Der Verlierer ist Europa. Gustav Horn

Deutschland braucht Privatschulen

Private Schulen darauf zu reduzieren, dass sie für sozialökonomische Ungleichheit stehen, ist falsch. Denn sie bereichern nicht nur das Bildungsangebot, sondern sind auch ein sicheres Indiz für eine funktionierende Demokratie.

Diktaturen verhindern Schulen in freier Trägerschaft um jeden Preis, für Demokratien sind diese unabdingbar. Privatschulen sind das Resultat eines bildungspluralistischen Anspruches, der Demokratien gegenüber Diktaturen auszeichnet. Sie sind verfassungsimmanent und als Grundrecht im Artikel 7 GG festgeschrieben:

„Das Recht zur Errichtung von privaten Schulen wird gewährleistet. Private Schulen als Ersatz für öffentliche Schulen bedürfen der Genehmigung des Staates und unterstehen den Landesgesetzen.“

Unbefriedigendes Angebot an staatlichen Schulen

Die freiheitlich-demokratische Grundordnung unserer Verfassung verbietet damit ein Bildungs- oder Erziehungsmonopol des Staates. Dennoch bedarf der Betrieb privater Schulen klarer Regelungen für deren Aufbau und Betrieb sowie deren demokratisch-staatlicher Kontrolle. Selbstverständlich müssen zentrale Elemente unserer Verfassung wie Menschenrechte, Rechtsstaatlichkeit, Grundrechte und Pluralismus gelehrt werden, ebenso die Gleichberechtigung von Mann und Frau.

Vordergründige Motivation für die Entscheidung zu einer Schule in freier Trägerschaft scheint ein unbefriedigendes Angebot an staatlichen Schulen zu sein. Eltern erwarten von Privatschulen mehr individuelle Förderung ihrer Kinder, kleine Klassen und motivierte Lehrer statt ständiger Reformen und oftmals als „chaotisch“ wahrgenommene Zustände an öffentlichen Schulen.

Mit ihren individuellen pädagogischen Konzepten und Alternativen, insbesondere im sonderpädagogischen Bereich, entsprechen sie offenbar mehr den Ansprüchen an eine heterogene Schülerschaft. Ihr hohes Innovationspotenzial, ihre Möglichkeit, flexibler auf veränderte gesellschaftliche Rahmenbedingungen und die Bedürfnisse der Erziehungsberechtigten einzugehen, ist durchaus eine Bereicherung unserer Schullandschaft.

Muss die Politik weitergehend regulierend eingreifen, damit „die Gesellschaft nicht auseinanderdriftet“?

Die bloße Existenz von Privatschulen stellt keinen konstitutiven Grund für sozioökonomische Disparitäten dar. Ausgleichende Entgeltstrukturen bis hin zur völligen Schulgeldbefreiung und/oder Stipendien widersprechen der These, welche die finanziellen Mittel der Eltern als entscheidend einstuft. Art.7 GG fordert diese Öffnung ausdrücklich. „Die Genehmigung ist zu erteilen, wenn … eine Sonderung der Schüler nach den Besitzverhältnissen der Eltern nicht gefördert wird.“

Wettbewerb um die bessere Schulform

Ein in der Wahrnehmung der Eltern unterstellter grundsätzlicher Qualitätsvorteil von Privatschulen gegenüber öffentlichen Schulen darf zudem infrage gestellt werden. Der niedersächsische Rechnungshof monierte in seinem aktuellen Jahresbericht u.a. eine Vielzahl „unqualifizierter Lehrkräfte“ an Privatschulen. Auch was die Erfolgsquote von Schülerinnen und Schülern in Bezug auf den Bildungsabschluss angeht, liegen öffentliche Schulen und Privatschulen offenbar nahezu gleichauf.

Die Ursachen für Leistungsdifferenzen zwischen Schülerinnen und Schülern unterschiedlicher sozioökonomischer Herkunft erweisen sich zudem weitaus vielschichtiger als in der These unterstellt. Andere Faktoren, wie z.B. der Bildungsgrad der Eltern, liefern bessere Erklärungsmodelle.

Zahlreiche Untersuchungen belegen, dass bei hohem Bildungsgrad der Eltern ein Gymnasialbesuch und -abschluss wahrscheinlicher ist als bei einem niedrigen Status (62 Prozent zu 15 Prozent). Kindern aus diesen Haushalten wird auch an öffentlichen Schulen eine höhere Motivation und Leistungsbereitschaft, Ehrgeiz, Fleiß, Selbstständigkeit und Kreativität zugeschrieben. Des Weiteren werden bereits beim Übergang in die Schule manifeste sprachliche Kompetenzunterschiede festgestellt. Diese Faktoren in ihrer Gesamtheit gelten als entscheidend für den Lernerfolg.

Fazit: Unser Grundgesetz verbietet ein Bildungs- oder Erziehungsmonopol des Staates. Als verfassungsmäßig garantiertes Grundrecht sind Schulen in freier Trägerschaft wesentlicher Bestandteil unseres bildungspluralistischen Schulsystems und damit essenziell für unsere Demokratie.

Staatliche Schulen sollten sich auch in Zukunft dem Wettbewerb um die bessere Schule stellen müssen. Die Abschaffung privater Schulen ist keine ausreichende Maßnahme, um soziale Disparitäten einzudämmen, vielmehr bedarf es dazu ganzheitlicher Lösungsansätze.

Lesen Sie weitere Meinungen aus dieser Debatte von: Manfred Weiß, Petra Witt, Ernst Dieter Rossmann.

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