Die EU ist offen für Russland. Carl Bildt

Gendergaga

Facebook bietet seinen deutschen Mitgliedern die Wahl aus 60 verschiedenen Geschlechtern. Die Abteilung „Dinge, die die Welt nicht braucht“ ist damit um ein Kapitel reicher.

Immerhin, wir haben die USA endlich mal in einem Punkt überholt. Deutschland bekommt zwei Geschlechter mehr als die Amerikaner. In vertrauensvoller Zusammenarbeit mit Schwulen-, Lesben- und Transgenderverbänden hat Facebook nach Großbritannien und den USA jetzt auch für Deutschland die Möglichkeit geschaffen, sich sein Geschlecht aus 60 Optionen auszusuchen. Die Amis bringen es nur auf 58, die Briten dafür auf 70 Geschlechter, aber die fahren ja auch auf der falschen Straßenseite.

Die Abteilung „Dinge, die die Welt nicht braucht“ ist damit um ein Kapitel reicher. Jeder ist das, was er fühlt. Geschlecht nur noch soziale Konstruktion und nicht mehr eingeengt durch die unerbittlichen Fesseln der Biologie. Vergessen Sie den Badezimmerspiegel und die Chromosomen: Jeder ist was er/sie/es/* will. Und wenn ich heute verkünde, dass mein Geschlecht ab sofort „Butch“ ist, dann bin nicht etwa ich ein Fall für einen guten Therapeuten, sondern mein ungläubiger/s/* Gegenüber ein Fall für die Antidiskriminierungsstelle. Wird Zeit, dass der Deutsche Ethikrat eine Sondersitzung einberuft, bislang hatte man sich dort nur mit einem möglichen dritten Geschlecht beschäftigt. Ganz schön fahrlässig.

Einfach nur Mann oder Frau ist old fashioned

Bislang ist noch ungeklärt, ob die geplante Frauenquote auch auf die neuen Geschlechtsbezeichnungen „weder noch“ und „gender variabel“ anwendbar ist. Juristen können schon mal erste Abhandlungen entwerfen, wie mit Bewerbern umzugehen ist, die mitten auf der Karriereleiter ihr Geschlecht einfach ändern. Ist die „Trans-Frau“ wirklich weiblich? Und was ist verdammt noch mal der Unterschied zur „Trans*Frau“, „transweiblich“, „trans*weiblich“, „transgender-weiblich“, „Transsexuellen Frau“, „Inter-weiblich“, „Inter*Frau“, „XY-Frau“ und „Femme“ – und wer zu Hölle will das überhaupt wissen?

Einfach nur Mann oder Frau wird also auf kurz oder lang echt old fashioned und entlarvt einen sofort als ultra-konservativen, womöglich christlich-indoktrinierten, aber zumindest veränderungsunwilligen Dinosaurier. Ich persönlich freue mich schon auf den nächsten Lehrplan-Entwurf in Baden-Württemberg, der aktuelle ist ja dann damit Geschichte. Also wenn schon, liebes Ländle, dann bitte korrekt. Dieses Einfügen von nur sechs neuen Geschlechtern in den fächerübergreifenden Unterricht ist nun wirklich nicht mehr zeitgemäß und schafft unnötig neue Diskriminierungen für die paar Dutzend anderen, die ihr nicht gelistet habt. Wenn schon Toleranz, dann aber richtig!

Allerdings bin ich der Meinung, dass in der Facebook-Liste auch noch einige Geschlechter fehlen. Hatten wir nicht Dank der Tischreden bei der Eröffnung des Gender-Zentrums der EKD gelernt, dass es über 4.000 Geschlechter gibt und wir nur zwei begrüßen?

Comedy-Preis 2014

Und wenn Geschlecht jetzt nichts mehr mit Biologie zu tun hat, sondern nur noch eine Aussage darüber ist, wer es gerne mit wem oder gar wie tun würde, sind die Geschlechtsoptionen schier unendlich. Was ist beispielsweise mit den Männern, die für 300PS jede Frau stehen lassen würden? Ist deren Geschlecht möglicherweise „BMW*Porsche“? Ganz verschämt scheint man auch zahlreiche sexuelle Vorlieben nicht mitaufgenommen zu haben, vermutlich weil Präferenzen wie „zoophil“ einfach nicht so sexy rüberkommen. Man sieht aber, die Liste ist nach oben noch offen auch für Facebook. Und wem die 60 Varianten nicht reichen, der kann ja immer noch sein ganz persönliches Geschlecht eintragen. Damit sollten dann auch die Budgets für die unzähligen Gender-Lehrstühle in Deutschland für die nächsten Jahrzehnte abgesichert sein, denn es wird Jahre dauern, diese bunte Vielfalt zu erforschen und zu katalogisieren oder zumindest ein Exemplar jedes Geschlechts ausfindig zu machen.

Ich gehe davon aus, dass die ersten Dankesschreiben von Mario Barth und Co. bereits bei Facebook eingetrudelt sind. Immerhin ist jetzt das Bühnenprogramm für die nächsten Jahre sicher angesichts dieser Spaßoffensive. Und hiermit nominiere ich Facebook für den Comedy-Preis 2014. So viel Satire muss belohnt werden!

Lesen Sie auch die neuste Kolumne von Birgit Kelle: Jetzt erst recht!

Leserbriefe

comments powered by Disqus

Mehr zum Thema: , Gender, Geschlecht

Kolumne

Medium_3fd7a3d74d
von David Harnasch
26.06.2016

Debatte

Der Sexodus

Medium_fd1d011d3b

Von Feminismus bis Gender

Wir sind in einer Zeit angekommen, in der der Mann nicht mehr Mann sein darf und die Frau nicht mehr Frau sein will. Während die Männer also heute die Kinder wickeln, geht die Frau in den Baumarkt ... weiterlesen

Medium_b0bd6c9c66
von Carolin Anett Lüdeke
31.05.2016

Debatte

Baden-Württemberg nach der Landtagswahl

Medium_17fb1e1bae

CDU im Ländle: keine Koalition mit den Grünen!

Nach den letzten Landtagswahlen in Baden-Württemberg, Sachsen-Anhalt und Rheinland-Pfalz werden innerhalb der CDU die Stimmen lauter, die für Bündnisse mit den Grünen werben. Dabei wird völlig igno... weiterlesen

Medium_080970f44a
von Mathias v. Gersdorff
24.03.2016
meistgelesen / meistkommentiert