Fast alle Reiche entstehen durch Gewalt, aber keines kann durch Gewalt erhalten werden. Henry Kissinger

Masern für den Prenzlauer Berg

Seit Anfang des Jahres kursieren Masern in den Medien und vor allem in dem Berliner Bezirk Pankow. Dort, wo oft zitierte Latte-Macchiato-Muttis sonst für Lasse-Finn und Co. nur das Beste wollen, wird jetzt tatkräftig Körperverletzung am eigenen Kind betrieben.

Fremdsprachen-Kurse im Kindergarten-Alter, Yoga in Windeln – die Muttis vom Prenzlauer Berg sind stets um prestigeträchtige Hobbys für den Nachwuchs bemüht. Nach dem Motto „Alles für das Kind“ macht diese verstrahlte Fürsorge auch vor den Masern nicht halt. Bei diesem Thema wird Mutti zum Tier, oder besser gesagt zum Straftäter. In Berlins neuem Schwabenländle wurden laut der Bezirksstadträtin Lioba Zürn-Kasztantowicz seit Oktober 2014 rund 75 Masern-Fälle gezählt. Damit grenzt sich Pankow deutlich von anderen Bezirken ab.

Ausbreiten der Masern fernab des Kollwitzplatzes

Doch woher kommt dieser Leichtsinn der Eltern, ihren Kindern die Masern-Impfung zu verweigern? Vielleicht von der stets gepflegten Erziehungsmethode, Lara-Sophie und Rufus-Viktor mögen doch bitte selbst entscheiden, wie der Hase läuft? Oder möchte man sich auch hier einfach nicht dem Mainstream hingeben? Dagegen sein, sich abheben, ist schließlich das Lebensgefühl. In Prenzlauer Berg, wo Jute auf Kaschmir und Privatschule auf Holzspielzeug mit Natur-Siegel trifft, scheinen sich die Uhren oft anders zu drehen als im Rest Berlins. Ein von der Umwelt abgeschnittenes Eigen-Universum, das jedoch nicht das Ausbreiten der Masern, selbst fernab des Kollwitzplatzes, verhindert.

Doch was macht die allseits be- und geliebte Latte-Macchiato-Mutti, wenn ihr Spross trotz eisernen Willens, nicht zu erkranken, plötzlich mit roten Pusteln vor ihr steht? Hat er sich das dann auch selbst zuzuschreiben, schließlich wollte er mit den anderen Kids fröhlich „Masern-Party“ spielen? Selbst das dürfte doch eigentlich von dem besagten Elternschlag nicht verhindert werden, Kinder dürfen ja, wie schon erwähnt, ihren eigenen freien Willen leben.

Extreme Dummheit egoistischer Vollpfosten

Viel schlimmer als die Zahl der mit Masern infizierten Kinder finde ich persönlich jedoch die Krankheit namens „Extreme Dummheit“, unter der die Eltern und somit auch die armen Masern-Kinder leiden. Setzen diese egoistischen Vollpfosten das Leben ihrer Kinder aufs Spiel und brüsten sich auch noch stolz mit Argumenten wie „Geimpfte Kinder kann es auch treffen“, „Eine Impfung schützt vor Krankheit nicht“. Dass da das Jugendamt nicht auf die Barrikaden geht, verwundert mich schon sehr.

Die berühmten Doppelnamen-Kinder und die Fehl-Entscheidungen ihrer Eltern – dagegen ist leider noch kein Kraut gewachsen.

Lesen Sie auch die neuste Kolumne von Alissia Passia: „Alles wird für etwas gut sein“

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