Was für ein schöner Sonntag. Joachim Gauck

Somewhere under the rainbow

Der CSD ist ein wichtiger Termin für die lesbisch-schwule Bewegung. Während die Teilnehmer zu Kohls Zeiten noch ausgelacht worden sind, bilden sich heute in immer mehr Städte diese Züge der Toleranz. Ein gutes Zeichen.

Am Wochenende ist es wieder soweit – Berlin erstrahlt im Glanz der Regenbogenflagge.

Die Christopher-Street-Day-Paraden in Berlin und in der darauf folgenden Woche in Köln bringen jeweils eine knappe Million Menschen auf die Straße. Für viele ist es Karneval – schrill, bunt, laut. Aber die CSD-Paraden sind vor allem eins: eine Demonstration für Toleranz und Akzeptanz, für gleiche Rechte, für den lesbisch-schwulen Stolz. Ich erinnere mich gerne an meine erste CSD-Parade – in Köln. Damals war die Hauptstadt in Bonn, dort saß Helmut Kohl im Kanzleramt, schwul zu sein war immer noch sehr verpönt. Aber die Parade hatte den Teilnehmern Stolz und Kraft gegeben für einen selbstbewussten Umgang mit dem eigenen Ich.

Gleichberechtigung gibt’s nicht auf dem Basar

Heute können lesbische und schwule Paare eine Lebenspartnerschaft eingehen, sie sind vor Diskriminierung am Arbeitsplatz geschützt. Aber die gesellschaftliche Intoleranz ist immer noch evident. Nicht selten wird schwulen Männern hinterhergepöbelt, in Betrieben über die lesbische Kollegin hergezogen; die Zahl der Gewalttaten gegen Lesben und Schwule, Bisexuelle oder transidente Menschen ist noch erschreckend hoch. Die Vorurteile sind weiterhin gegeben. Und gegen diese Vorurteile muss angekämpft werden. Es kann und darf nicht sein, dass die gleichen Rechte für Lesben und Schwule auf dem Basartisch politischer Entscheidungen zur Verfügungsmasse werden. Wenn beispielsweise das Adoptionsrecht für Lesben und Schwule in ein kritisches Licht gerückt wird, weil man damit keine 25 Prozent der Deutschen gewinnen könne, so darf die Konsequenz daraus nicht heißen, dass das Thema nicht mehr weiter verfolgt wird – vielmehr muss dieses Thema erst recht auf die politische Agenda genommen werden. Intoleranz darf nicht geduldet werden, nur weil es vermeintlich nicht en vogue ist. Diese Form politischer Feigheit – andere würden es Kalkül nennen – ist abzulehnen. Umso mehr wird deutlich, dass die Forderung nach Ergänzung von Art. 3 Grundgesetz um die „sexuelle Identität“ mehr als nur ein Signal ist. Es ist eine zwingende Notwendigkeit, um eine – seit 60 Jahren bundesrepublikanische Demokratie – andauernde Ungerechtigkeit zu beenden.

Für eine starke lesbisch-schwule Bewegung

Die lesbisch-schwule Bewegung ist stark geworden, selbstbewusst und zielgerichtet. Insofern sind die CSD-Paraden wichtig. Schön ist es, dass die Paraden nicht nur in den großen Städten stattfinden, sondern auch immer mehr die kleineren Städte erreichen. Gerade die kleinen CSDs sind zum Teil sehr politisch – vielfach politischer als die großen. Vielen Teilnehmern und – noch mehr – vielen Veranstaltern ist aber wieder deutlich zu machen, dass es sich um politische Demonstrationen für gleiche Rechte von Lesben und Schwulen handelt. Dabei sollte sich jede und jeder im Klaren sein, dass wir selbst unser Bild in der Gesellschaft prägen. Auch bei den CSD-Paraden. Ein kommerzieller oder ein schriller Auftritt ist sicher gut für Fernsehbilder – aber nicht zwangsläufig für das Selbstbild der Bewegung.

Insofern sind die CSD-Paraden, die in diesen Wochen in so vielen Städten stattfinden, wichtig und notwendig für den Kampf um Gleichberechtigung und das Selbstbewusstsein von Lesben und Schwulen, von Bisexuellen und transidenten Menschen. Sie zeigen die Vielfältigkeit von lesbisch-schwulem Leben. Sie zeigen die Notwendigkeit im Kampf um Gleichberechtigung und Akzeptanz und sie zeigen Stolz – den lesbisch-schwulen Stolz. Ein wichtiges Zeichen. Ein gutes Zeichen.

Leserbriefe

  • Theeuropean-placeholder
    Klaus – 26.06.2011 - 13:49

    Ich habe nicht den Eindruck, dass Schwule und Lesben heute in Deutschland noch diskriminiert werden. Und trotz dieses Jubel-Beitrags halte ich ein Adoptionsrecht für gleichgeschlechtliche Paare für falsch. So, und nun ruft die Polizei und zeigt mich dafür an.

  • Theeuropean-placeholder
    neon-golden – 30.06.2011 - 22:03

    Homosexualität ist eine therapierbare neurotische Verirrung, aber so etwas zu sagen ist natürlich homophob. Kritiker dieser auf sexuelle Inhalte reduzierten Gaga-Veranstaltungen werden niedergeschrien, diffamiert oder als angstbesetzt verleumdet. Da ist vor allem den linken und grünen Ideologen alles recht.
    Für mich ist das alles ein Ausdruck um sich greifender Unfreiheit.

  • Theeuropean-placeholder
    Ihr Name – 26.06.2011 - 13:53

    Gleichberechtigung gibt es nicht auf dem Basar.
    Ein wahres Wort.

  • Theeuropean-placeholder
    Mutter – 26.06.2011 - 14:24

    mir war noch nie ganz klar, wo der innere Zusammenhang besteht, wenn man aufgebauscht, schrill und halbnackt durch die Straßen zieht um dafür zu werben, als ein normaler Bestandteil der Gesellschaft akzeptiert zu werden. Wenn ich das als sogennate Heterosexuelle mache, werde ich wegen Erregung öffentlichen Ärgernisses festgenommen. In Köln hatte die Stadt auf Kosten der Steuerzahler sogar einen “Darkroom” in der Kölnarena eingerichtet während des CSD, um zu verhindern, dass auf den Straßen oder in Hauseingängen sexuelle Handlungen vorgenommen werden, die ich nicht näher beschreiben will. Für alle die eine Definition brauchen: In Darkrooms wird im Dunkeln anonym gevögelt. Mit Kindern kann man an dem Tag die Stadt aus pädagogischen Gründen nicht betreten. Und das alles im Namen der Toleranz. Na herzlichen Glückwunsch.

  • Theeuropean-placeholder
    Klaus – 26.06.2011 - 14:43

    Ich habe den CSD in Köln auch mal “miterlebt”. Das war keine Demonstration für irgendwelche hehren Ziele, sondern eine Versammlung von vielen Leuten, die sich vollaufen lassen und vögeln wollten. Daraus eine revolutionsromantische Veranstaltung für Minderheitenrechte konstrieren zu wollen, ist ein schlechter Witz. Oder wie mir ein Kölner Freund am Straßenrand erklärte: “Das ist wie Karneval ohne Schlüpper….”

  • Theeuropean-placeholder
    neon-golden – 30.06.2011 - 21:43

    Der CSD ist wie Sodom und Gomorra.
    Reine Fleischeslust, Zügellosigkeit, drogenbefeuerter Rausch und Enthemmung von aller zivilisatorischen Selbstbeherrschung.
    Wer das als Fortschritt feiert kann mal bei den Römern nachlesen, bei denen führte diese Art von Dekadenz in den Untergang.
    Jedem steht das Recht zu in seiner eigenen Verwirrung zu leben, mir wäre es aber lieber man dränge sich nicht so mit den jeweiligen Perversionen in die Öffentlichkeit. Wenn´s schon sein muss macht das im stillen Kämmerlein.
    Gibt es den gar keinen Anstand mehr?

  • Theeuropean-placeholder
    Andreas T. – 26.06.2011 - 14:47

    Jawoll. In tuntigen Klamotten in der Öffentlichkeit kopulierend, so schafft man es wirklich, von Politik&Gesellschaft ernst genommen zu werden und glaubhaft für seine Ziele zu streiten.
    Bitte verzeihen Sie mir – und wohl auch einigen anderen Menschen – dass so ein Verhalten, egal ob von Männern&Frauen, Männern&Männern, Frauen&Frauen, 1/2Männern-1/2Frauen&Geschlechtslosen, Hunden&Katzen etc. eher den gegenteiligen Effekt hat.
    Das nur am Rande als Bemerkung.

    Wirklich geärgert habe ich mich aber über Ihre ignorante und (auf Ihre Sicht auf die Welt) beschränkte Ansicht, dass ein Verzicht auf das Adoptionsrecht gleichgeschlechtlicher Paare allein auf wahltaktischen Gründen beruht.
    Es gibt, jenseits aller Gender-Mainstreaming-(Pseudo)-Wissenschaft auch ernsthafte und ernstzunehmende Wissenschaftler und zahllose (mit Kindern durch Ihre Familien erfahrene) Menschen, welche es für die Entwicklung eines Kindes für das Beste halten, wenn es eine männliche UND eine weibliche Bezugsperson, also Vater&Mutter, hat.
    Der Vorwurf der Intoleranz sagt in diesem Fall daher leider mehr über den Schreiber als über den Adressaten aus.

    Ich befürchte daher, dass Sie Ihrem in Teilen durchaus berechtigten Ansinnen mit diesem Text einen Bärendienst erwiesen haben.

  • Theeuropean-placeholder
    Klaus – 26.06.2011 - 14:59

    @ Andreas T., und dies umso mehr, als Jungs heutzutage in Kindergärten und Grundschulen fast ausschließlich auf weibliche Betreuung stoßen. Dann noch eine Mutter-Mutter-Familie – wie soll er sich da als Mann entwickeln dürfen? Vielleucht ist das aber auch gar nicht mehr gewünscht von den Gender-Volkserziehern.

Aus der Debatte

Homosexualität heute

Homo-Ehe in den USA

7167630204_e15d51bf51_b 1

Obamas Bekenntnis zur Homo-Ehe ist ein richtiger Schritt – doch die Kontroverse um diese Entscheidung zeigt, dass der Westen in puncto Demokratie und Liberalismus nicht mehr den Ton angibt.

Dsc_0163
von Anna Polonyi
18.05.2012

Homosexuellen-Rechte

2501241533_60150df6f8_z 9

Der Christopher Street Day ist und bleibt wichtig – denn auch heute sind Lesben, Schwule und Transsexuelle noch weit von der Akzeptanz in unserer Gesellschaft entfernt.

Joergsteinert
von Jörg Steinert
10.07.2011

Christopher-Street-Day 2011

Thomas_leuthard

Homosexuelle sind auch in Deutschland noch lange nicht gleichberechtigt. Doch es ist fraglich, ob Karneval und Partystimmung dazu beitragen, das zu ände weiter...

Alexander_vogt
von Alexander Vogt
03.07.2011

Mehr zum Thema: Christopher-street-day, Berlin, Homosexualitaet

Kolumne

Dsc_0132-2
von Thore Schröder
24.01.2012

Debatte

Homosexuellen-Rechte

2501241533_60150df6f8_z

Homosexuellen-Rechte

Der Christopher Street Day ist und bleibt wichtig – denn auch heute sind Lesben, Schwule und Transsexuelle noch weit von der Akzeptanz in unserer Gesellschaft entfernt. weiterlesen

Joergsteinert
von Jörg Steinert
10.07.2011

Debatte

Christopher-Street-Day 2011

Thomas_leuthard

Christopher-Street-Day 2011

Homosexuelle sind auch in Deutschland noch lange nicht gleichberechtigt. Doch es ist fraglich, ob Karneval und Partystimmung dazu beitragen, das zu ändern. Wir kämpfen einen politischen Kampf - mit... weiterlesen

Alexander_vogt
von Alexander Vogt
03.07.2011
meistgelesen / meistkommentiert