Erdgasspeicher Rehden | The European

Wende beim Gazprom-Riesenspeicher

Wolfram Weimer8.06.2022Medien, Politik, Wirtschaft

Deutschlands größter Gasspeicher wird endlich wieder gefüllt. Nach dem Coup des Bundeswirtschaftsministeriums fließt russisches Gas jetzt in großen Mengen nach Rehden in Niedersachsen. Deutschlands Gasreserve steigt deutlich an. Von Wolfram Weimer

Natural Gas storage tanks , Oil tank , LPG , Petrochemical plant , Petroleum

Quelle: Shutterstock/ Aunging

Deutschlands größter Gasspeicher wird wieder befüllt. Der zum Gazprom-Konzern gehörende Riesenspeicher im niedersächsischen Rehden war aus politischen Gründen monatelang leer geblieben. Russland wollte damit offenbar politischen Druck auf Deutschland ausüben. Gazproms Deutschland-Tochter Astora ist inzwischen unter Kontrolle der Bundesnetzagentur. Diese bestätigt nun, dass der Speicher in den vergangenen Tagen mit so viel Gas befüllt worden ist wie seit Monaten nicht mehr.

Nach Angaben der europäischen Verbands Gas Infrastructure Europe (GIE) ist Rehden jetzt wieder zu 88,5 Prozent gefüllt.

Der Gasspeicher in Rehden verfügt über eine Kapazität von fast vier Milliarden Kubikmetern Gas. Das entspricht rund einem Fünftel der gesamten Speicherkapazität in Deutschland und dem Jahresverbrauch von rund zwei Millionen Einfamilienhäusern.
Für ganz Deutschland meldet die GIE jetzt einen Gasspeicher-Füllstand von 52,15 Prozent. Kurz nach Ausbruch des Ukraine-Krieges Mitte März lagen die Füllstände auf einem Tiefstand von nur 24,2 Prozent. Die eingelagerte Gasmengen haben sich also in den drei Kriegsmonaten mehr als verdoppelt. Sie sind mittlerweile deutlich höher als im Frühjahr 2015, 2017, 2018 und 2021. Einige Gasspeicher bei Wilhelmshaven wie EDF Gas Deutschland oder Equinor Storage Deutschland melden sogar Füllstände von 99 Prozent. Auch der Eneco-Gasspeicher an der deutsch-niederländischen Grenze ist schon zu 86,4 Prozent gefüllt, der KGE-Speicher im westfälischen Gronau meldet 87 Prozent Füllstand.

Die Wende beim größten Speicher in Rehden wird in der Energiebranche mit großer Erleichterung aufgenommen.

Der Speicher in Rehden war vor Kriegsausbruch schon ungewöhnlich leer gewesen. Gazprom hatte offenbar ihre Speicher seit Sommer 2021 kaum füllen lassen. Viele Experten vermuteten dahinter ein politisches Druckmittel der russischen Regierung. “Dass die seit dem vergangenen Sommer nicht mehr befüllt haben, ist natürlich eine Katastrophe und eindeutig strategische Kriegstreiberei”, sagte Michael Sterner, Leiter der Forschungsstelle Energienetze und Energiespeicher an der Ostbayerischen Technischen Hochschule Regensburg. Und auch Peter Markewitz, Wissenschaftler am Institut für Energie- und Klimaforschung des Forschungszentrums Jülich, sagt, ein marktwirtschaftlicher Grund für dieses Verhalten sei nicht ersichtlich. “Schließlich haben sich die anderen Speicherbetreiber auch alle anders verhalten”, so Markewitz. “Insofern liegt der Verdacht nahe, dass das interessengesteuert war.” Inzwischen hat die Bundesnetzagentur als Treuhänderin vorübergehend die Geschäfte der Gazprom Germania übernommen.

In der vergangenen Woche sorgte Bundeswirtschaftsminister Robert Habeck für einen Paukenschlag. Er entriss den Speicher per Verordnung dem russischen Zugriff.

Der Ministercoup heißt im beamtendeutsch „Verordnung zur Zurverfügungstellung unterbrechbarer Speicherkapazitäten zur Sicherstellung der Versorgungssicherheit“, auch „Gasspeicherbefüllungsverordnung“ genannt. Durch die Ministerverordnung, die am Mittwoch vergangen Woche im Bundesanzeiger veröffentlicht wurde und am Donnerstag in Kraft trat, wird der Gasmarktverantwortliche, die in Ratingen ansässige Firma „Trading Hub Europe“ (THE), in die Lage versetzt, die Speicherkapazitäten zu befüllen. Die Speicherrechte des Gazprom-Mutterkonzerns Gazprom Germania seien zuvor gekündigt worden, hieß es. „Da die Speicherstände von Deutschlands größtem Gasspeicher in Rehden seit Monaten auf historischem Tief liegen, ist es notwendig, hier schnell zu handeln“, verkündete Habeck via Pressemitteilung. Der Wirtschaftsminister will damit die vollständige Kontrolle über den Erdgasspeicher wiedergewinnen. Das scheint zu gelingen, der Speicher füllt sich.

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