Was der Dieter Bohlen macht, finde ich unter aller Sau. Manne Dumke

Soli Deo Gloria

Allein zur Ehre Gottes – Soli Deo Gloria –, mit diesem Bekenntnis ist das Original des deutschen
Einheitsvertrags, dessen 20. Jahrestag am 3. Oktober begangen wird, geschmückt. Lothar de Maiziere hat es da hingeschrieben. Mit Wolfgang Schäuble ist er sich auch heute noch einig darüber: Wir verdanken Gott die Deutsche Einheit.

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Es sind zwei Juristen, die da nebeneinandersitzen. Sie spekulieren nicht. Sie formulieren treffsicher. Sie gehen ins Detail. Nichts wird der Ungenauigkeit überlassen: “Lothar, haben wir uns da schon geduzt?” Beide denken nach. Bis sie sich auf eine gemeinsame Formulierung einigen können.

Beide sitzen in einer Abendveranstaltung. Sie sprechen über die deutsche Einheit. Ich darf die Veranstaltung moderieren. 20 Jahre Mauerfall wurde gefeiert, zur Gedächtnisfeier 20 Jahre Einheitsvertrag wird es keine Biermeile am Brandenburger Tor geben, kein Volksfest. Welcher Politiker wird sich denn auch schon trauen, aus diesem Anlass zu sagen, dass die Einheit gelungen ist?

Bach und de Maiziere – im Geist der Reformation vereint

Einer der Gäste, ein deutscher Pater, der in Brasilien lebt, sagt in einem Redebeitrag, dass aus der Ferne betrachtet es gar nicht so schlecht bestellt sei um Deutschland. Und dass die Deutschen Gott dankbar sein sollten für die Einheit. Nicken bei Herrn Schäuble und Herrn de Maiziere. Ich frage beide: Glauben Sie, dass Gott uns die deutsche Einheit geschenkt hat? Beide nicken einmütig, heftig. Ja, sagen sie. Ja! Und de Maiziere sagt, dass er auf den Einheitsvertrag in einer Ecke die drei Buchstaben vermerkt habe: SDG – Soli Deo Gloria – “Allein zur Ehre Gottes”.

Sowohl Finanzminister Schäuble als auch Herr Bundesminister a. D. de Maiziere sind praktizierende Protestanten. Das “Soli Deo Gloria” ist einer der Grundsätze der Reformatoren. Dass das wiedervereinigte Deutschland protestantischer werden würde, sagte 1990 der religiöse Jurist de Maiziere voraus. Das ist nicht eingetreten. Die Entkirchlichung des Ostens durch die kommunistische SED und ihrer Kader ist unumkehrbar. In manchen Stadtteilen Berlins gibt es noch zwei Prozent Christen. Im Schnitt sind es in den neuen Ländern 20 Prozent.

Deutschland ringt mit der Religion

Soli Deo Gloria – das schrieb auch Johann Sebastian Bach, der großartigste und glaubwürdigste Botschafter der Reformation, neben seine Kompositionen. Die Erkenntnis ist hart, dass rund um die Thomaskirche, in der einer der größten Komponisten der Menschheitsgeschichte ruht, heute keine Christen, sondern nahezu ausschließlich Heiden leben, die die Texte nicht verstehen, die Bach vertont hat. Die in den Geist der Musik nicht eintauchen können, weil sie den Geist des Evangeliums nicht kennen.

Wir Deutschen diskutieren gern über Religion: Sollen Kreuze in den Schulen hängen? In den Gerichten? Darf der Muezzin rufen? Darf eine muslimische Lehrerin ein Kopftuch tragen? Selbst die religiöse Formel am Ende eines Amtseides wird immer wieder neu diskutiert.

Aber dass sich ein Politiker zu einem religiösen Bekenntnis aufrafft, das kommt selten vor. Frau Merkel sagt, Glaube sei Privatsache. Ganz verkehrt ist das nicht. Aber die beiden Männer, die da vor mir am Tisch sitzen – Juristen, wie gesagt –, wissen, wann sie sich mit einer solchen Äußerung an die Öffentlichkeit wagen können. Dann, wenn sie sich ganz sicher sind.

Keine amerikanischen Verhältnisse zulassen

Niemand widerspricht. Es gibt aber auch keinen Bestätigungsbeifall. Es gibt respektvolles Schweigen: Den beiden nimmt man ab, was sie sagen. Aber vielleicht ist das Verhältnis von uns Deutschen zur Metaphysik einfach zu dauerhaft gestört, um uns richtig in diese Aussage einzuschwingen: Gott hat uns die Einheit geschenkt. Die Verheerungen des 30-jährigen Krieges haben die Lust auf öffentliche Disputation über Glaubensauffassungen auf ein Minimum schrumpfen lassen. Und bevor uns amerikanische Verhältnisse drohen, sollten wir lieber unser aufgeräumtes Verhältnis zu unserer ererbten Religion bewahren.

Aber: Bei all dem Klein-Klein, bei dem wir uns bei den Diskussionen über Ost und West, Ossis und Wessis in die Haare bekommen und kleinkariert die Leistung der Einheit kleinreden – wie krass positiv klingt da die Aussage, dass Gott uns diese Einheit geschenkt hat. Ich hoffe, dass das Bekenntnis von Herrn Schäuble und Herrn de Maiziere nicht das einzige Manifest für das wiedervereinigte Deutschland bleiben wird, das 20 Jahre nach der Einheit rund um den 3. Oktober abgegeben werden wird.

Die Veranstaltung mit Wolfgang Schäuble und Lothar de Maiziere wurde ausgerichtet von www.diequadriga.com.

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