Anfang Dezember war es, da schrieb mir Carel Halff. Er wünschte mir „eine wunderschöne Weihnachtszeit“. Ich solle sie „genießen“ und „die vielen Vorteile bei Weltbild“ nutzen, etwa die „Riesen-Auswahl“, die „bequeme Lieferung“ und die Garantie rechtzeitiger Zustellung „zum Fest“, sofern ich bis zum 22. Dezember bestelle. Er lächelte dazu sehr einnehmend, der (Noch-)Geschäftsführer von „Weltbild“, auf einem ganz weit oben links abgedruckten Porträt.
Nicht nur mir schrieb der lächelnde Herr Halff, sondern Abertausenden, vielleicht Millionen Menschen, die den Katalog 12/2011 in jenen Tagen erhielten. Sie alle wurden gleich auf dem Titelbild beschenkt, mit einer „Einkaufswagentasche ‚Jumbo‘ im Wert von Euro 9,95“. Auch ein Elche-Sammel-Gewinnspiel lockt mit 100.000 Euro. Was aber rät der Verlags- und Handelskonzern, den seine Eigentümer, die katholischen Bistümer Deutschlands, ob unkatholischer Buchproduktion rasch verkaufen wollen, zum bevorstehenden Weihnachten? Mit welchen Büchern, Accessoires, Spielzeugen soll der „Weltbild“-Kunde das Christfest möblieren? Wie es erleben?
Das Weltbild-Kompetenz-Siegel
Die 130 bunten Seiten des Dezember-Kataloges lassen keine Fragen offen. Am besten, sagt uns „Weltbild“, feiert man Weihnachten in buddhistischem Geist und mit Vampiren, Teufeln, Schabernack sonder Zahl. In 14 Kategorien hat „Weltbild“ seinen Gabentisch unterteilt, von „Romane & Krimis“ über „Kinder“ und „Kalender“ hin zu „DVD“ und „Musik“. Den zweitgrößten Raum, nämlich 36 Seiten, nehmen jene Dinge ein, die man „praktisch“ nennt oder „lustig“, weil sie zu nichts zu gebrauchen und eher zum Weinen sind. Dazu rechnen „Hüttenschuhe“ aus Polyester mit Hirsch-Motiv, das neunteilige Gästepantoffelset „Flower“, eine „afrikanische“ Bodenlampe „im tollen Materialmix“, Kugelschreiber mit „einem echten Edelstein“ und „Sternzeichenzertifikat“, aber auch die „Mode-Kette ‚Sternzeichen-Charms‘“ und natürlich die beliebten „Tierkreiszeichen-Düfte“ und die nicht minder gefragte „Deko-Kuh“, die komplett mit Kreide und zwei Kuhglocken geliefert wird.
Satte 52 Seiten umfasst das Buchangebot. Es beginnt mit Harry Potter und den „Heiligtümern des Todes“ und setzt sich fort mit einem vampiristischen „Abstecher in die Hölle“ aus der Feder Mary Janice Davidsons. Ebenfalls unter Vampiren spielt ein Werk, das einen „Suchtfaktor“ verspricht, weil es „böse, dunkel“ sei. Die „Twilight-Saga“ kommt sodann, ehe der „grausame Herrscher Galbatorix“ um Käufer buhlt. Wenig später heißt es knapp, „Die ‚Wanderhuren‘-Saga geht weiter“. Wo aber Iny Lorentz ist, dürfen Cecelia Ahern, Dora Heldt und Ildikó von Kürthy nicht fehlen. Eine Seite weiter lockt mit dem Ehrenabzeichen „Nur bei uns“, dem Weltbild-Kompetenz-Siegel, der Roman „Zur Sünde verführt“: in einem stecken gebliebenen Aufzug nimmt „eine leidenschaftliche Nacht“ ihren Anfang.
Buddha, Vampire, Wanderhuren
Bei so viel Irdischkeit, mag man sich in Augsburg gedacht haben, kann etwas Entweltlichung nicht schaden. Dafür ist Buddha zuständig. „Nur bei uns“ gibt es auf knapp 800 Seiten „365 fernöstliche Weisheiten“, ein „Weihnachtsgeschenk mit Charme“, denn „asiatische Weisheiten sind aktuell wie nie“. Oder wie wäre es mit dem Aufstellkalender „Mit Buddha zu Ruhe und Gelassenheit“? Schließlich sei „in unserer schnelllebigen Zeit Ruhe zu einem tiefen Bedürfnis vieler Menschen geworden“. Letzte Blockaden löst die „Salzkristalllampe ‚Pyramide‘“.
Wen die Ahnung beschleicht, Weihnachten sei einmal ein christliches Fest gewesen, der findet sich auf den Seiten 38 und 39 vielleicht bestätigt. Zwei Bücher umfasst das Angebot der Sparte „Religion“, das hier als veritable Bückware daherkommt. Das eine Buch stellt „Die schönsten Klöster, Kirchen und Kathedralen in Deutschland, Österreich und der Schweiz“ auf mehr als 600 Farbfotos vor. Die „Spiritualität der Menschen“ soll so sichtbar werden. Das andere religiöse Buch fasst Pater Anselm Grüns „‚Lebenswichtige‘ Weisheiten“ aus anderen Büchern zusammen, weshalb es „Einfach nur Leben!“ betitelt ist. Annonciert werden „Sinnsprüche“ und „Lebenshilfen“ zur „Selbsthilfe für den modernen Menschen“. Pater Anselm werde auch als „Deutschlands letzter Heiliger“ bezeichnet.
Triffst du also Buddha unterwegs oder Vampire oder Wanderhuren: Sorge dich nicht, lebe, es ist nur der freundliche Herr von „Weltbild“.

















Alberner, überflüssiger Artikel zum derzeitigen Weltbildbashing von rechtw. Uns religionslose Mitbürger würde es natürlich freuen, wenn sich die Kath. Kirche von ihrer Cash-Cow trennt, aber Kissler soll doch nicht so tun, als habe die Kirche 2000 Jahre von Luft und Liebe und guten Worten gelebt.
Erfrischend und wie immer mit einem Augenzwinkern geschrieben.
Kissler! Die Sache ist durch. Welbild wir veräußert. Selbst der große Gandalf (der weiße Zauberer aus Mittelerde hahaha, der passt hier wirklich gut ;-) auf kath.net hat es begriffen. Die Nummer ist keine Zeile mehr wert! Oder wollen Sie weiter gehen, den Index der verbotenen Bücher reaktivieren, um nur noch saubere Literatur auf dem Markt zu erlauben??
Dabei läuft die okkulte Esoteriknummer doch gerade bei erzkonservativen Katholiken bestens: Exorzismus (uuhhh, wie böse), Aberglaube (ohne den kleinen Christopherus im Handschuhfach geht gar nichts) oder das Fläschchen Lourdes-Wasser im Nachttischchen, das alles wird schon vor bösen Geistern, Dämonen und kleinen Teufelchen beschützen ;-) Die könnten ja wirklich das rituale romanum mal wieder in ihr Programm aufnehmen! Macht sich sicher gut unter dem Weihnachtsbaum! Da wird das Fest schließlich entschieden ;-)
@ thomas ex gotha: Nein, hat sie sicher nicht. Und ich glaube auch, Kissler weiß das. Nur ist das ein Grund dafür, nicht darauf hinweisen zu dürfen, was ein der katholischen Kirche gehörendes Unternehmen so alles anbietet?
@Stanislaus: Da Weltbild nun in der Tat verkauft wird, ist der Artikel, wie “Klausi” schrieb, eigentlich obsolet. Interessant ist die Frage, warum den Katholiken erst jetzt aufgefallen ist, dass sie auch ein so harmloses (schließlich zielt es auf Wirkungen und Vorgänge ab, denen auch A. Kissler, A. Grün und sämtliche Kardinäle der Welt ihre Existenz verdanken) Genre wie “Erotik” im Laden haben und nun dagegen rebellieren.
Könnte der tiefere Grund vielleicht sein, dass man Weltbild teuer loswerden möchte, bevor der Laden in die Miesen rutscht?