Der dümmste Grund eine Aktie zu kaufen, ist, weil sie steigt. Warren Buffet

10 Jahre Lehman Brothers Pleite: Technologie macht Finanzberater obsolet

Ein Jahrzehnt ist bereits seit dem Zusammenbruch von Lehman Brothers vergangen. Viele Anleger, die damals ihr Geld den amerikanischen Hasadeuren der Bank-Elite anvertrauten, wurden nachweislich zu Ihren Ungunsten falsch beraten. 10 Jahre später revolutioniert Technologie die Möglichkeiten und die Art und Weise der Anlageberatung sowie Vermögensverwaltung für Privatanleger.

Falsche Finanzberatung als wesentliche Ursache der Finanzkrise

Vor einem Jahrzehnt hat der Fall der US-Investmentbank Lehman Brothers einen der größten Finanzmarktschocks der Geschichte ausgelöst, dessen Wellen sich rund um den Globus ausbreiteten und zahlreiche Länder an den Rand des ökonomischen Zusammenbruchs brachten. Die Folgen sind bis heute zu spüren, sowohl wirtschaftlich, aber auch politisch im Gewand des wachsenden Populismus. Die “Wertpapiere” der durchaus traditionsreichen Investment-Bank stellten sich in der Nachbetrachtung als geschickt verpackte Immobilienkredite dar, die an unzählige, eigentlich kaum kreditwürdige Amerikaner mit unterdurchschnittlichen Einkommen und fehlenden Sicherheiten ausgegeben worden waren. Nachdem der US-Markt mit den Lehman-Finanzprodukten überschwemmt worden war, nahmen die Lehman-Verkäufer auch die deutschen Kleinanleger ins Visier.

Diese suchten in der Regel extrem sichere und langfristige Anlagemöglichkeiten – und erhielten von ihren vertrauten Bankberatern dann Lehman-Papiere, die als bombensicher und “mit eingebauter Renditegarantie” verkauft wurden. Nach dem Lehman-Crash blieb die Masse der geschädigten Anleger auf ihren Verlusten sitzen – da sie den Banken die falsche Beratung nachweisen mussten.

Digitalisierung der Finanzwelt: Social Trading ersetzt Finanzexperten

Die bewusste Verschleierung von Anlagerisiken, basierend auf der provisionsbedingten Befangenheit einiger Anlageberater oder extrem anspruchsvoller Vertriebsvorgaben, hat maßgeblich zur Eskalationsspirale der 2008er-Krise beigetragen. Um den Handel mit derivativen Finanzprodukten von diesen Verzerrungen zu befreien und zu demokratisieren, ersetzen viele Privatanleger nunmehr die Interessen des persönlichen Finanzberaters durch die Intelligenz und die Selbstreinigungskraft der Crowd und bedienen sich der systembedingten Neutralität ausgefeilter Algorithmen. “Social Trading” heißt Art der Anlage, welche die interaktive Web 2.0-Kommunikation mit Geldanlegen verknüfpt beziehungsweise eine Kombination zwischen sozialen Medien und Börsenhandel darstellt. Social Trading ist jedoch grundsätzlich kein Novum und bestand schon immer in den Banken in Form eines sozialen Netzwerks. Der Unterschied besteht jedoch darin, dass dieses Netzwerk institutionalisiert – sprich exklusiv – war und somit Privatanlegern vorenthalten blieb. Technologie verändert diesen Zustand.

Anleger können sich Dank intuitiv bedienbarer mobiler Apps und webbasierter Desktop-Anwendungen über Investments, Anlageentscheidungen und Strategien austauschen und vor allem anderen folgen (Copy-Trading). Neueinsteiger können sich schrittweise mit den Spielregeln des Börsenhandels vertraut machen, durch das Folgen eines bereits erfolgreichen Traders die Zusammenhänge kennenlernen – und gleichzeitig von der Strategie des Vorbilds 1:1 profitieren. Gegner des Social Trading mahnen vor hohem Risiko und dem Verlust von Kapital. Oft wird kritisiert, dass aufgrund des Hebels Verluste entstehen. Doch dieses Argument ist seit der falschen Beratung von Finanzexperten vor 10 Jahren keinen Cent mehr wert. Beim Social Trading bietet der Hebel jedoch auch die Chance, die ganze Strategie zu leveragen, wobei es immer im Ermessen des jeweiligen liegt, einen geringeren oder gar keinen Hebel zu nutzen. Wie bei der Einnahme von Medizin gibt es beim Handeln mit Derivaten, ETF’s etc. immer Risiken und dessen sollte sich jeder bewusst sein. Insofern appeliert Social Trading an die Selbstbestimmtheit der User.

Die relative Chancengleichheit aller Teilnehmer wird durch größtmögliche Transparenz, den direkten Austausch untereinander und regulativ wirkender Algorithmen sichergestellt. Social Trading überträgt die bewährten Funktionsweisen und Rahmenbedingungen der sozialen Netzwerke aus dem “Smalltalk”- in den Finanz-Bereich. Hier handeln alle Beteiligten natürlich hauptsächlich im eigenen Interesse – diese Grundannahme ist aber auch allen “Mitspielern” bekannt und muss nicht verschleiert oder verneint werden. In diesem “geschütztem” Mikrokosmos findet dann auch tatsächlich das oft kritisierte Prinzip “Wenn jeder an sich denkt, ist an jeden gedacht” konstruktive Anwendung und schützt vor sich selbst verstärkenden Fehlentwicklungen.

Fazit: Demokratisierung des Handels führt zu mehr Reflektion

Social Trading kippt somit die bisher vertikale Ebene (Oben “thront” die Bank, unten sitzt der Kleinanleger) ins Horizontale (Anleger interagieren auf Augenhöhe ohne Zwischenschritte, orientieren sich höchstens an Top-Tradern). Dieser Hierarchie-freie und von zahlreichen Zwischenstufen bereinigte Handel entspricht genau dem Selbstverständnis der Millennials als autarke Individuen, die sich bei Bedarf blitzschnell zu einer stimmgewichtigen und durchsetzungsstarken Interessengruppe zusammenschließen – und ebenso schnell wieder auflösen. Diese Zielgruppe versteht daher die Funktionalitäten eines Social Trading-Netzwerks wie dem NAGA TRADER sofort und intuitiv und nutzt die App, um spielerisch Gewinne einzufahren, ohne einen MBA aus Harvard haben zu müssen. Zu hoffen bleibt, dass die Netzwerke der privaten und institutionellen Anleger durch die Technologien des 21. Jahrhundert eines Tages verschmelzen und somit der Zustand Informationsasymmetrie durchbricht. Denn nur so können auch langfristig Asymmetrien von Vermögen aufgehoben haben.

Lesen Sie weitere Meinungen aus dieser Debatte von: Dietmar Bartsch, Beatrice Bischof, Alice Weidel.

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