Obamas Favorit

von Yascha Mounk7.03.2012Außenpolitik, Innenpolitik, Medien

Mitt Romney wird wohl der Kandidat der Republikaner im US-Wahljahr werden. Für Präsident Obama hätte es kaum besser kommen können – auch wenn seine Wiederwahl alles andere als gesichert ist.

Vorige Woche hat Mitt Romney in seinem Heimatstaat Michigan einen Elfmeter verschossen. Diese Woche hat “Pinocchio Frankenstein(Link)”:http://www.theeuropean.de/yascha-mounk/10175-mitt-romneys-charisma schon wieder nur den Pfosten getroffen. Er hat zwar in sechs von zehn Staaten Siege feiern können. Die wichtigsten von ihnen, inklusive Ohio, waren aber so knapp, dass sich seine Freude in Grenzen halten wird. Die Wähler werden einfach nicht warm mit ihm. Das Rennen um Delegiertenstimmen geht also weiter, immer weiter. In den amerikanischen Medien wird jetzt über eine „brokered convention“ spekuliert – über einen Parteitag, an dem keiner die absolute Mehrheit der Delegiertenstimmen auf sich vereinen kann, und in dem die Granden der Republikaner deshalb in einem Hinterzimmer über ihren Kandidaten entscheiden. Auf “„Spiegel Online“ lässt Sebastian Fischer(Link)”:http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,819778,00.html deshalb sogar den Lieblingsgrusel aller Deutschen anklingen: Vielleicht würde dann ja sogar Sarah Palin zur Notkandidatin benannt.

Es gibt keine glaubhafte Alternative zu Romney

All dies ist aber haushoch übertrieben. Ein glänzender Erfolg war der Super Tuesday für Romney nicht. Aber alle Zeichen stehen darauf, dass es für ihn auf die eine oder andere Weise knapp für die Nominierung reichen wird. Gründe dafür gibt es zuhauf. In den bisherigen Wahlen hat Romney trotz aller Misere eine absolute Mehrheit der vergebenen Delegiertenstimmen auf sich vereinen können. Es stehen für Romney zwar noch einige schwierige Wahlen an (so zum Beispiel über die nächsten sieben Tage in Kansas, Alabama und Mississippi) aber auch noch einige, bei denen er seinen Delegiertenvorsprung noch ausbauen dürfte (so zum Beispiel die bevölkerungsreichen Staaten New York und California.) In den vergangenen Tagen haben sich noch mehr Prominente in der Partei für ihn ausgesprochen. Und falls alles scheitert, und es tatsächlich zu einer „brokered convention“ kommt, dann haben die Republikaner weiterhin dasselbe Problem, das sie jetzt schon haben – nämlich, dass es schlicht keine glaubhafte Alternative zu Romney gibt, auf die sich eine Mehrheit seiner Gegner einigen könnte. Es bleibt also dabei: Romney wird aller Voraussicht nach der Kandidat der Republikaner. Der Wettmarkt intrade beziffert Romneys Chancen auf die Nominierung heute früh um die 90 Prozent. Das erscheint mir absolut richtig. Die Republikaner sind von ihm zwar nicht gerade begeistert. Aber da ihnen eine überzeugende Alternative fehlt, werden sie sich, emotional benommen und ein wenig angeekelt, im letzten Moment wohl doch noch von Pinocchio Frankenstein verführen lassen.

Die politische Geografie der Vorwahlen

Aber eines ist klar: Romneys Schwäche im Vorwahlkampf zeigt jetzt schon auf, wo seine Schwächen gegen Barack Obama liegen werden. Wenn man sich eine Karte Amerikas anschaut, fällt einem sofort auf, dass Romneys Probleme geografisch klar konzentriert sind. Es gibt eine riesige Landmasse in der Mitte Amerikas, wo er einfach nicht gewinnen kann. Man könnte von North Dakota östlich nach Minnesota, südlich nach Iowa und Missouri, und dann entweder westlich Richtung Oklahoma und Colorado oder südöstlich Richtung Tennessee, Georgia und South Carolina fahren, ohne jemals durch einen Staat zu kommen, in dem Romney gewonnen hat. Dieses Problem ist für Romney etwas kleiner, als es zunächst erschienen mag. Es handelt sich um relativ bevölkerungsschwache Staaten. Zudem sind viele von ihnen recht fest in republikanischer Hand. Aufgrund des amerikanischen Wahlsystems kann ihm seine Unbeliebtheit in diesen Orten im Kampf gegen Obama also relativ egal sein. Doch die politische Geografie der Vorwahlen zeigt trotzdem zwei Probleme auf, die Romney dauerhaft Kopfschmerzen bereiten werden. Denn es gibt zwei Bevölkerungsgruppen, bei denen er schlicht nicht punkten kann: Wähler der Arbeiterklasse, die im Mittleren Westen besonders zahlreich vertreten sind; und Evangelikale, denen Romneys Religion suspekt ist, und die ihn außerdem nicht konservativ genug finden. Von den Ersteren könnte im November manch einer für die Demokraten stimmen. Die Letzteren könnten eventuell zu Hause bleiben. Staaten wie Oklahoma und Georgia wird Romney dann zwar trotzdem gewinnen – denn dort ist ein Rick Santorum oder ein Newt Gingrich ein ernsthafterer Widersacher als ein Barack Obama. Aber Staaten wie Ohio, Michigan und Florida könnte Romney aufgrund seiner Schwächen bei genau diesen Bevölkerungsgruppen verlieren – und Barack Obama so zu vier weiteren Jahren im Weißen Haus verhelfen.

Gute Neuigkeiten für Obama

Für Obama sind das hervorragende Neuigkeiten. Ihn wird ein Gegner erwarten, von dem alle wissen, dass er in seiner eigenen Partei denkbar unbeliebt ist; ein Gegner, der noch monatelang am rechten Rand um Wählerstimmen wird fischen müssen; ein Gegner, der bei wichtigen Bevölkerungsgruppen schlicht nicht punkten kann; und ein Gegner, der auch im Hauptwahlkampf an einen eventuellen „Drittkandidaten“ wie Ron Paul Stimmen verlieren wird. Aber all das heißt noch lange nicht, dass Barack Obama sich schon auf vier weitere Jahre als Präsident freuen darf. Denn bei dem ganzen Theater um die Vorwahlen der Republikaner haben wir fast vergessen, wie negativ die Stimmung im Land noch immer ist. Millionen Amerikaner sind weiterhin arbeitslos. Obama bleibt unbeliebt – gerade auch bei Bevölkerungsgruppen, wie jenen Arbeitern im Mittleren Westen, mit denen auch Romney seine Schwierigkeiten hat. Seine Wiederwahl hat Obama noch lange nicht in der Tasche. Die amerikanischen Wahlen werden uns also noch das ganze Jahr lang in Atem halten – nur ist es jetzt an der Zeit, das Vorspiel zu vergessen, und uns auf das eigentliche Drama zu konzentrieren.

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