Demokratie ist mehr als ein Betriebssystem. Sabine Leutheusser-Schnarrenberger

Das Dinosaurier-Problem

Eine neue Studie enthüllt, was der politische und publizistische Mainstream nicht wahrhaben will: Junge Frauen haben durchaus Lust auf die traditionelle Rollenverteilung in der Familie. Ernst nimmt sie aber leider niemand.

Die Deutschen leben konservativer als noch in den 1990er-Jahren. Frauen kümmern sich mehr um die Familie, Männer mehr um die Karriere und – oh Wunder – die Mehrheit ist damit glücklich. Es gibt Erkenntnisse, für die braucht man keine wissenschaftlichen Studien oder gar Umfragen, da reicht ein wacher Blick auf die Menschen um einen herum.

In diese Kategorie fällt wohl die aktuelle Umfrage des Institutes für Demoskopie Allensbach im Auftrag des Unternehmens „Vorwerk“, wonach die traditionelle Rollenaufteilung in der Familie nicht etwa ein Auslaufmodell sei, wie uns Politik und Medien gerne weismachen wollen, sondern sogar an Attraktivität gewonnen hat seit den 1990er-Jahren.

Nun gut, in der „Spiegel“-Redaktion ist man ganz mit den Nerven runter angesichts solcher Erkenntnisse. Dort hat man auch einen Erklärungsversuch für die Tatsache, dass vor allem Frauen in diesen „Backlash“ an den Herd eingestiegen sind: Die Resignation der Frauen, die es angeblich leid sind, immer wieder im gesellschaftlichen Kampf gegen „gläserne Decken“ zu stoßen.

Frustriert zurück am Herd? Von wegen

Ja, wir Frauen sind so frustriert, dass wir uns gebrochen an den Herd zurückziehen und anstatt Karrierepläne zu machen lieber Marmelade einkochen. Ja, wo keine Argumente mehr zur Hand, da müssen immer „gläserne Decken“ herhalten. Das ist in der Frauen-Quotendebatte so und nun auch bei der Frage, warum die Mehrheit des Volkes einfach nicht mitzieht beim fröhlichen Rollenaufbrechungsreigen. Sie alle begreifen nicht, was die gute Simone de Beauvoir jedenfalls schon wusste: „Keiner Frau sollte es erlaubt sein, zu Hause zu bleiben und ihre Kinder großzuziehen. Die Gesellschaft sollte ganz anders sein. Frauen sollten diese Möglichkeit nicht haben und zwar genau deswegen, denn hätten sie diese Möglichkeit, dann würden sie zu viele Frauen nutzen.“

Es möge also ein Trost sein für die „Spiegel“-Redaktion, dass sie mit dieser grandiosen Fehleinschätzung der menschlichen Natur nicht alleine steht: Neben Fräulein de Beauvoir haben sich alle Parteien, die im deutschen Bundestag vertreten sind, diese Einstellung zu eigen gemacht, allein die CSU hält einsam die Stellung in einer Gesellschafts- und Familienpolitik, die schon lange aufgehört hat, die Politik so zu gestalten, wie die Menschen wirklich leben wollen. Stattdessen drängen sie sie ständig in ein Modell, in das sie ganz offensichtlich nicht wollen. Und dabei sind wir in Deutschland noch nicht mal alleine mit diesem Trend.

Als im Mai 2011 das österreichische Familienministerium seinen Jugendmonitor veröffentlichte, fiel der versammelte politische Fortschritt fast hinten rüber, weil über die Hälfte der jungen Frauen zwischen 14 und 24 Jahren angegeben hatte, sie könnten sich vorstellen, als Hausfrau zu leben, wenn der Mann genug verdient. Als Hausfrau! Das österreichische Magazin „profil“ wiederum hakte bei diesen Frauen nach den Gründen nach. Die Bandbreite reichte von Frauen, die noch nie etwas anderes wollten, als Mutter und Hausfrau zu sein, über Karrierefrauen, die den Job geschmissen hatten, weil ihnen die Mutterrolle besser gefiel, über Doppelbelastete, die eine Weile versucht hatten zu vereinbaren, was kaum zu vereinbaren ist bis hin zu Geringverdienerinnen, die gar nicht einsahen, warum sie für einen Hungerlohn arbeiten gehen sollen, um mit dem Geld dann die gleichzeitige Betreuung ihrer Kinder zu finanzieren.

Stoisches Dinosaurierverhalten

Sie hatten wohl nicht verinnerlicht, was der Chef der französischen Notenbank Christian Noyer für die deutschen Mütter, aber vermutlich für alle Mütter als Zielvorgabe hat, nämlich dass die jungen Damen Kindergartenplätze brauchen, um ein eigenes Einkommen zu haben, damit sie mehr konsumieren und den Binnenmarkt damit ankurbeln.

Damit steht Noyer übrigens auch ganz in sozialistischer Tradition, um nicht zu sagen in kommunistischer Vollendung, wie das Zitat aus dem „ABC des Kommunismus“ von N. Bucharin und E. Preobraschensky zeigt:

Der Gesellschaft gehört auch das ursprünglichste und fundamentalste Recht der Kindererziehung. Von diesem Standpunkte aus müssen die Ansprüche der Eltern, durch die Hauserziehung in die Seele ihrer Kinder ihre eigene Beschränktheit zu legen, nicht nur abgelehnt, sondern auch ohne Erbarmen ausgelacht werden … Die gesellschaftliche Erziehung ist daher nicht allein aus pädagogischen Erwägungen notwendig; sie bringt ungeheuer große wirtschaftliche Vorteile. Hunderte, Tausende, Millionen Mütter werden durch die Verwirklichung der gesellschaftlichen Erziehung für die Produktion und für ihre eigene kulturelle Entwicklung frei werden. Sie werden von der geistestötenden Hauswirtschaft und der unendlichen Zahl der kleinlichen Arbeiten, die mit der Hauserziehung der Kinder verbunden sind, befreit.

Alle befragten österreichischen Hausfrauen wollten übrigens anonym bleiben, da es nicht populär ist, öffentlich als Verfechterinnen „geistestötender Hauswirtschaft“ ohne Ambitionen auf höhere berufliche Weihen dazustehen. Dies inzwischen medial und politisch verbreitete, negative öffentliche Bild von Familien in der traditionellen Rollenverteilung ist vermutlich auch die Erklärung für das, was der Soziologe Ulrich Beck als „verbale Aufgeschlossenheit bei weitgehender Verhaltensstarre“ bezeichnete und damit das stoische Dinosaurierverhalten von Männern beschrieb, die sich zwar verbal aufgeschlossen zeigen gegenüber finanziell eigenständigen Frauen, aber letztendlich real eine Partnerin wählen, die ihnen in Sachen Karriere, Bildung und Finanzen unterlegen ist.

Den einzigen Fehler, den Beck dabei macht, ist anzunehmen, dass Frauen anders seien. Wie Allensbach nun auch mit Zahlen belegt: Viele Frauen sind genauso. Sie geben ebenfalls an, nach dem „neuen Mann“ Ausschau zu halten, um dann in der Regel den Familienernährer zu heiraten. Nun sind die Experten der Allensbach-Umfrage „überrascht“ von den Ergebnissen, weil sie sich einfach nicht decken mit dem, was den Ton angibt in Deutschland.

Man fragt sich, wann die Politik endlich zur Kenntnis nimmt, wie die Menschen wirklich leben wollen, und die Politik danach ausrichtet, anstatt weiterhin den neuen Menschen mit seiner neuen Familie zu formen, von dem schon die Herren Kommunisten träumten.

Die Familie ist nicht mehr Teil der Zukunftsmusik

Denn Politiker reden zwar immer gerne von Vielfalt, meinen damit aber immer nur einen einzigen neuen Weg. Bei der vieldiskutierten multikulturellen Gesellschaft meinen wir immer nur die Anerkennung aller neuen Kulturen, die sich in Deutschland ansiedeln, blicken jedoch verschämt auf die eigene, deutsche Kultur, geschweige denn, dass wir gar eine „deutsche Leitkultur“ verteidigen würden. Wir reden von der neuen Vielfalt der Lebensentwürfe, die ja in der Tat Freiheit bringt, schließen aber die traditionelle Familie aus dieser Vielfalt aus. Sie ist nicht mehr Teil der Zukunftsmusik, obwohl eine Mehrheit danach lebt.

Selbst in den Schriftstücken des Familienministeriums finden sich die Worthülsen vom „Aufbrechen traditioneller Rollen“, so als sei das Aufbrechen ein Wert an sich. Mehr Intoleranz gegenüber der Familie geht überhaupt nicht. Die Grünen schützen den natürlichen Lebensraum jeder Wühlmaus, nicht jedoch den natürlichen Lebensraum jedes Kindes, nämlich die Familie, die es gezeugt hat, mit ihren Rolleninhabern, auch Mutter und Vater genannt. Die Linke schreibt sogar ins eigene Parteiprogramm, dass sie die traditionelle Rollenteilung in der Familie nicht weiter fördern will, also bewusst eine Minderheitenpolitik betreiben möchte. Ja, gut zu wissen.

Alle reden von „Diversity“, meinen aber damit keine gesellschaftliche Vielfalt, sondern nur verschiedene Geschlechtszustände, an denen wir uns entlanghangeln sollen, nachdem wir selbstredend auch unsere geschlechtliche Identität wiederum aufgebrochen haben, um uns dann in der Sackgasse der „Unisextoiletten“ wiederzufinden. Nun, ich bin sehr für Naturschutz, nämlich den Schutz der Natur der Frau und der Natur des Mannes, diese störrischen, biologischen Urrelikte, die sich schon seit Menschengedenken zusammengetan haben, um ganz unabhängig von unterschiedlichsten Rechtsordnungen eine Familie zu gründen und ihre Kinder selbst großzuziehen. Wie unglaublich reaktionär!

Ich bin auch sehr für Diversity, wenn es nicht nur geschlechtliche Konstellationen meint, sondern alle gesellschaftlichen Lebensentwürfe mit einer gleichwertigen Daseinsberechtigung. Und ich bin nicht zuletzt wirklich sehr für Diversity, wenn es auch die verschiedenen körperlichen und geistigen Daseinszustände des Menschen einschließt und nicht diejenigen aus der Vielfalt verbannt, die nicht der Norm schön, gesund und steuerzahlend entsprechen.

Lesen Sie auch die neuste Kolumne von Birgit Kelle: Jetzt erst recht!

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