Deutschland muss nachsitzen

von Birgit Kelle11.10.2012Innenpolitik

Grundschulvergleiche allein bringen nichts. Man muss auch Konsequenzen daraus ziehen. Aber genau daran fehlt es.

Jetzt wissen wir es wieder einmal schwarz auf weiß: Die Grundschüler in Bayern, Baden-Württemberg, Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen sind den Gleichaltrigen im restlichen Bundesgebiet weit voraus. Schlusslicht bilden mit großem Abstand – wie immer – die Stadtstaaten Hamburg, Bremen und Berlin. Teilweise liegen die Schüler in Berlin in ihrem Leistungsniveau nach der vierten Klasse ein ganzes Schuljahr hinter den Bayern zurück. Nichts Neues an der Bildungsfront, außer, dass es sich diesmal um einen rein deutschen Grundschulvergleich handelt im Auftrag der Kultusministerkonferenz, der jedoch die Ergebnisse, die wir aus den internationalen PISA-, IGLU- oder TIMSS-Tests kennen, letztendlich nur bestätigt. Irgendetwas machen manche Länder offenbar besser, was sich statistisch auch in der Bildung niederschlägt.

Es braucht engagierte Eltern

Ein weiteres Ergebnis ist eklatant: Die Schule schafft es kaum, den Bildungshintergrund der Eltern auszugleichen. Besonders schwierig wird es bei Kindern, deren beide Eltern einen Migrationshintergrund vorweisen. Das Sprechen der deutschen Sprache – gerade auch zu Hause – ist also wichtig für den Bildungserfolg der nachfolgenden Generationen. Es rächt sich bis heute, dass wir jahrzehntelang versäumt haben, darauf zu bestehen, dass Menschen, die dauerhaft in Deutschland leben wollen, auch unsere Sprache sprechen lernen müssen.

An dieser Stelle gibt es nur zwei mögliche Konsequenzen: Man kann die Schulen weiter stärken und unterstützen, was seit Jahrzehnten intensiv, aber weitgehend erfolglos versucht wird – oder man macht das Gleiche mit den Elternhäusern, in denen es nötig wäre. Den zweiten Punkt habe ich noch nirgendwo als offizielles Konzept gehört. Es ist das ewige Mantra, dass Schule und nur Schule den sozialen Hintergrund ausgleichen soll und muss – nach wie vor konnte es fast nirgendwo gelingen. Auch hier jedoch am ehesten in den Ländern, die sowieso Spitzenreiter in Sachen Bildung sind.

Es stellt sich die Frage, ob Schule jemals in der Lage sein wird, diese Unterschiede, die sich aus Herkunft, aber auch angeborenem Talent ergeben haben, auszugleichen. Wenn das Elternhaus aber doch so wichtig ist für den Lernerfolg, warum arbeitet unser Staat so massiv daran, Bildung noch weiter

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