Obamas Sieg

von Yascha Mounk4.01.2012Außenpolitik, Innenpolitik, Medien

Der Gewinner der Vorwahlen in Iowa heißt nicht Mitt Romney. Er heißt auch nicht Rick Santorum oder Ron Paul. Er heißt Barack Obama.

Vor genau vier Jahren gewann Barack Obama sensationell die demokratischen Vorwahlen in Iowa und ebnete sich damit den Weg in Richtung Präsidentschaft. Bei den gestrigen republikanischen Vorwahlen stand Obama zwar nicht zur Wahl – doch auch in diesem Jahr könnten Obama die seltsamen Wahlen irgendwo im nirgendwo den Weg zum Wahlsieg erleichtern. Denn eines – und nur eines – ist nach diesem Dienstag klar: Es wird noch sehr lange dauern, bis der Präsidentschaftskandidat der Republikaner endlich feststeht. Und das ist für Obama ein verspätetes Weihnachtsgeschenk.

Kein klarer Sieger in Iowa

Rick Santorum und Mitt Romney lagen beide mit 26 Prozent der Stimmen so nahe beieinander, dass es kaum wichtig ist, welcher von beiden im Endeffekt ein paar Stimmchen mehr auf sich vereinigen konnte. Aber auch Ron Paul lag mit 23 Prozent nur ganz knapp dahinter. Keiner der drei Kandidaten geht also aus Iowa als klarer Sieger hervor – was umso interessanter ist, da Santorum, Romney und Paul auf beinahe perfekte Weise die drei Fraktionen der heutigen Republikaner verkörpern. Und diese könnten unterschiedlicher kaum sein. Mitt Romney ist der einzige verbliebene Repräsentant des wirtschaftsnahen Flügels der Partei: Persönlich mag der Mormone tief religiös sein – aber politisch ist der ehemalige Unternehmensberater, der als Gouverneur des linken Bundesstaates Massachusetts recht unideologisch regierte, ein gemäßigter Vertreter von Big Business und Wall Street. Rick Santorum – der in seiner Rolle Newt Gingrich, Rick Perry und Michele Bachmann beerbt – ist der neueste Vertreter der Wertekonservativen, die sich vor allem gegen Abtreibung und die Schwulenehe engagieren. Ron Paul dagegen ist ein sogenannter Libertarian. Er will die Rolle des Staates radikal zusammenschrumpfen. Aber da er damit nicht nur eine Kürzung der Sozialausgaben, sondern auch eine Liberalisierung der Drogengesetze und eine isolationistische Außenpolitik meint, ist er für viele Republikaner schlicht unwählbar. Romney, Santorum und Paul sind also nicht nur ähnlich beliebt – jeder von ihnen repräsentiert außerdem eine grundeigene Wählerschicht, die sich nur sehr, sehr schweren Herzens für einen der beiden anderen Kandidaten umentscheiden würde. Gerade deshalb ist es so unwahrscheinlich, dass sich aus der Troika bald ein echter Spitzenreiter herauslösen wird.

Kein Spitzenreiter bis Anfang März

Die zweiten Vorwahlen finden nächste Woche in New Hampshire statt. Da der kleine Staat in New England eher wirtschaftsliberal als wertekonservativ ist – und Romney in dieser Region außerdem Wurzeln hat – wird er dort klar gewinnen. Paul dagegen könnte, falls er die zweitmeisten Stimmen auf sich vereint, die Ernsthaftigkeit seiner Ambitionen untermauern. Die dritten und vierten Vorwahlen allerdings finden in South Carolina und Florida statt. Beide Staaten sind viel religiöser als New Hampshire. Dort wird deshalb höchstwahrscheinlich ein tief konservativer Kandidat gewinnen – wahrscheinlich Santorum, vielleicht auch Newt Gingrich. Die Wahlergebnisse der nächsten Monate werden also sehr unterschiedlich ausfallen. Und deshalb wird sich bis zum 6. März, dem Tag, an dem republikanische Vorwahlen in zehn Bundesstaaten stattfinden, auch kein echter Spitzenreiter herausbilden. Die gestrige Schlacht war also nur das erste Aufeinandertreffen in einem langen, blutigen Krieg.

Iowa ist Obama treu geblieben

Dieser Krieg ist vor allem für Mitt Romney schlecht. Ganz am Ende des Gemetzels wird der Präsidentschaftskandidat der Republikaner wohl doch Romney heißen. Mindestens bis zum März – und möglicherweise bis April oder gar Anfang Juni – wird sich Romney hauptsächlich mit seinen republikanischen Konkurrenten beschäftigen müssen. Die Millionen Dollar, die die republikanischen Kandidaten für Fernsehspots in der Tasche haben, werden sie deshalb noch lange nicht gegen den Präsidenten richten – sondern gegeneinander. Obama, der sich ohnehin schon seit zwei Jahren als sehr moderater Politiker präsentiert, wird weiter Richtung politisches Zentrum marschieren. Romney, der einzige Republikaner, der im November eine gute Chance gegen Obama hätte, muss sich dagegen noch monatelang bei den konservativsten und religiösesten Amerikanern anbiedern – und dabei Zitate abliefern, die ihm bei durchschnittlichen Amerikanern extrem schaden werden. Obama hat seit seinem strahlenden Wahlsieg im eiskalten Iowa vor vier Jahren viel an Glanzkraft verloren. Wenn die Dinge in diesem Jahr schlecht für ihn laufen sollten, hätte er wohl kaum Chancen auf eine Wiederwahl. Aber bis jetzt zumindest hätten die republikanischen Vorwahlen für ihn wohl kaum besser laufen können. Iowa ist ihm auch im Jahre 2012 treu geblieben.

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