Gestatten, Romney

von Yascha Mounk1.02.2012Außenpolitik, Innenpolitik, Medien

Die Vorwahlen der Republikaner sind so gut wie entschieden: Mitt Romney wird für die Konservativen gegen Obama ins Feld ziehen. Der dürfte sich bereits freuen, hat sein jetzt gekürter Gegner doch bereits Schwachstellen offenbart.

Das Rennen um die Nominierung der Republikaner war eine wahrlich wilde Achterbahnfahrt. Donald Trump, Michele Bachmann, Herman Cain, Rick Perry – sie alle standen in den Umfragen einmal vorn. Selbst als endlich statt Umfragen tatsächliche Wahlen auf der Tagesordnung standen, wollten die Wähler lange keinen klaren Spitzenreiter küren. Rick Santorum gewann (wie wir jetzt wissen) in Iowa, stürzte in New Hampshire aber ab. “Mitt Romney”:http://www.theeuropean.de/mitt-romney gewann in New Hampshire, war in South Carolina aber weit abgeschlagen. Und Newt Gingrich führte letztlich in nationalen Meinungsumfragen und gewann South Carolina fulminant, nur um jetzt in Florida wieder entzaubert zu werden. Mit Voraussagen sollten wir also vorsichtig sein. Da die diesjährigen Vorwahlen viel größere Schwankungen und Überraschungen geboten haben als je zuvor in der politischen Geschichte Amerikas, könnten sich die hergebrachten Weisheiten auch in den nächsten Wochen wieder einmal als falsch herausstellen. Und doch scheint nach Mitt Romneys sattem Wahlsieg in Florida alles auf seine Kandidatur hinauszulaufen. Das liegt nicht nur daran, dass Romney nun die meisten Delegierten (und das meiste Geld) auf seinem Kampagnenkonto hat – sondern vor allem daran, dass nach Gingrichs Implosion schlicht keine auch nur einigermaßen glaubhaften Alternativen mehr übrig sind. Romney darf heute also ausgiebig feiern – und morgen zum Angriff auf Barack Obama übergehen. Bei aller Fanfare und Hysterie waren wir bisher noch im Vorwahlkampf. Jetzt beginnt die heiße Phase.

Romney warb offensiv

Somit ändert sich nun auch die Fragestellung über Romney. Bisher fragte sich das politische Amerika, ob der ehemalige Gouverneur des liberalen Bundesstaates Massachusetts für die Republikaner zu links sei. Ab heute wird die Frage heißen, ob der steinreiche Geschäftsmann für Durchschnittswähler nicht doch zu weit rechts stehen könnte. Gerade deshalb mögen die größten Schlachten des Vorwahlkampfs zwar hinter uns sein – doch ob Romney den Dreck, den seine sonst so strahlend weiße Weste im Nahkampf mit Gingrich abgekriegt hat, wieder rauswaschen kann, ist nicht klar. Laut der „New York Times“ waren sage und schreibe 92 Prozent aller Wahlkampfspots, die in Florida geschaltet wurden, sogenannte _attack ads_ – also direkte Angriffe auf andere Kandidaten. Für Romney hat das aus zweierlei Gründen ein Nachspiel. Erstens war Romney der Initiator vieler dieser Spots. Ob ihm die hartgesottenen Unterstützer anderer republikanischer Kandidaten diese innerparteiliche Aggressivität vergeben werden, muss sich erst zeigen – jedenfalls wird es für Romney nun noch schwerer, die gesamte republikanische Basis auf seine Kandidatur zu vereinigen. Zweitens waren viele dieser Werbespots gegen Romney gerichtet – und haben seinem Image durchaus beträchtlichen Schaden zugefügt. Im vorigen September fand eine Mehrzahl der Amerikaner Romney noch sympathisch. Jetzt haben 49 Prozent eine negative Meinung von ihm, und nur 31 Prozent eine positive Meinung. Unter Wechselwählern ist Romneys Beliebtheit auf magere 23 Prozent, also noch dramatischer, gesunken. Romneys Beliebtheitswerte könnten bald wieder wachsen: In der Politik ist eine Woche schon eine sehr lange Zeit – von dem dreiviertel Jahr, das bis zu den nächsten Wahlen noch fehlt, ganz zu schweigen. Aber dass Romneys Beliebtheit so unter Gingrichs Angriffen litt, hat konkrete Gründe und die Strategen der Demokraten werden sich diese Gründe gut notiert haben. Romney besitzt zwar eine viertel Milliarde Dollar, zahlt aber weniger Steuern als die meisten amerikanischen Durchschnittsverdiener. Er brüstet sich zwar über seine glanzvolle Karriere bei Bain, hat in seiner Managementrolle aber die Entlassung von zigtausenden Angestellten empfohlen. Und er wird sich zwar schon bald als unideologischer, moderater Machertyp ans Volk empfehlen – hat in den letzten sechs Monaten aber reichlich ideologischen, wenn nicht gar extremistischen, Unsinn verzapft. Auszüge aus den Debatten der Republikaner werden in diesem Jahr deshalb zweifelsohne noch einmal im Fernsehen gezeigt werden: und zwar in Form von Werbespots für Barack Obama.

Romney ist gefährlicher, als es McCain je war

Vor vier Jahren hat der amerikanische Wahlkampf die ganze Welt begeistert: der Kampf zwischen John McCain und Barack Obama, zwischen alt und jung, Zynismus und Hoffnung, war dramaturgisch perfekt inszeniert. (Und ein paar fulminante Nebendarsteller, von Sarah Palin bis zu Hillary Clinton und Michelle Obama, gab es außerdem noch zu bestaunen.) Der diesjährige Wahlkampf wird weniger glamourös ausfallen. Von Romneys vielen Talenten war Strahlkraft noch nie eines. Obama dagegen, der einst Strahlkraft wie kaum ein anderer moderner Politiker besaß, hat seine erwartungsfrohen Anhänger schon lange enttäuscht. Die Emotionen werden dieses Jahr also weniger hoch gehen: 2012 ist anscheinend eine weniger historische Wahl, als es 2008 war. So wie wir heute wissen, dass die Wahlen 2008 von weniger historischer Bedeutung waren, als es vielen von uns damals erschien, so könnte der Schein aber auch dieses Jahr trügen. Romney mag während der Vorwahlen nur so vor sich hin gelogen haben: Die Fähigkeit, jeweils das zu tun und zu sagen, was seine Wahlchancen maximiert, attestieren ihm alle, die ihn gut kennen. Aber wenn er auch nur ein Quäntchen seiner Sprüche und Versprechungen aus den vergangenen Monaten wirklich ernst gemeint hat, dann ist er viel gefährlicher, als es McCain je war. Die politische Kluft zwischen Romney und Obama ist wahrscheinlich genauso groß, wie sie es vor vier Jahren zwischen Obama und McCain gewesen war.

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