Das Schöne an Meinungsfreiheit ist, dass jede Meinung nur so lange gilt, bis man eine bessere liest. Stefan Gärtner

Wumms, das Volk hat gesprochen

Die Demokratie ist mit einem Paukenschlag nach Europa zurückgekehrt. Das griechische Referendum ist ein empfindlicher Schlag gegen den institutionalisierten Finanz-Terrorismus.

Das Volk hat gewählt, das Volk hat entschieden. Unbeeindruckt von allen Drohungen, Apokalypsen und falschen Schmeicheleien. Die Demokratie ist mit einem Paukenschlag nach Europa zurückgekehrt und sie könnte nun von ihrem Ursprungsort aus eine europäische Volksbewegung in Gang setzen. Nicht, dass die Demokratie wirklich weg war, aber sie hat den Finanzmärkten und den asozialen Anti-Europäern in ihren Hochetagen kurz mal die lange Nase gezeigt.

Möglich gemacht haben das die Linken um Alexis Tsipras. Man kann, ach was, man muss sogar davon ausgehen, dass das in den nächsten Monaten den Linken in ganz Europa weiteren Auftrieb geben wird. Denn das Signal ist so deutlich, wie unumkehrbar: Wir sagen „Nein“.

„Nein“ zu einem institutionalisierten Raubtierkapitalismus, der den europäischen Gedanken, die Idee der Einheit, der Gleichheit, der Chancenvielfalt und der Wohlfahrt für alle, auf ein Nebengleis verwiesen hat. Wahrscheinlich ist diesen anti-demokratischen Institutionen und ihren Helfershelfern noch nicht einmal klar, was das griechische „Nein“ für die Zukunft bedeuten könnte. Wie alternde Diktatoren klammern sie sich weiter an die Macht, an die Ideen der Vergangenheit, an das schnelle Geld, das ihnen so viele Jahrzehnte die Schatullen gefüllt hat. Aber Macht und Gier in Personalunion machen blind.

Das europäische Haus zeigt sich als Potemkin’sches Dorf

Die Entscheidung aus Athen beweist: Horrorszenarien haben keine Chance mehr. Der Machtkampf um die Kneblung des griechischen Volkes durch die europäischen und internationalen Institutionen ist entscheiden. Das europäische Haus zeigt sich als Potemkin’sches Dorf. Die Pappkulissen sind weggeweht und sichtbar nur noch die hässlichen schwer bewachten Betonerdbunker der Bankenkartelle. Die vollgestopften Tresore der Zocker, die Nahrungsquellen der Heuschreckenschwärme. Ein paar Millionen Griechen haben in den Topf mit dem süßen Brei gespuckt. Wer nun in Zukunft davon naschen will, wird den bitteren Beigeschmack der demokratisch legitimierten Verweigerung nicht mehr leugnen können.

Bravo Griechenland. Jetzt erst recht. Solidarität für ein Europa der Völker, der Menschen, der Arbeiter, der Angestellten, der Alten, der Jungen, der Frauen und Männer, die diesen Stachel der wahren Demokratie immer deutlicher spüren – das erste Mal seit der Finanzkrise, diesen bisher größten Raubzugs gegen das Volk. Dieses Europa hatte sich längst verabschiedet von einer sich verselbstständigten künstlichen Idee, wie sie sich die Nachkriegspolitiker in Deutschland nach Auschwitz so herbeigesehnt und mit der Macht der D-Mark, dem Füllhorn des Wirtschaftswunders, über die Länder Europas ausgeschüttet haben.

Nun zieht Tsipras nach Brüssel mit der Entscheidung seines Volkes im Gepäck. Ein Mitbringsel, das dort wie ein Finger im Auge des Polyphems stecken wird. Wer jetzt noch glaubt, das griechische Volk hätte mit seinem „Nein“ nichts für die Zukunft Europas getan, der wird bald eines Besseren belehrt werden. Der stellvertretende Präsident des europäischen Parlaments, Alexander Graf Lambsdorff, ist immerhin insoweit Realpoliker, dass er schon kurze Zeit nach Bekanntwerden des Volksentscheides von einem Rumpfeuropa, von einem Europa der unterschiedlichen Geschwindigkeiten fabuliert. Ja, die Zeit der Wendehälse ist ebenfalls angebrochen.

Adenauers und Kohls Traum vom guten Ende Deutschlands und der Geburt der paradiesischen Vereinigten Staaten von Europa ist mit der griechischen Entscheidung wieder ein stückweit vakant geworden. Der institutionalisierte Finanz-Terrorismus gegen das europäische Volk hat einen empfindlichen Schlag bekommen.

Lesen Sie auch die neuste Kolumne von Alexander Wallasch: Wachablösung für Maxim Biller

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