Das Haus Europa darf kein Krankenhaus sein. Karl Dedecius

Silvester am Kölner Hauptbahnhof

Frauen als Freiwild, mitten in deutschen Großstädten, am schlimmsten in Köln – dort rund 1.000 Täter! Erschauernd stehen die Gutmenschen: dass Migration auch eine Kehrseite haben könnte, das hatten sie doch nicht wissen wollen! Nun wissen sie es aber. Und in Köln kann man sich auf die „tollen Tage" schon so richtig freuen. Der „Karneval der Kulturen" hat schon jetzt seine neue Bedeutung bekommen.

Wir wissen noch nicht endgültig, was genau in Köln vorgefallen ist, und Verallgemeinerungen über die Silvesternacht hinaus verbieten sich zunächst, aber bislang über 60 von Frauen getätigte Anzeigen wegen massiver sexueller Belästigung und wohl auch Vergewaltigung durch migrantisch aussehende Männer sprechen für sich. Wie allgemein bekannt ist, hat Schweden in dieser Hinsicht bereits Lehrgeld zahlen müssen. Ein vorsichtiger Analogieschluss bei der Ursachensuche bietet sich hier an. Insofern ist es redlich, dass das Problem in Köln beim Namen genannt wurde, wenn auch nur, um „zu verhindern, dass Rechtsextreme dies zum Vorwand für Ausländerhass nehmen können“.

Vollkommen unreflektiert in der deutschen Öffentlichkeit ist indes die Tatsache, dass unter den Migranten fast nur junge Männer sind. Dabei spricht sie Bände. Die Wohlmeinenden – also diejenigen, die eine reine, abstrakte und damit radikale Moral in die politische Wirklichkeit einführen und damit die Wirklichkeit zerstören – diese Wohlmeinenden also argumentieren, darauf angesprochen, dass es doch verständlich sei, dass Familien, die lange für die „Flucht“ gespart hätten, ihre stärksten Mitglieder vorschickten. Diese würden dann, nach ihrer Ankunft in Deutschland, ihre Familienangehörigen nachholen. Die Wohlmeinenden gehen also davon aus, dass naturgemäß hinter den jungen Männern noch ganze Familien auf Ausreise warten und das hypermoralische Deutschland diese selbstverständlich aufnehmen werde, wobei noch geklärt werden muss, was genau welche Seite unter „Familie“ versteht.

Die erste Frage, die diese Antwort herausfordert, ist, warum diejenigen unter den jungen Männern, die verheiratet sind, ihre Frauen und Kinder und diejenigen, die es nicht sind, die Älteren und Schwächeren ihrer Familie überhaupt zurücklassen. Die ethische Parole, aus cder Seefahrt bekannt: „Alte, Frauen und Kinder ins Boot“ scheint also zu einer völlig anderen Kultur zu gehören. Hier spreche ich eine Vermutung aus, deren wahrscheinliche Richtigkeit erst aus dem, was folgt, resultiert. Brevor wir uns den eindeutigeren Antworten zuwenden, sei ein Blick auf die soziologisch-philosophischen Hintergründe gestattet.

Ein Missverständnis und seine Entstehung

Alles erfassend kann sich heute in Deutschland „eine spannungslose, gemeine Art von Gutherzigkeit, bei der jeder auf seine Rechnung kommt, als Menschlichkeit ausgeben und einen saugenden moralischen Unterdruck erzeugen.“ Der Sozialphilosoph Arnold Gehlen hat diese – von ihm so apostrophierte – „sozialnervöse Wohltätigkeit“ kritisch gesehen, denn wenn eine Gesellschaft unter Druck gerät und wohlfeile Moral nicht mehr praktikabel wird, „dann werden verschiedene Gruppen entgegengesetzte Formen des Ethos vertreten, die heutzutage sofort notorisch werden, weil die Verstärkerwirkung der Massenmedien sowie ihr Legitimierungseffekt dramatisierend wirken, d. h. Krisenäquivalente hervorzaubern. In der Krise wächst die Neigung, den Meinungsgegner zum Dissidenten zu machen, zum Abgesonderten, und das geschieht wirksam durch moralische Ächtung. Der so zum Schweigen Gebrachte kann wie der Tote weder anklagen, noch sich verteidigen, noch Zeugnis ablegen.“ Diese Sätze Gehlens aus seinem Buch „Moral und Hypermoral“ sind über 40 Jahre alt, aber aktuell wie nie!

In der momentanen Krise Deutschlands zeigt sich die Richtigkeit von Gehlens Entwurf einer pluralistischen Ethik. Er besagt, dass es auf der Welt nicht nur eine einzige Ethik gibt, wie es diejenigen, die von einer abstrakten Menschheit reden, immer behaupten, sondern unterschiedliche Formen des Ethos, die nicht miteinander vereinbar sind. Das ist schon in einer einzelnen Kultur so, wenn man die Entwicklung der Ethik durch die Geschichte betrachtet, umso mehr in verschiedenen Kulturen, auch zum gleichen historischen Zeitpunkt.

Der bundesdeutsche Staatsphilosoph Jürgen Habermas hingegen hat seine Theorie des kommunikativen Handelns auch auf die Ethik hin so angelegt, dass alle Menschen in einer idealen Diskurssituation zu identischen Handlungsmaximen gelangen würden. Eine solche Situation, das sei zugegeben, lag in der Silvesternacht am Kölner Hauptbahnhof nicht vor. Wie Gehlen jedoch feststellte, folgt der Radikalisierung der Moral – und darum handelt es sich zur Zeit bei der grenzenlos zugelassenen Einwanderung in Deutschland – eine Freisetzung von Aggression, denn „die Durchschnittlichkeit des Alltags, in der alles einigermaßen zusammengeht, wird aufgestöbert“, wodurch es zu scharfen Gegensätzen der ethischen Positionen auf den beteiligten Seiten kommt.

Die Fakten sprechen für sich

Keiner der Wohlmeinenden hierzulande stellt sich die offenbar Frage, warum sich so wenige junge Frauen allein auf den Weg machen, obwohl es ja statistisch außer Frage steht, dass es genauso viele junge Frauen wie junge Männer geben müsste. Der Verdacht, diese jungen Frauen könnten die Reise nicht genauso gut machen, dürfte eigentlich von den Wohlmeinenden nicht geäußert werden, weil er mit ihren anzunehmenden Grundüberzeugungen nicht vereinbar wäre: Natürlich sind junge Frauen genauso stark und den Mühen der Reise gewachsen. Der Hinweis, alleinstehende junge Frauen wären auf der Flucht gefährdet und Übergriffen ausgesetzt, kann ebenfalls nicht geäußert werden, denn dies würde die männlichen „Flüchtlinge“ pauschal diskriminieren.

Die Tatsache, dass weit mehr Männer als Frauen zu uns kommen, kann nur diesen einen Grund haben: In den orientalischen – genauer: den islamischen – Gesellschaften wird den jungen Frauen nicht die gleiche Selbständigkeit wie den jungen Männern gewährt. Solange sie nicht verheiratet sind, bleiben sie in der Obhut der Familie. Dies ist in aller Regel so; Ausnahmen dürften diese Regel bestätigen. Die unbezweifelbare Tatsache, dass es sich bei den Migranten fast nur um junge Männer handelt, bestätigt also, dass diese jungen Männer aus patriarchalischen Gesellschaften kommen, deren Frauenbild von dem unsrigen himmelweit entfernt ist. Dabei ist es sehr wahrscheinlich, dass die jungen Frauen aus dieser Kultur dieses Frauenbild selbst verinnerlicht haben. Das islamische Kopftuch soll ja eine Züchtigkeit signalisieren, die einem in jener Kultur als normal angenommenen aggressiven männlichen Verhalten einen Riegel vorschieben soll und gleichzeitig denjenigen Frauen, die kein Kopftuch tragen, eine gewisse „Unehrenhaftigkeit“ unterstellt.

Freiwild, weil mit freiem Kopf

Nun ist vollkommen klar, dass für diese jungen Männer Frauen, die sich so frei und ungezwungen benehmen wie dies deutsche Frauen gelegentlich an Silvester oder in der Faschingszeit tun, so etwas wie Nutten sind, die damit mehr oder weniger frei verfügbar sind und dies auch signalisieren. Es handelt sich um weit mehr als um ein klassisches Missverständnis. Die Pluralität der Ethik ist wie mit Händen zu greifen, eine Vermittlung ist schwierig und je mehr Migranten in kurzer Zeit aufgenommen werden, nicht möglich. Männer von 20, 30 Jahren kann man nicht mehr umerziehen.

Es ist eine Illusion zu glauben, Beeinflussung durch Einwanderung sei eine Einbahnstraße. Immer reden die Wohlmeinenden davon, dass die Einwanderer sich ändern und dazu gebracht werden müssten, die Positionen des Grundgesetzes zu achten; von „westlichen Werten“ redet kaum noch jemand, da es diese nicht mehr gibt und auch darum, weil dann zugegeben werden müsste, dass es sich vor allem um christliche Werte gehandelt hat. Was dann nämlich auch zum Vorschein käme, ist, dass mit der sozialistischen Umwertung der ursprünglich christlichen Werte deren Abschaffung begonnen hat.

Was die Wohlmeinenden vergessen

Was die Wohlmeinenden vergessen oder unterschlagen, ist die unabweisbare Erkenntnis, dass auch die Einwanderer die Gesellschaft verändern werden. Floskelhaft sagen sie zwar, dass Deutschland sich ändern müsse; in welche Richtung, deuten sie nur an: Es geht für die Einheimischen natürlich nicht um die Akzeptanz syrischer Küche, sondern um den Verlust ihres materiellen Wohlstands.

Das ist aber längst nicht alles! Deutschland wird sich auch geistig ändern und viel „konservativer“ werden, doch auf eine neue und sehr andere Weise – wie am Kölner Hauptbahnhof geschehen. Frau Reker, Kölner Oberbürgermeisterin, ist schon eingeknickt: Deutsche Frauen sollen sich zu Karneval anders verhalten als bisher.

Geben wir uns keiner Illusion hin. Je mehr und länger islamische Einwanderer in Deutschland leben – und die Erziehung ihrer Kinder werden sie sich nicht nehmen lassen –, umso mehr wird ihre Ethik akzeptiert werden müssen: einfach qua Masse. Man könnte von einem „Rechtsruck“ ganz eigener Art sprechen, wobei es sich beim Beschriebenen nur um den Teilaspekt eines weit größeren Problemkomplexes handelt. Man sehnt sich schon jetzt nach dem zivilisierten Konservatismus alter Schule zurück, als man Frauen noch „Damen“ genannt hat.

Lesen Sie auch die neuste Kolumne von Adorján F. Kovács: Rotfront für Deutschland?

Leserbriefe

comments powered by Disqus
meistgelesen / meistkommentiert