Donald Trump stürzt ab | The European

Dieser Mann könnte nächster US-Präsident werden

Wolfram Weimer28.07.2022Medien, Politik

Floridas Gouverneur Ron DeSantis wächst zum Favoriten für die US-Präsidentschaft 2024 heran. Er ist der neue Liebling der Republikaner: Jung, kämpferisch konservativ, schlagfertig, machtbewusst. Viele sehen in ihm die kultivierte Variante von Donald Trump. Aus dem einstigen Günstling könnte ein politischer Vatermörder werden. Von Wolfram Weimer

Tampa, Florida – July 31, 2018: Representative Ron DeSantis addresses a crowd while President Donald Trump watches at a rally in Tampa, Florida, on July 31, 2018.

Quelle: Shutterstock

Donald Trump erlebt einen desaströsen Sommer. Seine Hoffnung auf ein Comeback als US-Präsident 2024 schwindet rapide. Die Umfragewerte fallen, weil der Untersuchungsausschuss zum Sturm auf das US-Kapitol wöchentlich neue Beweise zutage fördert, die Trump als einen Möchtegern-Putschisten schwer belasten. Ein republikanischer Politiker nach dem anderen distanziert sich, konservative Spender wie Journalisten ebenso, und selbst die New York Post sowie das Wall Street Journal – beide Zeitung sind im Besitz von Rupert Murdoch und haben Trump lange unterstützt – schimpfen Trump nun endlich als „unwürdig“, erneut Präsident zu werden. Der Ausschussvorsitzende Bennie Thompson fasst die Schuld von Trump so zusammen:

„Es kann kein Zweifel daran bestehen, dass er einem Mob befahl – einem Mob, von dem er wusste, dass er schwer bewaffnet, gewalttätig und wütend war – zum Kapitol zu marschieren und zu versuchen, die friedliche Machtübergabe zu verhindern“. Und weiter. “Er hat gelogen. Er schikanierte. Er verriet seinen Eid. Er hat versucht, unsere demokratischen Institutionen zu zerstören.“

Doch die sinkenden Comeback-Chancen für Trump haben noch einen weiteren Grund: es gibt für Konservative plötzlich eine personelle Alternative. Der Gouverneur von Florida, Ron(ald) DeSantis wächst Monat für Monat sichtbarer zum neuen Liebling der Republikaner heran. Genauso wortmächtig wie Trump, genauso rechtskantig wie Trump, genauso machtbewußt und furchtlos wie Trump – nur viel jünger und professioneller. DeSantis sei – so ist zu lesen – „Wie Trump, nur mit Intelligenz“, „Wie Trump, nur mit Charakter“, “Wie Trump, nur seriös“. Selbst der liberale „New Yorker“ urteilt: „Während Trump mit seiner faulen, zirkushaften Persönlichkeit einen grundlegenden Mangel an Ernsthaftigkeit vermittelt, verfügt DeSantis über eine hohe Arbeitsmoral, eine beeindruckende Intelligenz und ein umfassendes Verständnis der Politik. Er ist wortgewandt, schnell auf den Beinen – ein Trump mit Hirn.“

Die New York Post gibt dazu die Parole aus: Ronald statt Donald.

Der rechtspopulistische Ruf von DeSantis rührt vor allem aus seiner Pandemiepolitik. Der Gouverneur wehrte sich lautstark gegen staatliche Kontakt-Verbote wie Lockdowns. Er stilisierte sich zum Freiheits-Kämpfer gegen Masken und prangerte im Tagestakt vermeintliche Schandtaten an, die eine linke Verbots- und Bevormundungspolitik hervorbringe. Als er sich dann auch noch lautstark gegen die Wokeness- und Gendermoden in Position brachte und jeden Kulturkampf lustvoll annahm, wurde er vollends zum Volkshelden der rechten Massen.

Der Chefredakteur der Zeitschrift „National Review“, Rich Lowry, schreibt in einem Gastbeitrag für die „New York Times“, dass DeSantis „die neue republikanische Partei verkörpert“.

DeSantis ist erst 43 Jahre jung, seine Familie ist italienischer Abstammung, katholisch, ein Aufsteiger, der sich eine Bilderbuchkarriere erarbeitet hat: Abschlüsse in Yale (Grundstudium) und Harvard (Jura), Kapitän der Yale-Baseball-Mannschaft, Karriere als Navy-Anwalt, Militäreinsatz im Irak, mehrere Orden, so den „Bronze Star“, verheiratet mit einer bekannten TV-Journalistin und dreifacher Familienvater.
Der Star-TV-Moderator kommt Pies Morgan kommt zu folgendem Urteil: “Ich denke, dass DeSantis den angeschlagenen Joe Biden – oder jeden anderen Demokraten – politisch vernichten und Präsident werden würde. Es gibt nur eine Hürde. Er muss zunächst Donald Trump vernichten.”

Tatsächlich ist es inzwischen so, dass je tiefer die Umfragewerte für Trump fallen, sie desto höher für DeSantis steigen. DeSantis schlägt Trump inzwischen sogar bei dessen Domäne Spendensammeln – verblüffende 100 Millionen Dollar hat DeSantis für sich eingeworben. Und das just in dem Bundesstaat, wo Trump bislang von seinem Golfclub-Anwesen Mar-a-Lago aus reiche Gönner mobilisieren konnte. Anders als Trump hatte DeSantis keine reichen Eltern, er ist kein Immobilientycoon, nicht mal der SmallTalk-Typ. Ex-Klassenkameraden beschreiben ihn als hartnäckigen, ehrgeizigen Einzelgänger, „das Gegenteil eines sozialen Schmetterlings“. Er sei extrem konzentriert und zielstrebig. Nun lautet sein Ziel, „Ronald statt Donald „zum Programm werden zulassen. Auf einer Wahlkampfveranstaltung in Florida rief er kürzlich der Menge zu: “In Zeiten wie diesen gibt es keinen Ersatz für Mut. Wir brauchen Menschen im ganzen Land, die bereit sind, die volle Waffenrüstung Gottes anzulegen.” Als die Menge in Jubel ausbrach, gelobte er: “Der Kampf hat gerade erst begonnen.“ Trump, der ihn einst gefördert hatte, wird sich auf einen politischen Vatermord einstellen müssen.

Dieser Artikel erscheint zuerst auf n-tv.de

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