Julia Klöckner - CDU-Generalsekretärin oder Ministerin?

von Wolfram Weimer30.11.2017Innenpolitik

Das politische Berlin bereitet sich auf das große Stühlerücken einer neuen Regierung vor. An einem Namen kommt man nicht mehr vorbei. Julia Klöckner steht vor einer großen Beförderung.

Die Große Koalition naht in Zeitlupe, doch rasend schnell breiten sich in Berlin neue Personalspekulationen aus. Wird Horst Seehofer Supersozial- oder Finanzminister? Strebt Martin Schulz nun ins Außenministerium? Holt Merkel ihren Widersacher Jens Spahn ins Kabinett? Oder stiehlt Julia Klöckner dem Dauernörgler die Show?

Die CDU-Vize-Chefin aus Rheinland-Pfalz mutiert in den wirren Tagen der Koalitionsfindung jedenfalls zur gefühlten Regierungssprecherin einer Regierung, die es noch gar nicht gibt. Auf allen TV-Kanälen bringt sie den jeweiligen Stand der politischen Dinge auf einen erträglichen Punkt. Klöckner hatte schon bei den Jamaika-Verhandlungen die Gabe, Verworrenes so freundlich zu besprechen, dass man glaubte, alles habe schon irgendeinen guten Sinn. Sie schafft ein letztes Reservat an Geborgenheit in der neuen Unübersichtlichkeit.

Tauber ablösen oder überholen?

Aus dem Kanzleramt ist zu hören, dass Julia Klöckner zu einer Schlüsselfigur der neuen Legislatur aufsteigen könnte. In der Führungsriege der CDU verkörpert sie derzeit die Mitte der Partei. Sie steht just zwischen den liberalen Merkelianern und den konservativen Merkel-Kritikern. Da sie in der CDU hoch populär ist und stets mit außergewöhnlichen Prozentzahlen gewählt wird, wünschen sich viele in der Union Julia Klöckner als neue CDU-Generalsekretärin.

Sie könne die seit der Migrationskrise gespaltene Union wieder einen, heißt es. Gerade weil die CDU nach zwölf langen Kanzlerinnen-Jahren große Sehnsucht nach einer eigenen, christdemokratischen Seele hat, wünscht man sich Klöckner ins Adenauer-Haus. Dass Klöckner katholisch ist und die Wertkonservativen hinter sich weiß, spielt dabei eine Rolle.

Der bisherige Generalsekretär Peter Tauber hat Merkel selbst in den dunkelsten Tagen der Migrationskrise aufopferungsvoll die Treue gehalten und im schwierigen Superwahljahr 2017 immerhin drei überraschende Landtagswahlsiege organisiert. Merkel dürfte ihn mit einem neuen Amt in der Regierung belohnen, in der Integrations- und Digitalpolitik hat Tauber sich fachliche Meriten erworben. Das Adenauerhaus wäre dann für Klöckner frei.

Je eher, desto Schäuble

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