Bad ZDF attackiert Bad Banks, so bad!

von Wolfram Weimer6.03.2018Außenpolitik, Gesellschaft & Kultur, Medien, Wirtschaft

Das ZDF wagt sich mit „Bad Banks“ in die Gefilde von Netflix&Co – und scheitert. Die Serie trieft vor ideologischem Furor und wirkt wie politisches Agitationsfernsehen aus dem Kalten Krieg. Die Quoten sind schlecht – doch das ZDF will Millionen in die nächste Staffel stecken.

Eigentlich war es eine gute Idee. Die gute, alte Tante ZDF wollte auch mal so weit vorne sein wie Netflix und produziert eine coole Serie nach dem Vorbild von „House of cards“.

Eigentlich hat man mit jeder Menge Gebührengeld (der Spiegel berichtet von acht Millionen Euro) und einer Profi-Filmemachertruppe um den Grimme-Preisträger Christian Schwochow auch den richtigen Zugang. Und eigentlich ist auch die Besetzung der Staffel mit eleganten Stars wie Désirée Nosbusch und einer großartigen Jungheldin Jana Liekam perfekt.

Eigentlich hat das ZDF auch die Werbetrommel laut genug geschlagen, peinlich laut geradezu, überall wurde geteasert und getrailert und gelobt und die PR-Maschine angeworfen. Selbst Claus Kleber warf sich so herzzerreissend ins Zeug und machte im „Heute Journal“ Werbung als ginge es um den heiligen Gral des Fernsehens, mindestens aber um seinen Lieblingspudding.

Doch eigentlich ist eben nur eigentlich. Die handwerklich gut gemachte Staffel scheitert grandios. Sie scheitert an ihrem ideologischen Furor. Die Welt der Banken wird derart grotesk als eine Hölle der koksenden, geldgeilen Egomanen-Verbrecher dargestellt, dass es kindisch wird. Die Macher von „Bad Banks“ werden damit Opfer ihrer eigenen Absichten. Sie wollen aufklären, entlarven, brandmarken und gleiten in pures Agitationsfernsehen ab. Man fühlt sich mental in die Welt der Siebziger und ihren weltanschaulichen Klischees entführt. Und so wirkt „Bad Banks“ bevormundend, zeigefingerig und wie von von der Sehnsucht linker Revolutionsträume getrieben – die bösen Banken werden die Gesellschaft ins Chaos stürzen und eine Revolution herauf beschwören, endlich! Der schwarze Kanal Ostberlins hätte sich das alles kaum plumper ausdenken können. Der Zuschauer spürt die Absicht und ist verstimmt.

Und so fallen die Quoten für das hochgepushte Klassenkampfspektakel auch bitter enttäuschend aus. Dabei wurde Bad Banks doch direkt nach einem Quotenbringer angesetzt, damit man vom Krimi „Wilsberg“ möglichst viele Zuschauer schon mal mit hinein nimmt. Denn die Krimireihe kratzte an der Marke von acht Millionen Zuschauern, mit 7,98 Millionen Zusehern sicherte sie sich haushoch den Tagessieg beim Gesamtpublikum. Doch dann schalteten die Zuschauer beim grimmigen Agitationfernsehen reihenweise aus. Eine Million nach den anderen. 3,01 Millionen Zuschauer quälten sich noch durch die erste Folge um 21.45 Uhr, 2,42 Millionen waren es bei der zweiten direkt im Anschluss. Minutenweise wurde abgeschaltet, es war eine Abstimmung mit der Fernbedienung. Die Marktanteile bei allen lagen schließlich bei klar unterdurchschnittlichen 10,4 Prozent.

Das Publikum hat ein feines Gespür dafür, ob Filme fein unterhalten oder plump erziehen wollen. Der volkspädagogische Impetus hat bislang den Zuschauern selten gefallen. Vor allem, wenn derart brutal, billig und sachlich falsch mit Vorurteilen, Hass und Ressentiments gearbeitet wird. Man bekommt den Eindruck, Frankfurt sei ein Hort von Psychopaten und in jeder Sparkasse lauert der Kredithai. Damit reiht sich Bad Banks in ein sehr lange und sehr unselige Tradition des aggressiven Ressentiments gegen Banken, Geldgeschäfte und Juden ein, die Sündenböcke sucht anstatt die Wahrheit. Die grausamen Ideologien des 20. Jahrhunderts, die Nationalsozialisten (Goebbels: „Das raffende Kapital ist böse….wir müssen die tyrannischen Geldgewalt der Börse und die Zinsknechtschaft brechen“) und die Kommunisten (Karl Marx: „Das Kapital ist verstorbne Arbeit, die sich nur vampirmäßig belebt durch Einsaugung lebendiger Arbeit und um so mehr lebt, je mehr sie davon einsaugt.“) haben auf diesem Ressentiment ihre politische Agitation erbaut. Dass ausgerechnet das ZDF diese unselige Traditionslinie mit „Bad Banks“ ins 21. Jahrhundert trägt, ist traurig. Doch was macht das ZDF anstatt das Experiment nun schlecht sein zu lassen? Es beauftragt eine zweite Staffel.

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