Christian Wulff ist keine Idealbesetzung. Alexander Kissler

AfD – und nun?

Die AfD feiert vier Wahlsiege hintereinander. Muss man ihr nun entgegenkommen? Ganz im Gegenteil – massive Ausgrenzung ist die richtige Antwort.

Zugegeben, der Blick auf die Wahlergebnisse am Wochenende ist zunächst ein Schock: Eine rechtsradikale Partei holt gleich in zwei Bundesländern zweistellige Ergebnisse.

Wenn man aber genau hinschaut, ist die Entwicklung gegenüber der Bundestags- und der Europawahl gar nicht mehr so eklatant. Die Zahl der Stimmen hat sich kaum verändert, maßgeblich zu den hohen Prozentzahlen haben die niedrige Wahlbeteiligung und der Rückenwind aus Sachsen beigetragen. Das Wählerpotenzial der AfD dürfte also weitgehend ausgeschöpft sein, wie auch Forsa-Chef Güllner analysiert. Immer mehr ehemals hochrangige Mitglieder, wie etwa das ehemalige Bundesvorstandsmitglied Michaela Merz, aber auch andere legen in ihren Austrittsschreiben deutlich dar, dass die AfD keine Alternative für Freunde der offenen Gesellschaft sein kann. Der Zerfallsprozess hat also, unabhängig von den aktuellen Ergebnissen schon begonnen.

Pathologische Denke

Damit soll die Gefahr, die von der AfD ausgeht, allerdings nicht kleingeredet werden. Eine straff organisierte Partei am rechten Rand, die dauerhaft Aufmerksamkeit bekommt, hat auch die Chance, das Klima in der Gesellschaft weiter negativ zu beeinflussen. Immer deutlicher wird, dass ein maßgebliches Themenfeld der AfD ist, alles, was die demokratische Basis dieses Landes ausmacht, verächtlich zu machen.

Angefangen bei den „Altparteien“, deren Rolle im Grundgesetz definiert ist, über die Abgeordneten – und damit die Exekutive –, die als „Blockflöten“ bezeichnet werden, und die Regierung, der man „dauernden Rechtsbruch vorwirft, bis hin zur Judikative – in Form des Verfassungsgerichtes –, der man vorwirft, an der Kandare der Kanzlerin zu hängen: All diesen Institutionen wird durch die AfD direkt oder indirekt die Legitimation abgesprochen. Auch die „Systemmedien“, die EZB, das Europäische Parlament oder die Bankenaufsicht bekommen kontinuierlich ihr Fett weg. Sogar den ehrenamtlichen Wahlausschüssen traut man nicht mehr über den Weg – sie könnten ja betrügen. Man muss dieses Denken schon pathologisch nennen dürfen.

Nun möchte man sich gar nicht vorstellen, wie dieses Land und die ganze EU aussehen würden, wenn man die AfD mal machen ließe. Von dem, was den Kontinent nach dem Krieg wieder stark gemacht hat, wäre dann auf jeden Fall nichts mehr da. Wenn man das aber im Kopf hat, verbietet sich auch jegliches Nachdenken innerhalb der demokratischen Parteien darüber, ob man der AfD in irgendeiner Form entgegenkommen oder gar mit ihr zusammenarbeiten wolle. Das Wahlergebnis muss man als Demokrat natürlich akzeptieren. Allerdings muss die AfD ihrerseits auch akzeptieren, dass selbst von denen, die wählen gegangen sind, gerade einmal etwas mehr als zehn Prozent ihre Linie unterstützen. Etwa 90 Prozent allerdings können damit wenig bis gar nichts anfangen. Und diese sind es, die die Demokratie tragen – und die überhaupt kein Interesse daran haben können, dass die Radikalen plötzlich die Agenda dieses Landes diktieren.

Harte Auseinandersetzung in der Sache

Würde man in der CDU darüber diskutieren, ob man nicht auf den politischen Gegner zugehen müsste, wenn es sich bei der Zehn-Prozent-Partei um die NPD handeln würde? Sicher nicht. Und genau so sollte man es auch mit der AfD halten – zumal deren Wählerstruktur der der NPD ziemlich nahe kommt.

Den Fehler, auf die rechten Brandstifter einzugehen, haben Union und FDP Anfang der 1990er-Jahre schon einmal gemacht, und damit die Stimmung nur weiter angeheizt. Brennende Asylbewerberheime waren damals das Ergebnis. Aus Fehlern muss man lernen. Und eine der Erkenntnisse ist eben, dass illegitime Positionen auch dann illegitim bleiben, wenn sich eine größere Zahl Menschen hinter ihnen versammelt. Wenn morgen 30 Prozent eine antisemitische Partei wählen würden, dürfte man auf diese Position genauso wenig eingehen wie wenn morgen 30 Prozent der Leute dafür wären, dass man das Recht haben sollte, seine Ehefrau wieder zu züchtigen.

Die richtige Taktik ist daher: Eine harte Auseinandersetzung mit der AfD in der Sache, dazu Aufklärung, Aufklärung und noch einmal Aufklärung derjenigen Wähler, die immer noch glauben, sie würden mit einer Stimme für die Partei immer noch in erster Linie den Protest gegen die Euro-Rettung wählen. Es darf kein Zweifel bestehen, dass die demokratischen Parteien in dieser Frage überhaupt nicht wackeln. Dass gerade Markus Söder von der CSU wieder etwas länger braucht, um das zu verstehen, überrascht dabei nicht.

Verdienstvoll positioniert haben sich hingegen die SPD-Generalsekretärin Fahimi und vor allem auch CDU-Generalsekretär Peter Tauber. In einem langen Blogbeitrag kommt er am Ende zu der Erkenntnis: „Die Antwort kann aber nicht sein, dass wir darüber nachdenken, mit einer politischen Kraft zusammenzuarbeiten, die entscheidende Werte und Überzeugungen der Christdemokratie ablehnt.“ Und damit liegt er goldrichtig. Je stärker die AfD sich selbst fühlt, desto klarer muss man allen Wählern, die auch nur darüber nachdenken, die Emporkömmlinge zu wählen, zeigen, dass sie ihre Stimme dann auch in die Mülltonne werfen können. Konfrontation und Ausgrenzung ist die beste Waffe gegen die, die glauben, mit einer großen Klappe und im Handstreich die Axt an alles legen zu können, was uns lieb und teuer geworden ist.

Lesen Sie auch die neuste Kolumne von Christoph Giesa: Frau Klöckner und der Imam

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