Zweifellos hat es perfekte Morde gegeben, sonst wüsste man ja etwas von ihnen. Alfred Hitchcock

Der Sport als Faktor in einer globalisierten Welt

Das Sommermärchen 2006 führte dazu, dass Deutschland endlich seinen Platz in der Welt in der Gemeinschaft mit den anderen gefunden hatte. Damit schließt sich der Kreis wieder. Politik, Wirtschaft und Gesellschaft wirken auf den Sport, aber auch der Sport seinerseits wirkt zurück.

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Definieren wir die im Titel verwendeten Begriffe, folgt daraus, dass der Ausgangspunkt unserer Überlegungen der Sport, verstanden als motorische Aktivität eingebunden in soziale, ökonomische und rechtliche Gegebenheiten als Ursache in einer globalisierten, zunehmend verflochtenen Welt, ist.

Wir wollen daher drei Verbindungen im Auge behalten: 1. Sport und Politik, 2. Sport und Wirtschaft und 3. Sport und Gesellschaft.

Dabei gilt die erste Überlegung dem pädagogischen Auftrag des Sports, den bereits Baron de Coubertin, der Gründer der Olympischen Spiele der Neuzeit, inspiriert von dem Pädagogen und Theologen Thomas Arnold, im Auge hatte. Er vertrat die Überzeugung, dass die sportliche Ausbildung ein unumstößlicher Bestandteil jeder Erziehung sein müsse, das Rekordstreben „Citius, altius, fortius“ sollte den Grenzen überwindenden Fortschritt im gesellschaftlichen Bereich symbolisieren. Auch die FIFA, der Weltfußballverband, definiert es als ihre Pflicht der Welt die Hand zu reichen und sie über den Hoffnungsträger Fußball zu berühren und zusammenzuführen. Ihre Mission ist „Das Spiel zu entwickeln, die Welt berühren und eine bessere Zukunft zu gestalten“ Sie änderte sogar ihren Slogan „For the Good of the Game“ in „For the Game. For the World“. Auch der DFB verweist auf sein soziales Engagement unter dem Motto „Friedlich miteinander-mein Freund ist Ausländer“. Er macht sich stark gegen Rassismus und wirbt für eine bessere Integration. Im Rahmen der internationalen Sportförderung, die es seit 50 Jahren gibt, arbeitet das Auswärtige Amt unter dem Motto „ Menschen bewegen-Grenzen überwinden“ mit dem Deutschen Fußballbund (DFB) und dem Deutschen Sportbund (DOSB) zusammen. Im Kontext der Initiative „Sport und Außenpolitik 2010“ des Außenministeriums soll Sport lehren, wie man Konflikte fair austrägt. Der Sport soll in Konfliktregionen zwischen ehemaligen Feinden Vertrauen schaffen, Brücken bauen. Ziel der Initiative ist der Auf-und Ausbau des Breitensports in Entwicklungsländern und Krisengebieten. Seit Mitte 2015 wird die Sportförderung stärker auf politische Effekte bezogen. Das Feld der Partner wurde erweitert, nun ist auch die Stiftung der Deutschen Fußball Liga (DFL) dabei. Drei politische Schwerpunkte gelten der Flüchtlingsarbeit, Genderthemen und Inklusion. Regionale Schwerpunkte sind der Nahe und Mittlere Osten, der indische Subkontinent und Afrika. Staatsministerin Böhmer empfing beispielsweise ostafrikanische Fußballtrainerinnen-und Trainer, die in ihren Heimatländern ehrenamtliches gesellschaftliches Engagement übernehmen und damit soziale Verantwortung tragen. „Eine starke und vielfältige Zivilgesellschaft ist Voraussetzung für eine stabile und lebendige Demokratie. Zivilgesellschaftliches Engagement bedeutet Einsatz für den Frieden!“, betont sie.

Hinsichtlich der Rolle des Sports in der Erziehungspolitik in Deutschland, soll der Sport eine Vorbildfunktion auch für eine gesunde Lebensführung für die jungen Menschen ausfüllen. Im Vergleich dazu spielt allerdings im amerikanischen Bildungssystem der Sport eine noch größere Rolle. Es gibt Sportstipendien, die es sonst mittellosen Studenten ermöglichen Elite-Colleges zu besuchen, die Football- und Baseball-Mannschaften spielen an den Colleges eine wichtige Rolle.

Sportler wie die deutsche Fechterin Britta Heidemann und Skilegende Christian Neureuther bestätigen die wichtige Rolle des Sports in ihrem Leben, er lehrte sie Disziplin und Ausdauer, Eigenschaften, die in jeder beruflichen Karriere auch beispielsweise als Manager wichtig sind.

Betrachten wir die erste Verflechtung: Sport und Politik ist zu sagen, dass Olympische Spiele als Legitimierung und Profilierung politischer Regime dienen, sie helfen der Positionierung von Staaten auf der Weltbühne, fördern aber auch die politische Integration. Aktuell zeigt sich sogar in der Krise um die nordkoreanischen Nuklearwaffen, dass Nordkorea einen Schritt der Entspannung gegenüber dem südkoreanischen Regime macht, um an den olympischen Spielen 2018 in Pyeongchang teilnehmen zu können. Es will teilhaben auch auf der politischen Bühne. Die Geschichte der Olympischen Spiele wie des Fußballs zeigen, dass Sport und Politik nie ganz zu trennen sind: so waren schon bei der Gründung des Internationalen Olympischen Komitees 1894 die deutschen Turner aufgrund der deutsch-französischen Erbfeindschaft nicht eingeladen, durch die beiden Weltkriege war Deutschland von den Spielen sowie im Weltfußball ausgeschlossen, das Nazi-System wurde dem gesamten deutschen Sport implantiert, beide deutsche Staaten kämpften nach 1949 um eine eigenständige Anerkennung ihrer nationalen Komitees beim IOC, wegen der sowjetischen Invasion in Afghanistan im Dezember 1979 kam es zum Boykott der Spiele in Moskau durch die USA sowie der Spiele in Los Angeles durch die UdSSR. Es war aber auch in der Antike schon so, das die Spiele von großer kultureller wie politischer Bedeutung waren. Sie dienten als politisches Forum, da sowohl das Volk als auch Diplomaten und politische Vertreter aus allen Teilen der griechischen Welt zusammenkamen. Menschen aller Schichten und aus allen Berufen nützten die Tage als gesellschaftliches Forum auch unter wirtschaftlichen Aspekten.

Einmal befragt nach seinen Erfahrungen als aktiver Sportler und Teilnehmer an Olympiaden im Kalten Krieg, seinem Verhältnis zu den Sportlern aus den kommunistischen Ländern und seinen Erlebnissen in diesen Ländern, erzählte Christian Neureuther, dass das Verhältnis zu den Sportlern fern ab ihrer Funktionäre immer ein sehr gutes war. Hier zählte nur der Sport, waren dagegen die Funktionäre dabei war das Verhältnis distanziert. In den kommunistischen Ländern wurden die westlichen Sportler hofiert. Britta Heidemann erzählt befragt nach ihren Erfahrungen bei der Olympiade in China, dass das chinesische Volk oft falsch dargestellt wird, es sich sehr offen gegeben und mit den Sportlern gefreut hatte. Die Sportler selbst hatten sich in den Interviews politisch kaum geäußert, da bei Olympischen Spielen für die Sportler ihre sportliche Leistung in die sie viele Jahre investieren, doch im Vordergrund steht und nicht die Politik. Auf den Fußball bezogen kann auch Prof. Scherer vom FC Bayern die These von Prof. Lerch bestätigen, wonach nichts mehr die politische Stimmungslage beeinflusst als Fußballweltmeisterschaften, da nirgendwo die Psychologie schichtübergreifend eine solche Rolle spielt. Dabei anzuführen ist das Phänomen des Public Viewing. Doch auch die Politiker ihrerseits nutzen den Fußball für ihre Darstellung. Auf die Chance der „Soccer diplomacy“ (die gegenseitige Einladung zu Fußballspielen erleichterte die Unterzeichnung der armenisch-türkischen Protokolle) als Instrument der amerikanischen Außenpolitik angesprochen, erklärt der amerikanische Diplomat Conrad Tribble, dass sie so ganz neu nicht sei, da es schon einmal den bekannten Fall der Ping-Pong Diplomatie in der Vergangenheit gab, sie aber als Ergänzung zur traditionellen Diplomatie ganz nützlich sei. Aktuell fördert auch Außenminister Gabriel, in seiner Rede zur Eröffnung des „People to People“ Dialogs in Peking die Fußballkooperation zwischen Deutschland und China, der Eintracht Frankfurt und dem Chinesischen Universitätssportverband. Der FC Bayern hat in China seinen größten Fanclub.
Auf die politische Kriterien bei der Vergabe von Olympischen Spielen und Fußballweltmeisterschaften angesprochen, sind sich Sportler wie Politiker einig, dass auch diese Gremien nicht anders als andere sind, sie spiegeln die Gesellschaft wie sie ist -mit guten Vorbildern und schlechten.

Schauen wir auf die zweite Verflechtung, die zwischen Sport und Wirtschaft sind vor allem die Aspekte Übertragungsrechte, die Macht der Sportartikelhersteller, das „Trade in Muscle“ anzusprechen. Die Übertragungsrechte stehen im Zentrum als Haupteinnahmequelle des IOC aber auch der FIFA. Die Bedeutung zeigt sich an der Entscheidung die Winter-und Sommerolympiaden zu trennen. Seit 1994 finden sie nun im Zwei-Jahres-Rhythmus versetzt statt. Grund war die Forderung des Fernsehens. Erstmals seit über 50 Jahren fiel für die Übertragungsrechte der Olympischen Spiele 2014 und 2016 die Europäische Rundfunkunion aus dem Rennen. Das IOC lehnte das Gebot als zu niedrig ab. Die Sportrechteagentur Sportfive sicherte sich die Rechte für 40 europäische Länder und der Privatsender Sky soll 100 Millionen Euro geboten haben, weit mehr als ARD und ZDF. Doch gibt es eine Klausel, wonach es nach den Ausschreibungen zwingend ist, dass die Olympischen Spiele vornehmlich im frei empfangbaren Fernsehen übertragen werden. Die FIFA dagegen hat die Übertragungsrechte in Deutschland für die Fußballweltmeisterschaft 2014 an ARD und ZDF vergeben. Ihre Einnahmen aus den weltweiten Fernsehrechten sollen zwischen 2002 und 2006 1, 8 Milliarden Euro betragen haben. Zu erwähnen ist hier aber auch ein Aspekt aus entwicklungspolitischer Perspektive. Die FIFA hatte eine strategische Kooperationsvereinbarung mit der Union der afrikanischen Rundfunkorganisationen (AUB) geschlossen, die die Aus-und Weiterbildung der AUB zum Ziel hatte.

Bei den Sportartikelherstellern (Adidas, Puma, Nike) ging es um den Dreikampf um die Sportstars im internationalen Markt. Adidas rüstet die deutsche Nationalmannschaft aus, Nike griff in den Fußballmarkt ein, indem es den Rekordweltmeister Brasilien ausrüstet, Adidas griff daraufhin nach der Basketballliga NBA, Nike wiederum bot 50 Millionen für die DFB Elf, was aufgrund eines Vorvertrags mit Adidas nicht zustande kam. Adidas hält zusammen mit Audi auch 9, 09% an der FC Bayern AG.

Befragt nach den wirtschaftlichen Aspekten bei der Vergabe von Olympischen Spielen und die damit auch zusammenhängende Frage, ob es eine Präferenz für die Erschließung neuer Gebiete gibt, oder ob auch die traditionellen Wintersportorte ausgewogen zum Zug kommen sollten, setzte sich Christian Neureuther für die traditionellen Wintersportorte ein, doch forderte er auch den positiven Einsatz der Politik den Sport dabei zu unterstützen die Spiele in das Land zu holen. Vieles spricht dafür Spiele an Orten abzuhalten wo es schon eine Struktur gibt. Das Argument vieler Bewerber gilt dagegen dem Strukturausbau in ihrem Land, die Sportindustrie ist am örtlichen Markt interessiert. Prof. Scherer verweist mit dem Beispiel der WM in Südafrika darauf, dass auch ein Strukturausbau auf einem bisher nicht erschlossenen Markt wie dem afrikanischen, Vorzüge bringen kann.

Hinsichtlich der Frage der Vergabe der Übertragungsrechte dieser Großereignisse an öffentlich-rechtliche Anstalten oder das Privatfernsehen, ist man sich weitgehend einig, dass die öffentlich-rechtlichen den Vorzug erhalten sollten, da das Volk, das auch in die Ausbildung der Sportler investiert, das Recht hat diese dann auch kostenlos zu sehen. Außerdem ist die Erhaltung der Vielfalt der Sportarten wichtig.

Hier betont die Fechterin Britta Heidemann, dass das Bild des Sportlers als grenzübergreifendes Idol, das vom Ausrüster zum Werbeträger instrumentalisiert wird (Trade in Muscle), nur für wenige zutrifft, es vielmehr so ist, dass die meisten Sportler hart zu kämpfen haben, um Sport und Ausbildung (Studium etc.) finanzieren zu können.

Abschließend schauen wir uns die letzte Verbindung an, das Verhältnis Sport und Gesellschaft.

Hier rückt vor allem das Phänomen des Public Viewing in den Mittelpunkt. Gemeint ist die Liveübertragung von Sportveranstaltungen oder anderen Großereignissen auf Großbildwänden an öffentlichen Standorten. Bedeutung erlangte das Public Viewing erstmals bei der Fußballweltmeisterschaft in Deutschland. Der Grund war, es gab zu wenig Eintrittskarten daher kamen das Organisationskomitee und der Sportrechtevermarkter Infront auf die Idee. Es ist daraus eine Volksbewegung geworden, ein Medium, in dem sich die offene Gesellschaft selbst darstellt und feiert. Die Gemeinschaft wetteifert um einen Spitzenplatz in der globalen Aufmerksamkeit.

Dieses Phänomen brachte ein ganz neues Gemeinschaftsgefühl hervor. Die Fans wollten das eigene Land gewinnen sehen, aber auch Teil der globalisierten nationen- und kulturübergreifenden Völkergemeinschaft sein.

Das Sommermärchen 2006 führte dazu, dass Deutschland endlich seinen Platz in der Welt in der Gemeinschaft mit den anderen gefunden hatte. Damit schließt sich der Kreis wieder. Politik, Wirtschaft und Gesellschaft wirken auf den Sport, aber auch der Sport seinerseits wirkt zurück.

Als Resumé kann daher ein Zitat von Dr. Thomas Bach, des Präsidenten des IOC, gelten:

„Der Sport hat in der Vergangenheit unter zwei Lebenslügen gelitten, die ihn an den Rand seiner Existenz gebracht haben: Sport hat mit Geld nichts zu tun, und Sport hat mit Politik nichts zu tun. Das ist absoluter Unsinn. Kehrt man es unter den Tisch, kommt es zu Auswüchsen. Man muss die politischen Implikationen im Auge haben, aber politische Neutralität wahren, soweit es möglich ist.“

Lesen Sie weitere Meinungen aus dieser Debatte von: Rainer Zitelmann, Stefan Groß, Michael Lausberg.

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