hat! Ich hingegen finde die PDS-Vögel unglaublich amüsant. Gegen einen sozialistischen Apparatschik duftet selbst ein Landesminister der CSU nach vergissmeinnichtfrischer Avantgarde. Und was wäre Anne Will ohne die wundervolle Provokationsdampfmaschine Gregor Gysi? Leider ist Die Linke seit Ausscheiden ihres Deus ex Machina Lafontaine nicht mehr ausreichend abendfüllend.

Leider ist Die Linke nicht mehr abendfüllend genug

Nun empfahl gestern Sigmar Gabriel (ausgerechnet während einer Schiffsreise in die Nibelungenstadt Worms) seinem Parteikollegen Thilo Sarrazin den Austritt aus der SPD. Früher meinten manche, Sarrazins heftige Sätze über die “Kopftuchmädchenproduktion” wären dem so rausgerutscht. Aber: Sarrazin war als Kind ein Stotterer, so einem ist jedes Wortes, das er sich entwindet, allzu bewusst. Ihn aus der SPD zu jagen ist mutig. Denn der Mann hat eine Mission. Er ist zurzeit mit seinem Buch “Deutschland schafft sich ab”, wo er munter über die dämlichen, uns alle verblödenden Migranten hasspredigt, mit Vorabdrucken in “Spiegel” und “Bild” vertreten, somit sicherer Dauergast in den Bestsellerlisten von ganz bald. Was also, wenn das eine zum anderen kommt und uns Sarrazin den Jörg macht?

Ich fänd’s übrigens herrlich. Gerade die politischen Gruppierungen an den Rändern sind so eine Art Virus, den man in kleinen Dosen wie einen Impfstoff gegen Pocken, Gelbfieber und Maul- & Klauenseuche respektive gegen Faschismus in den Adern haben sollte. Selbst die NPD verdient das Prädikat “demokratisch wertvoll”, weil an ihren Funktionären selbst der auf dem rechten Auge Erblindetesehen kann, was für ein Drecksvolk sich da aufspielt, das wahre Volk zu sein. Der Verfassungsfeind ist insofern durchaus gesund, wenn er in homöopathischen Dosen vorkommt, sodass er das Immunsystem munter hält. Leider haben sich die Deutschen wegen jener mörderischen zwölf Jahre verboten, im Dreck zu spielen. Aus der Kindererziehung ist derweilen bekannt, dass das die Abwehrkräfte besser stählt als jede Mumpsparty. Wer mit dem bösen Augenzwinkern dem Autobahnbau huldigt, muss aber in diesem verflucht korrekten Land sofort zur Strafe mit Eva Herman rechteeckestehen. Da hält plötzlich keiner noch was von antiautoritärer Erziehung.

Die deutsche Parteienlandschaft ist saulangweilig

Das Problem an einer aus Sozialdemokraten, Christsozialdemokraten und Grünsozialdemokraten bestehenden Parteienlandschaft ist, dass sie saulangweilig ist. Das kann auch kein redlich um Amüsement bemühtes freisozialdemokratisches Knallchargenkabinett wettmachen. Obwohl der deutsche Comedypreis in diesem Jahr natürlich Guido Westerwelle gebührt – aber das ist ein anderes Phänomen.

Nun hat das Meinungsforschungsinstitut Emnid eruiert, dass etwa 20 Prozent der Wähler bei einer “bürgerlich-konservativen Partei rechts von der CDU” ihr Kreuzchen schreiben würden. Dass ein solches Bedürfnis bestehen könnte, haben die Hamburger bereits demonstriert, als sie den gnadenlosen Ronald Barnabas Schill, dessen Hobby des Kokainisierens noch nicht bekannt gewesen ist, zum Wahlerfolg führten. Schills folgender Auftritt als el líder mínimo der Herzen war aufregender, aber auch obszöner als jede Galavorstellung im Salambo auf der Großen Freiheit – also ein Publikumshit. Zugegebenermaßen auch ein Experiment, das schiefgegangen ist und außer Polizeiuniformen, die sich gut in Vorabendserien wie dem “Großstadtrevier” machen, nichts Bleibendes hinterlassen hat.

Bei Sarrazin ist das anders. Er war als Finanzsenator der Stadt Berlin ein wahrer Held. Berlins Staatshaushalt zu verwalten, ohne Halluzinationen zu bekommen – dagegen ist ja selbst der Job, das marode Griechenland zu sanieren, wie ein Nachmittag im Berliner Zoo. Und wer weiß, ob sich da nicht ein gelangweilter CDU-Dissident wie Merz, Koch oder Schönbohm dazugesellt und aus dem bislang aufgewirbelten Staub ein Erdrutsch wird. Sich an der Kampagne der österreichischen FPÖ orientierend läge der Wahlslogan “Sarrazin statt Muezzin” geradezu auf der Hand. Dem Liebhaber der rosa getünchten Kuschelrepublik wird bei dieser Vorstellung natürlich ganz schummrig und blümerant. Wäre der Konsens nicht nachhaltig gestört?

Na klar. Ist doch wunderbar! Denn ehrlich gesagt: Gegen Leute zu sein, die dem Mauerbau nachtrauern beziehungsweise das Holocaustmahnmal als Freihalter für die neue Reichskanzlei ansehen, ist so mutig und schlau, als müsste man sich entscheiden, ob man für oder gegen einen atomaren Weltkrieg eintreten soll. Deshalb sollten gerade die wahren Demokraten Sarrazin bitten, anzutreten. Gegen ihn zu sein wird sich anfühlen wie ein neuer Kaschmirpulli.

Leserbriefe

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    uniquolol – 26.08.2010 - 12:00

    Immer dieses allgemeine Geblubber.
    Weshalb widerlegt niemand die konkreten Argumente von Sarrazin – wenn sie angeblich doch so bescheuert sind? Sollte doch eigentlich ein Leichtes sein…

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    Roadrunner – 27.08.2010 - 11:59

    Endlich mal jemand, der es auf den Punkt bringt. Danke Uniquolol.

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    Andreas Dalenbrook – 04.09.2010 - 12:24

    Ich bin absulut auch Ihrer Meinung.

    Ich grüsse freundlichst, Andreas

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    Andreas Dalenbrook – 04.09.2010 - 12:22

    Widerlegen Sie doch seine Argumente oder fehlt es ihnen aufgrund mangelnder Intelligenz an Überzeugungskraft

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    guvo – 26.08.2010 - 13:31

    Ich halte es für legitim, danach zu fragen, ob der kulturelle und bildungspolitische Aufwand noch im Verhältnis zum erhofften Integrationserfolg steht. Wenn die Unterschichten und Muslime sich zum großen Teil nicht gesellschaftlich integrieren lassen? Falls das tatsächlich stimmt, würde die Kritik an Sarrazin auf die Kritiker zurückfallen. Tatsache scheint jedenfalls zu sein, dass die Unterschicht, zu der auch ein Teil der Muslime dazu gezählt werden kann, überverhältnismäßig viel Kinder in die Welt setzt und öffentliche Integrationsbemühungen nicht wirklich wünscht. Was spricht dagegen, die religiösen Motive der Muslime in Hinblick auf eine – möglicherweise – bloß angestrebte Parallelgesellschat zu hinterfragen? In dem Fall kann die Lösung nicht lauten, dass der bisherige Inergrationsaufwand nur intensiviert zu werden braucht. In diesem Zussammenhang sind umfassendere Überlegungen angesagt. Vielleicht sind neue Überlegungen hilfreicher. Für diese Gedankenanschübe ist Herrn Sarrazin, der über alle Zweifel erhaben ist, kein Demokrat zu sein, zu danken.

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    Andreas Dalenbrook – 04.09.2010 - 12:35

    Ich bin absolut Ihrer Meinung.
    Ich bin aber ausserdem der Meinung, dass grosse Anstrengungen unternehmen, wie z.B. Strukturverbesserungen in den muslimischen Ländern, werden sollten, um die Völkerwanderung zu minimieren und langfristig gesehen ein geringen Integrationsaufwand erzielen zu können. Wie groß dieser Aufwand dann sein muss, um dieses Ziel erreichen, kann ich leider nicht einschätzen.
    Ich grüsse freundlichst, Andreas

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    Werner Guth – 26.08.2010 - 16:26

    Die Untertitel der Bücher des Herrn Dr. Thilo Sarrazin könnten lauten: Deutscher, an deinem Elend sind immer die Anderen schuld.“ Mit dieser Parole rennt der Mann in diesem von Neid zerfressenen Land offene Türen ein. Und hat, nachdem er nun die Migranten als Hauptschuldige an allem Elend präsentiert, sogar einige „ deutschblütige“ Grundsicherungsempfänger auf seine Seite ziehen können, denen er vor kurzem nicht den“ fetten Braten“ gegönnt hat. Vor seiner Behauptung: „Deutschland wird immer ärmer und dümmer“ hat Herr Sarrazin sicherlich in einen Spiegel geschaut und festgestellt wie geistig arm und dumm er einen Teil der Gesellschaft repräsentiert. Das angefügte Zitat sagt mehr als weitere Worte.

    Besserwisser sind Leute, die einem Pferd die Sporen geben, auf dem sie gar nicht sitzen. (Alain Peyrefitte)

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    Hikmet_Özmet – 27.08.2010 - 00:09

    Herr Guth, man weiß im Internet leider selten mit wem man diskutiert, und da tummeln sich allerlei Aktivisten aller Coleur, Rechts-Extrem, Links-Extrem oder Islamistisch, letztere Bedienen sich besonders gern der Methode “Taqqiya”.

    " (…)die Migranten als Hauptschuldige an allem Elend präsentiert(..)"

    Ist das Absicht, oder sind Sie nicht in der Lage zu differenzieren? Es scheint mittlerweile Strategie zu sein, die offenkundig schlecht Integrierten und Leistungs-Schwachen Muslimischen Immigranten hinter allen anderen Immigranten zu verstecken, um den Vorwurf des Rassismus auch schön wirkungsvoll auszuführen.

    Unsere Politische Elite besteht fast ausschließlich aus Realitäts-Verweigerern, besonders wenn es um Demographische Wirklichkeiten geht. Wer ein Islamisches Deutschland 2050 wünscht, unternehme nichts, freue sich auf eine zukünftige Gesetzgebung nach der Scharia, und stosse sich auf Thilo Sarrazin.

    Wem der Gedanke Unbehagen bereitet, setze sich weiter mit Sarrazins Thesen, und Lösungsmöglichkeiten der von ihm beschriebenen Probleme auseinander.

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    Werner Guth – 27.08.2010 - 12:10

    Herr Hikmet Özmet,
    ich glaube sie haben mich total missverstanden. Ich sehe zuerst den Menschen, dann folgen Religion,und die anderen Unwichtigkeiten. Übrigens gibt es in allen Rassen, Nationen solche und solche.( Faule und Fleißige) Wer dergleichen Eigenschaften auf eine Menschengruppe projiziert ist Rassist.

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    Peter Fenomski – 08.09.2010 - 10:19

    “Es gibt kein gutmütigeres, aber auch kein leichtgläubigeres Volk als das deutsche. Um eine Parole, die man ihnen gab, verfolgen sie ihre Landsleute mit grösserer Erbitterung als ihre wirklichen Feinde.”

    (Napoleon)

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    Florian Guckelsberger – 26.08.2010 - 17:46

    Anmerkung: Die Redaktion hat einen Leserbrief mit klar anti-semitischen Aussagen entfernt. Wir bitte alle Leserinnen und Leser, die Netiquette einzuhalten.

    Im Auftrag der Redaktion,
    Florian Guckelsberger

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    Werner Guth – 27.08.2010 - 15:46

    Liebe Redaktion,
    ich denke wir sind reif genug auch “verbotenes” zu lesen und einzuordnen.

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    deutscher Bürger – 03.09.2010 - 15:46

    von Werner Guth
    „Liebe Redaktion,
    ich denke wir sind reif genug auch “verbotenes” zu lesen und einzuordnen.“
    Das wäre ja die Möglichkeit zur demokratischen, freiheitlichen Meinungsbildung und wer will das schon?
    Nur kann ich meinem gelöschten Beitrag hinzufügen, so er nicht wieder gelöscht wird?
    Wir können euch nicht zwingen die Wahrheit zu sagen. – Aber dazu zwingen immer dreister zu lügen.
    Noch treffender:
    „ZUM RECHT DES WAHRHEITSSUCHENDEN GEHÖRT ES, ZWEIFELN, FORSCHEN UND ABWÄGEN ZU DÜRFEN. UND WO IMMER DIESES ZWEIFELN UND WÄGEN VERBOTEN WIRD, WO IMMER MENSCHEN VERLANGEN, DASS AN SIE GEGLAUBT WERDEN MUSS, WIRD EIN GOTTESLÄSTERLICHER HOCHMUT SICHTBAR, DER NACHDENKLICH STIMMT. WENN NUN JENE, DEREN THESEN SIE ANZWEIFELN, DIE WAHRHEIT AUF IHRER SEITE HABEN, WERDEN SIE ALLE FRAGEN GELASSEN HINNEHMEN UND GEDULDIG BEANTWORTEN. UND SIE WERDEN IHRE BEWEISE UND IHRE AKTEN NICHT LÄNGER VERBERGEN. WENN JENE ABER LÜGEN, DANN WERDEN SIE NACH DEM RICHTER RUFEN. DARAN WIRD MAN SIE ERKENNEN. WAHRHEIT IST STETS GELASSEN. LÜGE ABER SCHREIT NACH IRDISCHEM GERICHT!“
    Pfarrer Viktor R. Knirsch aus Kahlenbergerdorf (Österreich)
    Ich wollte Milch und bekam die Flasche, ich wollte Eltern und bekam Spielzeug, ich wollte lernen und bekam Zeugnisse, ich wollte Liebe und bekam Moral, ich wollte einen Beruf und bekam einen Job, ich wollte einen Sinn und bekam eine Karriere, ich wollte Glück und bekam Geld, ich wollte die Wahrheit und bekam Lügen, ich wollte Hoffnung und bekam Angst, ich wollte leben … werde aber gelebt, doch ich bin “Gott sei Dank” aufgewacht!

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    dr bad – 22.10.2011 - 08:37

    Wenn ich die politische “Kultur Östereichs” und der “Schweiz” ansehe wird mir angesichts des rechts-populistischen Mülls wirklcih übel. Der Autor sollte sich lieber mal Gedanken machen, warum in Östereich sowas heute noch geht. Im Vergleich zu Deutschland ist die politische Debatte vergiftet und es herrscht ein offen rassistisches Klima. Ich bin da sehr froh in D zu leben.
    @guth ich glaube nicht dass sie in ihrer kindlichen naivität dafür schon bereit sind?

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    Herr Frey – 27.08.2010 - 16:50

    @fguckelsberger:

    Ich meine mal in einer Kolumne gelesen zu haben, dass man solche Meinungen offen zeigen sollte, damit man im demokratischen Sinne, quasi als Impfstoff, sieht, welches Drecksvolk sich aufspielt, das wahre Volk zu sein. ;-)

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    Peter Fenomski – 08.09.2010 - 10:09

    Die Redaktion hat einen Leserbrief mit klar anti-semitischen Aussagen entfernt.

    “Wenn die Freihei überhaupt etwas bedeutet dann, ist es die Freihet Menschen das zu sagen, was sie nicht gerne oder gar nicht hören wollen”

  • Theeuropean-placeholder
    cyberjoker – 27.08.2010 - 00:24

    Wer hat da was von rechten Parteien gesagt?
    Für jeden normal denkenden Menschen sind Parteien wie NPD, DVU, REP usw (gibts da noch andere?) tabu, die werden ignoriert. Schwachköpfe halt.
    Wo mir aber der Hut hochgeht ist wenn jeder islamkritische Mensch bzw eine islamkritische Partei (ihr wißt schon welche) sofort in die Nazi-Ecke gedrängt wird. Auf Argumente wird nicht eingegangen, sofort wird “Rassist” gebrüllt. So gehts nicht in einer Demokratie!
    Übrigens, der Islam ist keine Rasse!

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