Für die Macher eines Debatten-Magazins stellt sich diese Frage unvermeidlich: Gibt es eigentlich die Wahrheit? Unserem Selbstverständnis nach verhandeln wir Sachverhalte ja diskursiv, das heißt: subjektive Überzeugungen stehen miteinander im Wettstreit. Die Argumentation gewinnt der, der die besten Argumente glaubhaft vorträgt. Argumente werden vorgetragen mittels der Sprache. Sie stehen in unmittelbarem Zusammenhang mit der Person, die sie äußert.
Mit der linguistischen Wende in der zweiten Hälfte des vergangenen Jahrhunderts wurde – was heute eine Selbstverständlichkeit ist – erstmals Sprache als etwas verstanden, was nur in einem bestimmten Kontext sinnvoll ist. Sprechen ist also mehr als nur Laute äußern, Sprechen ist ein Selbstvollzug. Sprechen ist Handeln. Das heißt auch, dass Sprechen immer subjektiv ist.
Das Ende des Objektiven
Im Zusammenhang von Sprechen – Denken – Welt gibt es somit nichts Objektives mehr, das uns als Gegebenes gegenübertreten könnte. Kinder aktualisieren nicht etwa eine vorgegebene Datenbank an Sprache in ihrem Hirn, wenn sie zu sprechen beginnen, sondern sie lernen die Welt. Ihre Welt, ihre subjektive Welt.
Diese neuen Erkenntnisse setzen den alten Wahrheitsbegriff einem krassen Stresstest aus. Wahrheit bedeutete immer etwas Objektives innerhalb der Welt oder etwas Größeres über uns außerhalb der Welt. Von beidem kann nach der linguistischen Wende nicht mehr gesprochen werden. Davon unterschieden wurde die bloße Meinung; also im Prinzip die Materie, aus der ein Meinungs- und Debattenmagazin aufgebaut ist.
Erst Kopernikus, dann Darwin und Freud – und jetzt das!
Die linguistische Wende ist daher die jüngste Kränkung, die der Mensch nach Kopernikus, Darwin und Freud ertragen muss. Sie ruft ihm nichts anderes zu, als dass er zu mehr nicht taugt, als eine wohlbegründete Meinung zu formulieren, mehr nicht. Er, der Mensch, ist also nicht Adressat einer wahren Offenbarung oder Erkenner einer größeren Wirklichkeit, die ihn umgibt. Er konstruiert seine Wirklichkeit mit Hilfe der Sprache. Er schafft das intersubjektiv mit den anderen Teilnehmern seiner Sprachgemeinschaft und darüber hinaus mit allen Menschen, mit denen er qua Gattung dieselbe kognitive Grundausstattung teilt. In der Welt gibt es also nur noch Dinge, die in einem intersubjektiven Diskurs Wahrheitsfähigkeit erlangen, es gibt aber keine objektive Wahrheit, deren Erkenntnis den Schlüssel zum Verständnis der gesamten Wirklichkeit darstellt.
Uns tritt also keine Welt objektiv entgegen, sondern wir sind immer schon Teil der Welt. Die Welt wird durch uns, was sie ist. Wenn wir sterben, stirbt mit uns die Welt, so wie wir sie gesprochen haben. Das hat viele Konsequenzen; lassen Sie mich zwei nennen:
Der Weg, die Wahrheit und das Leben
Das eingeübte Zusammenspiel von Wort und Tat wird mit der linguistischen Wende obsolet. Für die Alten war ein weiser, gerechter Mensch einer, der glaubhaft das, was er als wahr erkannt hat, mit seinem Leben ins Werk gesetzt hat. Auf diese Weise hat die Antike ihre Heroen definiert und die junge Kirche ihre Heiligen. Christus wird in der spätantiken Theologie der Wahre, weil er mit dem Wirken seines Lebens die Botschaft seiner Predigt bestätigt. Er spricht von der Feindesliebe und vergibt dann aber auch selbst seinen Peinigern. Diese Überzeugungen, so müssen wir heute sagen, finden wir nicht außerhalb unserer Selbst auf oder sie finden uns, etwa in Form einer göttlichen Gnadenwahl, auf. Sie entstehen in uns und werden Wirklichkeit, wenn wir sie sprechen oder sie sind Wirklichkeit, indem wir in der Lage sind, sie sprechend zu denken.
Eine zweite Konsequenz ist die der Unterscheidung von Gut und Böse. Das ist eine nicht unerhebliche Frage. Der Heilige Thomas kann in der Scholastik sagen, dass es ethisch ist, das Gute zu tun und das Böse zu meiden, es zurückzuweisen. Das Gute und das Böse hingegen füllt er inhaltlich nach den Maßgaben der Glaubenslehre, was gut und was böse sei. Wird das Gute manifest in Gott, das Böse im Teufel? Oder lebt die Anlage zu dem, was wir gut und böse nennen, in unserem Denken, Sprechen und Handeln, fügt sich durch die Erfahrungen unseres Lebens zusammen?
Konzepte, die uns überdauern
In beiden Fällen würde die Mehrheit der Leser sicher intuitiv sagen, dass dem nicht so ist: Weder steht die Wahrheitsfähigkeit eines überzeugenden Menschen, der seine Strahlkraft durch die Übernahme von Werten bezieht, von denen er sagt, dass sie göttlichen Ursprungs seien – Martin Luther King, Mahatma Gandhi, Albert Schweitzer und Mutter Teresa genügen als Beispiele – infrage, noch würde diese Mehrheit sich der Behauptung anschließen, das Gut und Böse keine fest zu bestimmenden Größen seien.
Wie damit umgehen? Es gibt sicher Konzepte, von denen wir sagen können, dass sie größer sind als wir, weil sie uns überdauern. Und wir können uns intersubjektiv auf einen Kodex von Handlungen und Haltungen einigen, die unser menschliches Zusammenleben steuern, und die definieren, was gut und was böse ist. Es gibt sicher Menschen, die uns beeindrucken, weil sie durch ihre kognitive und empathische Kraft Dinge zu formulieren in der Lage sind, die viele andere Menschen inspirieren.
Gibt es also eine ewige Wahrheit? Manchmal reicht es schon aus, zu einer wohlbegründeten Meinung zu gelangen.


















Sein oder nicht sein?
“Eine zweite Konsequenz ist die der Unterscheidung von gut und böse.”
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“Es gibt sicher Konzepte, von denen wir sagen können, dass sie größer sind als wir, weil sie uns überdauern. Und wir können uns intersubjektiv auf einen Kodex von Handlungen und Haltungen einigen, die unser menschliches Zusammenleben steuern, und die definieren, was gut und was böse ist. Es gibt sicher Menschen, die uns beeindrucken, weil sie durch ihre kognitive und empathische Kraft Dinge zu formulieren sind, die viele andere Menschen inspirieren.”
Vor allem überdauern uns die Wirkungen des Krieges und der Korrpution, die in Minuten das zerstören, wofür wir zum aufbauen Jahre gebraucht haben.
2 Beispiele:
Beispiel I.:
Ich glaube Silvio Berlusconi muß gehen, um die Wirtschaft Italiens anzukurbeln. Den niemand will Silvio Berusconi Geld für seine Festas borgen!! Und schon gar nicht für Minderjährige, also eine Strafttat, und dazu moralisch untragbar. Eine Tat, die nicht der Würde eines Präsidenten entspircht, und schon gar nicht eines Landes Europa.
Die “DUlCE Vita”, müsste schon längst vorbei sein ! ! !
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“Denkbar, dass die Sitzung symbolträchtig am 15. August stattfinden wird – Ferragosto..”, Das erinnert mich an Argentinien, wo die Arbeiter streiken, indem sie nach “Vorschrift arbeiten”!
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“Man kann in Italien nur Dinge bewegen, wenn die Bude brennt.“
Das wissen wir, leider brennt immer unsere Bude, und nicht die Bude der Italiener. Außerdem haben wir es langsam satt Feuerwehr spielen zu müssen, weil die Herrschaften aus Italien Schlaumeier machen.
“IL gato.pardo” hört sich nach Rinne.gato(=Kater) mit Bota trikolore an.
P.arma P.iacenza, P.adua V.icenza. P=16, V=22, z-c-e+a=S, z+a=l+o a ,a+a=2=u-s, m=l+1, 1+i=Ja,
=> Du 1226=29/05/1936 a+a=B.erlusconi S.ilvio in P-2;; v=IV+R
=> Ja Rio IV [CórdobaA argentinien]
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Quelle: http://www.welt.de/wirtschaft/article13537393/Die-Bude-brennt-Berlusconi-muss-sich-bewegen.html
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Beispiel II.
G. W. Bush mit S. Berlusconi haben uns alle angelogen mit: “Massenvernichtungswaffen in Irak”, um Kireg zu führen, B. H. II. Obama hat uns alle und die Chinesen angelogen, mit:“Waffenverkauf an Taiwain”, Sie betrügen die öffentliche Meinung und genießen Straflosigkeit.
Glauben sie wirklich, daß sie das Recht zu haben, die Chinensen um Aufklärung über das Projekt zu fordern? Sie beschweren sich über die Internet-Zensur in China, doch die Betrüger wie Bush und Obama genießen Straflosigkeit.
Es gibt 5 Meere auf der Erde, USA hat etwa 10 im dienst, China nur 1.
Ich würde gern wissen, wofür die USA so viele USS CVN hat!!
Und der USS CVN-78 Gerald Ford ist noch im bau. . .
Nervös wegen 1 Flugzeugträger???
China als Sündenbock und/oder als Ablenkungsmanöver benützen zu wollen, ist ein Schlag ins Wasser.
Mit welcher moralischen Autorität stellen sie uns fragen, stellen sie unsere Handlungen in frage?
Die USA ist seit langem für niemanden ein Vorbild. sie haben ihre Anpassungsfähigkeiten verloren. Deshlab so viele Arbeitslose und hohe Schulden. Deshalb so viele Flugzeugträger ? ?
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Quelle: http://www.welt.de/politik/article13538208/USA-reagieren-nervoes-auf-Chinas-neuen-Flugzeugtraeger.html;; Quelle: http://de.wikipedia.org/wiki/Liste_der_Flugzeugtr%C3%A4ger
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“Wahrheit und Meinung, Das Ende des Objektiven”
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Ich kenne ein paar Politiker die Zuhälter (z.B. S. B.) sind, und glauben das alle anderen Prostituierte sind, weshalb diese Politiker alle wie Prostituierte behandeln. Ganz subjektiv!
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Kann man eine Meinung veröffentlichen, wenn sie nicht wahre Daten und Fakten enthält?
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“In der Welt gibt es also nur noch Dinge, die in einem intersubjektiven Diskurs Wahrheitsfähigkeit erlangen, es gibt aber keine objektive Wahrheit, deren Erkenntnis den Schlüssel zum Verständnis der gesamten Wirklichkeit darstellt.” Ich würde sagen:
Der Schlüssel zum Verständnis der gesamten Wirklichkeit, ist die erlangte objektive Wahrheit, deren Objektivität aus der Summe der Erfahrungen die, in verschieden Perspektiven, erlebt wurden, und uns zum durchblick verhelfen.
Lieber Alexander Görlach,
Ein ganz großes Lob, dass Sie solche Themen aufgreifen. Einer der Gründe, warum ich weiterhin mit einigem Ertrag TheEuropean lese! Dies ist ein Thema, das so grundlegend für unsere Gesellschaft ist, dass nahezu keiner mehr darüber redet- außer in philosophischen Expertenzirkeln. Ansonsten geht man gerne davon aus, dass man sich natürlich “einig” sei. Es ist eminent fraglich, wie etwas wie Einigkeit ohne einen gültigen Begriff von Wahrheit überhaupt darstellbar sein soll!
Zu dem angesprochenen Problembereich “objektiv – Wahrheit”: Das klassische Gegensatzmodell subjektiv-objektiv beschert uns in recht vielen Bereichen Probleme und geht im sozialen Bereich von der Projektion eines fiktiven “man” aus, das keine substanzielle Wirklichkeit hat.
Wenn es eine Wahrheit gibt, die nur objektiv darstellbar ist, welchen Wert sollte sie für das Wahrheitsstreben des Menschen haben? Es wäre eine rein technische Wahrheit ohne existenzielle Wirklichkeit.
So schwer dies argumentierbar ist, Wahrheit muss dem Einzelnen in seiner subjektiven Existenz zugänglich sein.
Ich hoffe auf eine spannende Diskussion.
Warum müssen Sie dieses wunderbare Thema mal wieder durch Ihre religiöse Schlagseite verhauen !
Bereits die Berufung auf ein zusammengeschustertes Buch, das sich bezüglich Ihrer Aussagen an anderer Stelle selbst widerlegt, passt nicht zum Gedanken der Wahrheitsfindung. Schon alleine die Erwähnung des “Heiligen Thomas” lässt jedem die Galle hochsteigen, der sein menschenverachtendes Frauenbild und seinen kriminellen Antisemitismus kennt.
Wie soll unter diesen Prämissen Diskurs-Bereitschaft zu diesem
ansonsten so wunderbaren Themaaufkommen?Herr Hansen, Sie vertreten wieder mal die Flachheit des Zeitgeistes. Jemanden wie Thomas von Aquin an Kategorien wie “Frauenbild” zu messen ist nicht nur anachronistisch, sondern geistesverachtend. So kommen Sie nicht weiter!
Im Übrigen liegt die dialektische Widersprüchlichkeit Heiliger Schriften (das Phänomen findet man ebenso in Schriften des Buddhismus, der ZEN-Buddh. treibt es sogar auf die Spitze) vermutlich näher an einem möglichen Wahrheitsbegriff als Sie vermuten wollen.
Und wenn Herr Görlach nicht (wieder einmal) Ihre Meinung vertritt, so werden Sie doch nicht sofort ausfallend. Denn es ist schlicht nur IHRE Meinung. Was Wahrheit ist, steht auf einem ganz anderen Blatt. Auch wenn Sie scheinbar dazu neigen, Ihre Meinung für Wahrheit zu halten: womit wir beim Thema wären!
Quis ut Feldmann?
Obwohl Sie sich hier schon mit mangelhaften Lateinkenntnissen blamiert haben, hoffe ich, dass sie meinen Denkanstoß erfassen können.
Sie sind ein echter Kleingeist Hansen.
Immerhin habe ich selbst darauf hingewiesen, dass ich mein Großes Latinum trotz dieser mangelhaften Kenntnisse in der Tasche habe.(ganz ohne Schummeln, mit schlichter Kombination- denn meine Vokabelkenntnisse waren damals auch recht mangelhaft).
Nein für Ihre Stöße bin ich nicht empfänglich- auch wenn Sie behaupten, dass es sich um Gedanken handele.
Ich hatte mich eher auf interessante Beiträge gefreut, bei denen ich lernend lauschen kann.
Dagegen Kompositionen von Unmusikalischen erfreuen mein Ohr weniger.
Aber seis drum; Sie werden weiter tröten.
Lieber Herr Hansen,
Ihren Einwurf verstehe ich gar nicht! Wir sprechen hier über geistes- und philosophiegeschichtliche Fragestellungen. Die Wahrheitsfrage ist in unserem Kulturkreis eng mit der Gottesfrage verwoben. Also kriegen Sie sich ein: Das Frauenbild des Thomas von Aquin tut hier nichts Erhellendes zur Sache.
Mit besten Grüßen
Ihr
Alexander Görlach
Herr Görlach,
ich kann ein Menschenbild nicht nachvollziehen, das den Menschen in Schubladen einteilt, die man, je nach Bedarf beliebig schließen oder öffnen kann.
Wenn ein Mensch mit solch unglaublicher Frauen(=Menschen-)feindlichkeit und kriminellem Antisemitismus (ich liefere gerne Quellen) belegt ist, kann er als menschliche Ganzheit keinerlei Vorbildfunktion mehr haben.
Aber christl. Leitkultur tickt scheinbar anders: Wenn ein menschenverachtender Despot, mit europ. Haftbefehl belegt, wie Mugabe von Simbabwe von Ratziner zur Seligsprechung von JPII. im Vatikan eingeschleust wird, sagt man wohl: “Schublade Menschenrechte/Menschenwürde” zu, Hauptsache “gut katholisch”.
Neben der Frage des Pilatus, was Wahrheit eigentlich ist, was sie leisten kann. Was ist Wahrhaftigkeit? Da wird es dann spannend, weil sie nicht nur eine sonst wie geartete, philosophische, pastoraltheologische oder sozialethische Schlagseite hat. Sondern eben das ganz Praktische im Alltag erfasst. Ebenso mancher frommer Wunsch, der sich durch Fakten nicht so recht belegen lässt: http://karrieresi.ch/nqsvmq Vorausgesetzt, man verhält sich wahrhaftig, lässt die Meinung des Anderen seine Meinung sein. Eine weitere Frage für dieses Forum…
@J.T.Otte
Wenn ich Sie recht verstehe (Meinung des anderen gelten lassen), dann ist es ja gerade der praktische Vollzug des nach “Wahrheit fragen”/ “Wahrheit leben, sc.aussagen”, der vllt am deutlichsten macht, was Wahrheit für uns als soziale Wesen sein kann. Alles in der Welt ist potentieller Wahrheitsträger. Jeder Mensch ist potentiell Wahrheit- Sagender/ Wirkender. Dass man Wahrheit dabei an Vernunft bindet, ist wohl nur ein Sonderfall: schließlich zeigen uns etliche Kulturen in ihrem Verhältnis zu Geisteskranken (bzgl. des Abendlandes s. Foucault, Wahnsinn u. Gesellschaft), dass sie diese als besonders Wahrheits-fähig betrachten.
Dieses potentiell wahrheits-fähig- zu sein ist n.m.E. der Grund den Dingen, Tieren udn MEnschen Aufmerksamkeit und Achtung zu schenken.
Und selbstverständlich ist es dabei nicht nebensächlich, welchen Grund der Welt wir annehmen und wie wir zu ihm stehen. Bspw.: haben wir ein positives oder ein zynisches Verhältnis zu dieser Wahrheit / Grund der Wirklichkeit. Es ist überhaupt nicht erstaunlich, sondern sehr logisch, dass Menschen über Jahrtausende den Grund der Welt, Gott als Wahrheit angesehen haben bzw. dies immer noch tun: Hier liegt ein absolut positives Verständnis von Wahrheit, Wirklichkeit, Menschsein als Befähigung zur Erkenntnis von Wahrheit. Weitergehend noch: der Mensch in seiner Gottesebenbildlichkeit ist selbst Wahrheits-Zeugender / Verwirklichender.
Insofern ist die “Meinung” des Anderen ebenso wie meine eigene dialogisches Wahrheitszeugnis.
Wir suchen also keine Wahrheit außer uns, sondern jene Wahrheit in unserem Sein (um die esoterische Formulierung “in uns” zu vermeiden).
mfG
Mit diesem schillernden relativierenden Wahrheitsbegriff bin ich nicht im geringsten einverstanden. Wenn schon der Verfassungsrichter Böckenförde zurecht häufig zitiert – und zitiert wird – dass wir selbst (wörtlich “der Staat”) von Voraussetzungen leben, die wir nicht selbst schaffen können, dann ist darin zum Ausdruck gebracht, dass es anderes geben muss als die subjektiv behauptete, erlebte, erfahrene Wahrheit. Insofern enttäuscht mich dieser zeigeistige Kommentar sehr. Ich bin fest davon überzeugt, dass es eine Wahrheit außerhalb von uns selbst gibt. Jesus hat mit seinem “Ich bin der Weg, die Wahrheit, das Leben” nicht übertrieben sondern deutlich gemacht, dass er die Wahrheitsinstanz ist, als Sohn Gottes beauftragt und bevollmächtigt. Wir kommen in unserer Gesellschaft nicht wieder auf einen “grünen Zweig”, wenn wir das nicht anerkennen und von IHM her uns lenken und leiten lassen. Bei dem hier im Artikel beschriebenen Wahrheitsbegriff werden wir stattdessen im bedingungslosen Subjektivismus landen, der leider konsequent zum subjektiven Egoismus und Egozentrismus hinstrebt. Wir brauchen stattdessen klare Wegmarkierungen. Dazu gehören nicht zuletzt auch die Grundwerte in unserer Verfassung. Wer die als zeitbedingt, so heute nicht mehr gültig, überholen will (z.B. die Würde jedes einzelnen Menschen, sein unbedintes Recht auf Leben, den Schutz der Ehe und Familie) sägt leider auf dem Ast der Freiheit, auf dem er (noch) sitzt.