FinTechs: Europas Chance auf eine Führungsrolle in der globalen Digitalwirtschaft

Yasin Sebastian Qureshi26.10.2018Wirtschaft

Wenn es um digitale Plattformen und innovative Wirtschaftsunternehmen geht, hatte Europa bisher das Nachsehen. US-Amerikanische Anbieter wie Facebook, PayPal und Co. schienen immer einen Schritt voraus zu sein.

Das Resultat: Europa entgeht bis heute ein großer Teil der wirtschaftlichen Erträge aus der digitalen Wirtschaft. Im Bereich der Finanztechnologien (FinTech) scheint sich diese Entwicklung jetzt in das Gegenteil zu verkehren. Laut der „Pulse of Fintech“ Studie von KPMG haben europäische Fintechs die Nase vor den USA – das zeigt zumindest die Höhe der Investitionen. Europas führende politische Kräfte sind gut beraten, diesen Trend mit allen Mitteln zu unterstützen. Im Feld der Finanztechnologien könnte Europa endlich zu den Großen der Digitalwirtschaft aufschließen und sich global digital für die Zukunft gut aufstellen.

Was bedeutet FinTech und was macht dieses Marktsegment so attraktiv?

Im Bereich der Finanztechnologie geht es um innovative Technologien zur digitalen Optimierung finanzieller Transaktionen und Aktivitäten. Hier sind sowohl Dienstleistungen für Versicherungen und Banken angesiedelt als auch für Privatkunden, zum Beispiel in Form von Bezahldiensten. Vorteilhaft ist es hier auch für kleinere bis mittlere Unternehmen sowie kreative Start-Ups, dass sie im Regelfall im Umfeld von Finanzaktionen tätig werden können, dabei aber nicht die komplizierten Regularien bei der Beantragung einer Bankenlizenz erfüllen müssen, wenn sie ihren Geschäftsbereich geschickt anlegen. Vielen FinTech Neulingen gelingt in kurzer Zeit, erfolgreich Marktnischen und spezielle Bereiche zu besetzen, weil die rasanten Entwicklungen im Cloud Computing und bei Big Data ihnen ideale Voraussetzungen für einen Markteinstieg bieten. Dabei haben sie auch die Breitenwirkung von Smartphones, Tablets und anderen mobilen Geräten ganz auf ihrer Seite. Manche Experten erwarten das nächste Facebook deshalb im FinTech Bereich.

Was kann Europa tun und was tut es bereits, um FinTech zu fördern?

Obwohl kaum eine Woche vergeht, in der FinTech keine Schlagzeilen in Deutschland und Europa macht, ist der Marktanteil von solchen Tech-Unternehmen der Unternehmen in der Gesamtwirtschaft noch relativ gering. Das muss sich ändern. Die EU-Kommission hat im März dieses Jahres bereits einen entsprechenden Aktionsplan entworfen, welcher der Finanztechnologie Branche den Weg in die Zukunft ebnen soll. Dabei wird durch verschiedene Maßnahmen angestrebt, Europa zum globalen FinTech Zentrum zu machen. Unter anderem sollen neue Technologien wie Cloudcomputing und KI (Künstliche Intelligenz) zügig vorangetrieben und für die Finanzdienstleister effektiv nutzbar gemacht werden. Auch Crowdfunding und ähnliche Systeme sollen bestmöglich unterstützt werden. In der Zusammenfassung greift der Aktionsplan an 3 Enden an:

• Innovative Geschäftsmodelle sollen die Möglichkeit einer binnenmarktweiten
Expansion erhalten.

• Neue Technologien im Finanzsektor sollen in ihrer Entwicklung gefördert werden.

• Die Cybersicherheit soll gestärkt und das Finanzsystem in seiner Struktur gestützt
werden.

Eine wichtige Rolle spielt in diesem Rahmen die Etablierung eines sogenannten Sandbox-Systems. Der Finanzdienstleistungssektor ist hoch reguliert. Das ist eine Herausforderung für innovative Unternehmen, weil sie ihre Ideen und Projekte angesichts relativ schwerfälliger rechtlicher Rahmenbedingungen kaum in der Praxis testen können. In einer Sandbox wird es ihnen möglich gemacht, sich zunächst einmal auf ihre Innovation zu konzentrieren und deren Praktikabilität ohne Rücksicht auf Regularien durchzuspielen. Es entsteht ein genehmigungsfreier, geschützter Raum für die Prüfung auf Akzeptanz und Marktgängigkeit. Wenn Europa seine Pläne aktiv und zeitnah umsetzt, haben dürften Schlagzeilen wie diese “Start-ups Europas größtes FinTech-Zentrum eröffnet in Berlin ” zukünftig noch alltäglicher werden.

Die Welt der Finanztechnologie schläft nicht

Dabei darf Europa aber keine Zeit verlieren. In anderen großen Wirtschaftsräumen wie etwa China bringen sich bereits Wettbewerber in der Finanztechnologie klug in Stellung. Anbieter wie Alipay beeindrucken einfach aufgrund der schieren Größe ihres Einflussbereiches im Verhältnis zur Bevölkerungszahl dieses Wirtschaftsraumes, was auch ein Grund dafür war, dass wir uns bei NAGA entschieden haben mit Fosun einen der wichtigsten chinesischen Finanzakteure der Welt ans Boeard zu holen. Dennoch kann Europa hier ein Faktor zu Hilfe kommen, der schon in der Vergangenheit in anderen Bereichen den Unterschied gemacht hat: Europa verfügt noch immer über große Innovationskraft. Der Finanztechnologie-Sektor bietet sich an, diese Karte erneut zu spielen, denn hier können sogar auf regionaler Ebene die klügsten Köpfe ihr ganzes Potential entfalten – wenn die Rahmenbedingungen stimmen. Hier kommt es Europa zugute, dass es trotz EU auch ein dezentraler Raum ist, in dem viele Wege nach Rom führen. Genau das ist Europas Stärke auf dem Weg zum FinTech Leader.

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