Obama hat bei Weitem nicht so viel erreichen können, wir er es sich gewünscht hatte. Stephen Wayne

Wein her, es ist zum Weinen

Nach dem Tabak kommt der Alkohol. Nach den Alkopops kommt der Wein. Eine Welt ohne Weinkultur ist nicht mehr unmöglich. Ein Aufruf zum Widerstand.

Nach dem Tabak kommt der Alkohol. Kommissare und Beamte der Europäischen Union machen sich daran, eine neue Prohibition vorzubereiten, ein totales Alkoholverbot. Unmöglich, sagen Sie? Unmöglich ist gar nichts mehr. Reden wir in 20 Jahren weiter. Bei keinem Glas Wein.

Da werden sich viele finden, die gleich begeistert schreien: “Ja, bitte macht das!” Grünwähler vereint mit Gesundheitsfetischisten vereint mit Rauschgegnern vereint mit Sparfüchsen, die um das Gesundheitsbudget fürchten, vereint mit Spaßfreien, die alle vom Spaß befreien wollen, weil nur der Nüchterne pragmatisch sein kann. “Es kommen Scheißzeiten”, sagte mir gestern ein erfolgreicher Wiener Wirt. Ich fürchte, er hat recht.

Alles Zetern wird wenig helfen

Freilich will ich nicht, dass Kinder und Jugendliche sich mit Alkopops bis zur Bewusstlosigkeit zudröhnen; sicher will ich, dass man gegen die “Jeder-Schnaps-ein-Euro”-Kneipen vorgeht; mit Bestimmtheit fordere ich den Gesetzgeber dazu auf, die Ausnüchterungszelle wieder einzuführen – das bislang beste Medikament zur Entwöhnung.

Man kann jetzt über den Verfall der Kultur jammern, vor allem der Trinkkultur, die Südeuropa (dazu gehören auch Bayern und Bawü) seit jeher prägt. Südeuropa ist ohne Wein nicht vorstellbar. Doch wer sieht, wie sich vor allem die Italiener widerspruchslos den neuen Regeln von Nation und Union ergeben, der darf auch annehmen, dass selbst in Italien ein Alkoholverbot durchgeht. Auch ohne Berlusconi an der Spitze des Staates.

Alles Zetern wird wenig helfen: Weltweit ist eine Gemeinschaft von schwarzmalenden Gesundheitsaposteln auf dem Vormarsch, die ihren Ranzen von der Ökonomieberater-Lobby gefüllt bekommen. Gesünder leben schont das Volksvermögen. Der Raucher (heute), der Alkoholkonsument (morgen), der Wein- und Biertrinker (übermorgen): Sie alle sind Schädlinge der gesunden Gesellschaft. Auf das läuft es hinaus.

Nun könnte man die alten Rituale wiederholen, die schon beim Rauchen nicht gefruchtet haben. Besser wäre aber, man zieht sich auf die Kulturfront zurück. Denn dieses Bollwerk kann die anrückende Armee der Freudlosen nicht überwinden.

Auf zum Kulturkampf!

So muss die kommende Debatte über Alkoholverbote zum Kulturkampf stilisiert werden. Und zum Identitätskrieg. Es geht nicht an, dass ideologisch beeinflusste Regelwerke in den jahrhundertelang erprobten Umgang mit leichten und Freude stiftenden Drogen eingreifen, nur weil unterbeschäftigte und überbezahlte Beamte ihr Ego stärken wollen.

Und man muss hoffen, dass es weiter Menschen gibt wie den französischen Landwirtschaftsminister, der in Brüssel auf eine erste Diskussion vor etwa zehn Jahren den legendären Spruch fallen ließ: “Bei einem Alkoholverbot treten wir aus der Union aus.” Das war damals ein Schuss vor den Bug. Jetzt, zehn Jahre später, sind in den weinproduzierenden Ländern andere Minister im Amt. Schleimer und Schwitzer.

Und deswegen ist nichts unmöglich. Man muss den Widerstand vorbereiten. Noch ist Zeit. Nicht mehr viel.

Lesen Sie weitere Meinungen aus dieser Debatte von: Henning Hirsch, Nils Pickert, Albert Wunsch.

Dieser Beitrag hat Ihnen gefallen und Sie sind an Debatten interessiert? Bestellen Sie jetzt den gedruckten „The European“ und freuen Sie sich auf 160 Seiten Streitkultur. Natürlich versandkostenfrei.

Leserbriefe

comments powered by Disqus

Aus der Debatte

Prohibition in Deutschland

Flaschenentzug

Big_64d6886f30

Schärfere Regeln sind notwendig, um die Volkskrankheit Alkoholsucht in den Griff zu bekommen. Sechs Forderungen, basierend auf eigener, harter Erfahrung.

Small_3eec707001
von Henning Hirsch
27.11.2013

Trockenzeit

Big_e0e8c8df3b

Die Diskussion über gesellschaftlichen Alkoholkonsum ist auch deswegen so schwierig, weil es um persönlichen Geschmack geht. Unser Autor hat beschlossen: Ihm schmeckt es nicht mehr.

Small_b3ff33f52d
von Nils Pickert
01.03.2013

Wohl bekomm’s

Big_8eae5c00a6

Der CDU-Politiker Jens Spahn fordert, Eltern von Komatrinkern an den Behandlungskosten zu beteiligen. Richtig so, denn Veränderungen im Verhalten setzen erst ein, wenn man die Folgen spürt.

Small_be68c34575
von Albert Wunsch
19.02.2013

Mehr zum Thema: Alkohol, Wein, Gesundheit

Debatte

Reform der Krankenkassen: Der Patient zahlt

Medium_aef461d203

Kranke zur Kasse

Transparenz und Aufklärung sind Unworte bei den Krankenkassen. Vor lauter Machtpoker haben sie längst übersehen, wer die Zahlmeister für ihre Monopoly-Spiele sind. weiterlesen

Medium_2bb7f8cc1a
von Renate Hartwig
12.06.2014

Debatte

Gewicht und Schönheitsideal

Medium_25bffe9088

Superhelden XXL

Weil sie sich dem Gesundheitsterror entziehen, sind dicke Menschen eigentlich Helden. Was einiges über unsere Gesellschaft aussagt. weiterlesen

Medium_e12448946f
von Robert Gugutzer
10.10.2013

Debatte

Health at Every Size

Medium_7205d912ef

Rebellion der Anti-Körper

Dicke Menschen werden für vieles verantwortlich gemacht: Schwache Wirtschaft, hohe Kosten im Gesundheitssystem, teure Flüge. In Amerika hat sich nun zu recht der Widerstand formiert. weiterlesen

Medium_172ab33044
von Linda Bacon
09.10.2013
meistgelesen / meistkommentiert