Alle ins Töpfchen

von Birgit Kelle1.08.2013Gesellschaft & Kultur, Wissenschaft

Die Deutschen haben offenbar ein Problem mit Eliten. Anders ist nicht zu erklären, weshalb die Berliner Soziologin Jutta Allmendinger mit ihren fahrlässigen Plänen zur Schulreform so viel Aufmerksamkeit erhält.

Hausaufgaben abschaffen, damit keine soziale Ungerechtigkeit entsteht, ist, als wolle man bei den Olympischen Spielen jetzt beim Sprint nicht nur dafür sorgen, dass alle zur gleichen Zeit loslaufen, sondern auch dafür, dass alle gleichzeitig ankommen. Wo es nur Sieger gibt, gibt es keine Verlierer mehr. Sozialromantik auf Kosten von Leistung.

“Jutta Allmendinger, meine Lieblings-Soziologin aus Berlin, hat wieder zugeschlagen(Link)”:http://www.welt.de/politik/deutschland/article118452988/Hausaufgaben-zementieren-soziale-Ungleichheit.html. Diesmal mit dem schulpolitischen Vorschlag, nicht nur Hausaufgaben abzuschaffen, sondern auch flächendeckend alle Kinder in Ganztagsschulen und Ganztagskitas zu stecken. Dies soll soziale Ungerechtigkeiten ausbügeln. Bislang hatte ich von Jutta Allmendinger nur gelernt, dass mein Leben als selbsterziehende Mutter eine emanzipatorische Katastrophe sei und ich mich verblendet in selbstverschuldeter Unmündigkeit mit Stockholm-Syndrom belastet in einem Gefangenenstatus befinde, “sprich, in einer Ehe”:http://frau2000plus.net/?p=289.

Mon Dieu!

Immer schön war auch ihr stolzes Bekenntnis, es allein auf Grund einer Frauenquote so weit gebracht zu haben im Leben, was ich mal wertfrei hier in den Raum stelle in Bezug auf ihre Qualifikation. Jetzt beglückt uns die in SPD und grünen Kreisen gerne gesehene Präsidentin des Wissenschaftschaftszentrums Berlin (WZB) mit ihren Vorstellungen von Schulpolitik, die dazu führen sollen, dass kein Kind mehr zurück gelassen wird – allerdings auf Kosten derer, die bislang vorneweg marschierten.

Es geht nämlich die böse Ahnung um in Deutschland, dass es tatsächlich massenweise Eltern gibt, die ihre Kinder derart fördern zu Hause, dass sie in der Schule besser sind als andere Schüler. Dadurch würde, so Allmendinger, „soziale Ungleichheit zementiert“. Denn diese Eltern beaufsichtigen tatsächlich zu Hause die Hausaufgaben. Mon Dieu! Dabei sprechen sie auch noch mit ihren Kindern und arbeiten den Schulstoff nochmal nach. Dies führe dazu, dass Hausaufgaben ein neues „Kommunikationsmedium“ zwischen Eltern und Kindern geworden sei. Das muss natürlich unterbunden werden, wo kommen wir denn dahin, wenn Eltern und Kinder jetzt über Lerninhalte sprechen. Am Ende bekommen Kinder auf diese Art und Weise auch noch erweiterte Ansichten auf den Schulstoff, der gar nicht im Lehrplan steht. Vielleicht widersprechen sie dann auch noch ihren Lehrern im Unterricht!

Frau Allmendinger bemängelt zwar, dass Kinder und Eltern immer weniger Zeit miteinander verbringen und Hausaufgabenbegleitung deswegen oft die einzige verbliebene gemeinsame Zeit sei. In der Konsequenz will sie diese gemeinsame Zeit jedoch streichen, zugunsten einer verlängerten täglichen Schulzeit, in der sich Eltern und Kinder dann gar nicht mehr sehen. Ja, das klingt logisch und damit wäre diesen Kindern dann auch der böse Standortvorteil einer intakten Familie mit sich kümmernden Eltern genommen, der ständig dazu führt, dass sie besser sind als die Kinder, die das nicht haben. Im Ergebnis hätten wir einheitlich beschulte Kinder, wo keiner mehr besser ist, dafür alle gemeinsam schlechter. Na, wenn das mal kein sozialer Erfolg ist!

Problem erkannt, Problem verstärkt

Meine Kinder werden Ihnen zunächst sehr dankbar sein Frau Allmendinger, Sie erfüllen damit den Wunschtraum aller Schüler. Nie mehr Hausaufgaben! Der Preis, den sie dafür zahlen werden, ist aber leider zu hoch. Denn schauen wir uns die Begründung an für diesen Vorstoß, Hausaufgaben abzuschaffen, an, wird schnell klar, dass die soziale Ungerechtigkeit, die Frau Allmendinger anprangert, das Ergebnis eines Schulsystems ist, das es bis heute nicht geschafft hat, soziale Unterschiede unter den Schülern zu nivellieren. Stattdessen werden sie durch unser Schulsystem sogar verstärkt. In ausgerechnet dieses offenbar unfähige System will Frau Allmendinger nun alle Schüler und zwar möglichst flächendeckend und ganztags hineindrängen. Tolle Lösung.

Das Problem, das erkannt wurde, soll also verstärkt werden. Fakt ist ja, das bestätigen alle Studien zu diesem Thema, dass Kinder aus sogenannten „bildungsfernen Schichten“, ja gerade deswegen den Anschluss in der Schule nicht finden und in der Regel vom ersten Tag an die Verlierer im Schulsystem bleiben, weil ihnen die Unterstützung von zu Hause fehlt. Wenn man also so will, ist das Problem der Chancen-Ungleichheit von Schülern darin begründet, dass es Kinder gibt, die von ihren Eltern auf dem Schulweg begleitet werden, die sich um Hausaufgaben um Nachhilfe und alles weitere kümmern, damit ihre Kinder gut durch die Schule kommen. Und dass es Eltern gibt, die dies nicht tun. Die ihre Kinder allein lassen vernachlässigen, nicht motivieren, nicht begleiten.

Es muss wirklich ein ständiger Affront sein für die Gleichheitsfanatiker und sozialistischen Romantiker, dass es immer noch Kinder gibt, die schulisch besser sind als andere. Wir leben in einem Land, in dem „Elite“ nahezu ein Schimpfwort ist, wo man sich bald entschuldigen muss, besser zu sein, weil andere sich dann schlechter fühlen. Deswegen sollen jetzt alle in die Einheitsschule und das dreigliedrige Schulsystem abgeschafft werden. Deswegen will man Gemeinschaftsschulen, Ganztagsschulen, Noten und Sitzenbleiben abschaffen – der Ideenreichtum bei der Nivellierung unseres Bildungssystems scheint nahezu unerschöpflich. Immer geht es dabei darum, dass die Schlechteren nicht den Anschluss verlieren, nie darum, die Guten zu bestätigen oder gar in ihrem Vormarsch zu unterstützen. Damit wird eine Leistungselite im Keim erstickt. Alle sollen gleichzeitig loslaufen – neuerdings aber auch gleichzeitig ankommen.

Meine Kinder können nicht warten, bis das Schulsystem in Deutschland endlich so weit ist, alle Schüler gleich gut zu fördern. Vermutlich werden sie längst Abitur haben, wenn immer noch in einem Arbeitskreis debattiert wird, wie und was man ändern müsste, damit auch die Kinder, die von zu Hause nicht viel Unterstützung erwarten können, den Anschluss bewahren.

Und genau deswegen werden unsere Kinder diese Hilfestellung von ihren Eltern auch weiterhin erhalten. Wir werden sie begleiten, fördern, loben, motivieren, so gut wir können. Wir werden über die Hausaufgaben reden, wir werden Lerninhalte erweitern. Diskutieren und auch weiterhin am Esstisch wortreich debattieren. Und wenn sie damit besser in der Schule sind als andere, dann ist das gut so. Wir werden nicht darauf verzichten, unsere Kinder voranzubringen, nur damit andere nicht so weit hinten stehen.

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