Die Kirche lebt. Und sie ist jung. Joseph Ratzinger

Auf gute Nachbarschaft

Islamistischer Terror wächst und gedeiht prächtig, nun offensichtlich auch im Jemen. Wie kann in dieser Atmosphäre dennoch ein gedeihliches Miteinander der Kulturen entstehen? Ein Dreipunkteplan.

Der Karikaturist hätte ermordet werden sollen. Auf dem Weg zu seinem als Panikraum umgebauten Badezimmer einfach umgemäht – mit dem Messer, der Axt oder einem Schnellfeuergewehr. Beleidigte Muslime könnten dann ihren Frieden machen: die Ehre ihrer friedliebenden Religion, die Ehre ihres Propheten, wäre wieder hergestellt. Und wir könnten aufatmen und sagen: Es ist vorbei, jetzt kehrt Ruhe ein.

Es kam nicht so. Nun liegt einmal mehr offen, dass unsere Lebensauffassungen und die von Muslimen auf der ganzen Welt weiter miteinander im Streit liegen: Der Konflikt um die Minarette in der Schweiz, der Streit um die Burka in Frankreich, die Karikaturen in Dänemark. Derweil kommt der islamistische Terror jetzt aus dem Jemen, die Gefahr, auch in Deutschland Opfer eines Anschlags zu werden, ist nach wie vor hoch. “Die” oder “wir”. Der Widerstreit zweier Lebensentwürfe.

Ein Dreipunkteplan

Es ist nicht so, dass “wir” immer recht und “die” immer Unrecht haben. Es ist auch nicht so, dass nur “wir” vor denen Angst haben, und “die” vor uns keine. Was machen “wir” jetzt? Ein Dreipunkteplan.

1.) Sagen, was unverhandelbar ist: Unsere Werteordnung. Im Westen herrscht Freiheit: Meinungsfreiheit, Glaubensfreiheit, Unglaubensfreiheit, Versammlungsfreiheit. Wir verzichten auf absolute Wahrheit, um des höchst möglichen Grades an Freiheit aller Willen. Diese Werteordnung fußt auf der antiken Philosophie, der christlichen Religion, dem europäischen Humanismus und der Aufklärung. “Wir”: Bisher zu feige.

2.) Uns selber ernst nehmen: Wir dürfen nicht zulassen, dass die, denen wir den Herrschaftsauftrag gegeben, diese Freiheiten beugen: In Guantanamo, in Abu Ghraib. Es gilt die Unschuldsvermutung, auch für Männer mit langen Bärten. Die Radikalos sagen, dass das unsere Schwäche zeige? Rechtstaatlichkeit ist kein Zeichen von Schwäche. Mit ihr wird die Tyrannei besiegt. Der Rechtsstaat befreit von religiöser Sanktion, die es religionsgeschichtlich nur deshalb gibt, weil man sich in der Weite der Savanne die Keule nur vom Schädel halten kann, in dem man dem ungerechten Angreifer drohend die gerechte Strafe in der Nachwelt vorhält. “Wir”: Im Zweifel einknasten die Brüder, Moscheen dicht machen.

3.) Für unsere Werteordnung Opfer bringen: Die unpopulärste Forderung. Das gilt gegenüber Russland und China. Das Opfer sind hier: Weniger Wirtschaftsabkommen und Aufträge. Genauso gegenüber fundamentalistischen Muslimen. Das Opfer sind die Soldaten – oder die Karikaturisten.

Wäre Kurt Westergaard ermordet worden, es hätte uns richtig weh tun müssen. Hätte es das?

Leserbriefe

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    Felix Struening – 07.01.2010 - 06:42

    … müssen wir tatsächlich für unsere Werteordnung. Doch muss isch jeder selbst entscheiden, ob er das tun will. Als Gesellschaft können wir nicht unsere Karikaturisten opfern, Islamkritiker müssen in Europa vor Zugriffen durch Muslime geschützt werden. Bei den Soldaten ist das etwas anderes: Sie haben sich freiwillig zum Dienst an der Waffe gemeldet, deswegen können wir sie auch mit politischem Mandat nach Afghanistan schicken. Wir sollten sie dort nur ihre Arbeit machen lassen und nicht gutmenschlich auf ein paar angeblichen Zivilisten die getötet wurden rumreiten.

    Der Kampf der Kulturen ist längst vor unserer Haustür abgekommen: http://www.buchtest.de/rezension/kampf-der-kulturen.html

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Mehr zum Thema: Daenemark, Gesellschaft, Guantanamo

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