Grüne Spender: Vermögen aus Bitcoin- und Pharmawelt | The European

Baerbocks Gönner: Diese vier Deutschen spendeten 1,67 Millionen an die Grünen

Wolfram Weimer21.07.2021Medien, Politik

Die Grünen bekommen plötzlich großzügige Spenden. Aber wer sind die politisch aktiven Spender? Die Antwort könne der Partei im Wahlkampf noch schaden. Medien-Unternehmer Georg Kofler gibt derweil eine Riesensumme an die FDP. Von Wolfram Weimer.

17.02.2020, Berlin: Annalena Baerbock, Bundesvorsitzende von Bündnis 90/Die Grünen, und Robert Habeck, Bundesvorsitzender von Bündnis 90/Die Grünen, nehmen in der Parteizentrale an der Bundesvorstandssitzung ihrer Partei teil. Foto: Kay Nietfeld/dpa | Verwendung weltweit

Im Super-Wahljahr erhalten die Grünen so viel Geld wie noch nie. Es kommt von vier reichen Groß-Spendern. Sie haben in den vergangenen Wochen insgesamt 1,67 Millionen Euro an die Grünen überwiesen. So steht es im Spenden-Verzeichnis, das der Deutsche Bundestag im Internet veröffentlicht.

Namentlich kommt das Geld von Jürgen Reckin aus Penzlin, Frank Hansen aus Schwäbisch-Hall, Antonis Schwarz aus Berlin und Moritz Schmidt aus Greifswald.

Hinter den recht unbekannte Namen steckt politischer Sprengstoff. Denn die Spender haben ihr Geld aus Geschäfts-Feldern, die die Grünen normalerweise ablehnen und bekämpfen.

Baerbock: Millionen-Spende für die Grünen – aus Bitcoin-Spekulationen

So hat Moritz Schmidt 1 Million Euro an die Grünen überwiesen. Das ist die größte Einzel-Spende in der Geschichte der Partei. Das ist schön für die Grünen.

Woher das Geld kommt, ist aus ihrer Sicht weniger schön: Die Summe stammt komplett aus Bitcoin-Spekulationen. Dies haben die Partei und der Spender bestätigt.

Solche Finanz-Spekulationen verurteilen die Grünen grundsätzlich. Ebenso kritisieren sie das Bitcoin-System. Der Grund: Die Spekulation mit Bitcoins wird durch einen enormen klimaschädlichen Energie-Verbrauch ermöglicht.

Dass die Grünen nun 1 Million Euro aus dieser moralisch fragwürdigen Quelle annehmen, ist ein politisches Risiko.

Die Grünen erklärten, der Spender sehe das Bitcoin-System inzwischen selber kritisch.

Die Linken-Politikerin Wenke Brüdgam wittert  einen Skandal und erklärt: „Wir betrachten den aktuellen Vorgang um die Bitcoin-Spende an die Grünen als moralische Geldwäsche, die einem Ablasshandel gleichkommt.“

Grüne Spender aus der Bitcoin-, Plastik- und Pharmawelt

Auch der zweitgrößte Spender hat sein Geld aus einer Gegenwelt der Grünen. Antonis Schwarz ist Erbe des Pharma-Konzerns Schwarz und hat der Partei 500.000 Euro gespendet.

Dabei war die Arzneimittel-Industrie jahrelang ein Feindbild grüner Politik. Die frühere grüne Gesundheits-Ministerin Andrea Fischer beschrieb es so: „Gegenüber der Pharma-Industrie gibt es bei den Grünen eine geradezu irrationale Lust zu behaupten, dass sie böse Dinge tut.“

Legendär ist eine Entscheidung von Joschka Fischer in seiner Zeit als grüner Umwelt-Minister in Hessen. Damals verbot Fischer dem Pharma-Konzern Hoechst, mithilfe von Gen-Technik Insulin herzustellen. Die Anlagen zur Herstellung waren schon genehmigt.

Auch das Geld vom drittgrößten Grünen-Spender Frank Hansen stammt aus Quellen, gegen die die Grünen eigentlich schwer kämpfen. Hansen ist Erbe eines Konzerns für Kunststoff-Verpackungen. Hansen hat im Februar und Mai je 60.000 Euro an die Grünen überwiesen.

CDU-Politiker spricht von „Grüner Doppelmoral“

Über Geld musste sich Frank Hansen nie Gedanken machen. Sein Vater hatte den Betrieb für Kunststoff-Folien aufgebaut. Der Sohn nutzt das Erbe, die Welt links-ökologisch zu „verbessern“ und gegen Plastik zu kämpfen.

Hansen engagiert sich in der „Bewegungsstiftung“. Dort werden Millionen mobilisiert. Damit gefördert werden gesellschaftskritische und ökologische Projekte der Globalisierungs-Gegner.

Der vierte Spender, Jürgen Reckin, hält sich verborgen. Er soll wohl Unternehmer im Pharma-Handel und bei Gefahrgut-Transporten mit radioaktivem Material gewesen sein. Das lässt sich durch Handelsregister-Auszüge zurückverfolgen. Auch das wäre heikel.

Die Spenden-Welle für den Wahlkampf hilft den Grünen finanziell, sie ist aber politisch schwierig. Bitcoin-Spekulations-Geld, Pharma-Geld, Kunststoff-Geld, Erben-Geld: Die Grünen dürften in Erklärungs-Not geraten.

Denn nicht nur die Linken wittern einen Skandal. Auch aus der Union kommt Kritik: CDU-Mann Stefan Berger spricht von „grüner Doppelmoral“. Er ist Mitglied im Europa-Parlament und Experte für Krypto-Währungen.

Berger fordert die Grünen auf, besonders die Bitcoin-Spende abzulehnen: „Die Bitcoin-Spende zu akzeptieren, hieße Wasser zu predigen und Wein zu trinken. Vorher wollten die Grünen den Bitcoin regulieren, nun reguliert der Bitcoin die Grünen.“

Georg Kofler will grünen Sozialismus verhindern

Aufsehen erregt auch eine Großspende für die FDP: 750.000 Euro hat Georg Kofler der Partei gespendet. Kofler ist Ex-Chef des Fernseh-Senders ProSieben. Außerdem kennen ihn Millionen Menschen aus der TV-Sendung „Die Höhle der Löwen“.

Kofler begründet seine hohe Spende damit, „dass Unternehmer, Gründer und aufstiegsorientierte Menschen in Deutschland von der FDP am besten repräsentiert werden”.

Es wolle außerdem eine Regierungs-Beteiligung der Grünen verhindern. In deren Wahl-Programm finde sich „ein antiquierter planwirtschaftlicher Sozialismus”.

Laut Kofler war ein Auslöser für seine Spende an die FDP die Bitcoin-Spende an die Grünen. Wütend mache ihn, dass die Grünen die hohe Spende überhaupt angekommen hätten.

Auch der Immobilien-Entwickler Ludger Inholte aus Hamburg spendete 50.000 Euro an die FDP.

CDU-Spender machen jetzt auch mobil

Andere Unternehmer spenden für die CDU: Tobias Hagemeyer zum Beispiel hat der Partei im Mai 100.000 Euro überwiesen. Die Familie Hagemeyer hat ihre Autozuliefer-Firma verkauft und investiert seither in Start-ups.

Weitere Spender sind die Unternehmer Thomas Toporowicz, Barbara Braun-Lüdicke, Arend Oetker und Patrick Adenauer. Auch sie haben der Union jeweils 100.000 Euro gespendet. Der Internet-Unternehmer Stephan Schambach aus Berlin überwies der CDU sogar 200.000 Euro.

Deutsche Spenden sind Peanuts im Vergleich zu den USA

Die Spenden-Summen sind hierzulande aber lächerlich klein im Vergleich zu den USA.

Im Jahr 2020 haben Unternehmen, Verbände und Einzelpersonen in Deutschland insgesamt 1,69 Millionen Euro für Großspenden an Parteien ausgegeben.

Die Gesamtkosten für den amerikanischen Präsidentschaftswahl-Zyklus 2020 betrug knapp 14 Milliarden US-Dollar. In keinem anderen Land der Welt sind die Wahlkampf-Kosten so immens hoch.

USA: Deutsche Unternehmen spendeten mehrheitlich für Trump

Auch deutsche Firmen unterstützen im US-Wahlkampf Kandidaten über sogenannte „Political Action Committees“ (PAC). Im Durchschnitt aller 17 deutschstämmigen PACs gingen 59 Prozent der Spenden an die Republikaner.

Seit Jahren gehen die Spenden großer Unternehmen an deutsche Parteien massiv zurück. Nun übernehmen engagierte Mittelständler und Erben diese Rolle.

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