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Markus Blume - neuer Typus Generalsekretär

Die CSU hat einen neuen Generalsekretär, der anders ist. Ein feinsinniger Eiskunstläufer, intellektuell und liberal, ein wirtschaftspolitischer Vordenker. Nun muss ausgerechnet er groben Wahlkampf gegen die AfD führen.

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Markus Blume ist in der Arena der CSU-Größen so etwas wie ein geschmeidiger Eiskunstläufer unter gewichtigen Sumo-Ringern. Ein Intellektueller, feinsinnig und nachdenklich, liberal, großstädtisch und verbindlich. Mehr Versöhner als Spalter. Da passt es, dass er am 14. Februar 1975 zur Welt kam – dem Valentinstag. Bayern Ministerpräsident Markus Söder meint, Blume könne auch Uno-Friedensmissionen leiten, denn der ausgleichende Münchner habe selbst die verfeindeten CSU-Lager um Seehofer und Söder versöhnt – ein wenig zumindest.

Blume galt in seiner Jugend tatsächlich als einer der talentiertesten Eiskunstläufer in Deutschland, wurde bayerischer Landesmeister und nahm im Paartanz mit seiner Schwester Sandra 1994 im Jahr seines Abiturs an den Juniorenweltmeisterschaften in den USA teil. Heute ist er der 18. Generalsekretär in der Geschichte der CSU, tanzt zuweilen auf dünnem Eis des Politischen und muss einen derben, harten Landtagswahlkampf gegen die aufkommende AfD führen. Die Rechtspopulisten haben Chancen, am 14. Oktober zur zweitstärksten Kraft in Bayern aufzusteigen und der CSU die absolute Mehrheit zu vereiteln. Das soll General Blume verhindern und mancher unkt bereits, da werde der freundliche Eiskunstläufer einbrechen, wenn er nicht hotzplotziger Draufhauen lerne.

Doch Blume bleibt sich treu und sagt: “Attacke ist nicht eine Frage der Lautstärke, sondern von Überzeugung und klarer Argumentation.” Wo Amtsvorgänger Andreas Scheuer in der CSU-Zentrale gewittriges Testosteron verströmte, lässt Blume die Fenster für gedankliche Freiheit öffnen. Blume sagt Sätze wie: “Bayern ist bunter als blau-weiß.” Er will den “Diskursraum verbreitern” und Menschen aus den “Meinungshöhlen im Internet” mit echten Gesprächsangeboten herausholen. In der Kruzifix-Debatte schreibt er persönlich die klugen Essays in FAZ und “Tagespost”, er ist nicht der Mann für Grobe, sondern fürs Grundsätzliche. Er verweist im Kulturkampf auf den Philosophen Karl Popper und dessen Werk “Die offene Gesellschaft und ihre Feinde”. Kurzum: Blume ist der intellektuellste Generalsekretär Deutschlands seit Heiner Geißler und Kurt Biedenkopf.

Das geistige Talent ermöglichte seine Karriere überhaupt, er war junger Chef der CSU-Grundsatzkommission, ein belesener Vordenker, dem Horst Seehofer die Aufgabe übertrug, das neue CSU-Grundsatzprogramm auszuarbeiten. Seehofer war hernach so entzückt, dass er es als eine “Sternstunde”, ein “Meisterwerk” hochlobte und Blume beförderte.

Blume nannte das Programm clever “Die Ordnung”, als ginge es um ein Jahrhundertmanifest. Er kennt die Wirkmacht von Begriffen und “Ordnung” ist einer, der im Comeback der konservativen Sehnsüchte plötzlich wieder gefragt wird. Und so schafft er täglich Ordnung in der wilden Gedankenwelt der Neo-Konservativen. Er schreibt in Intellektuellenorganen wie “Cicero” und “European” und führt Debatten so lustvoll, als sei Oberbayern das neue Berlin.

Verblüffenderweise loben Seehofer und Söder Blume fast wortgleich als einen der “kreativsten Köpfe der Partei”, als “starken Analytiker” und “brillanten Strategen”. Und so fragen sich viele in München, was aus dem Kurt Biedenkopf der CSU einmal werden könnte. Die Antwort wird Markus Söder geben. Der hätte ihn schon jetzt gerne in sein Kabinett berufen, braucht ihn aber für den Wahlkampf in der Parteizentrale noch. Doch nach dem 14. Oktober spricht einiges dafür, dass Blume neuer und mächtiger Wirtschaftsminister Bayerns wird: Amtsnachnachfolger von Ludwig Erhard in diesem Amt – denn von Ordnung und Ordnungspolitik versteht er jede Menge.

Quelle: n-tv.de

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