Gib mir Keuschheit und Enthaltsamkeit, aber nicht sogleich. Augustinus von Hippo

Das Duell endet langweilig unentschieden

Mit großer Spannung hat Deutschland das TV-Duell von Kanzlerin und Herausforderer erwartet worden. Doch die Sendung wurde zur großen Enttäuschung – und kennt keinen Sieger.

SPD-Kanzlerkandidat Martin Schulz und Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) trafen sich zum großen TV-Duell – es wurden 90 Minuten biederer Langeweile. Die beiden Duellanten wagten kein Duell – sie tanzten ein Menuett der großkoalitionär-knorrigen Einigkeit.

Schulz warf Merkel zwar Fehler in der Flüchtlingskrise vor und markierte in der Türkeifrage den starken Mann. Umgekehrt hielt Merkel der SPD vor, bei der Rückführung von illegalen Migranten die deutsche Politik zu blockieren. Es gab ein kurzes taktisch-rhetorisches Mikado-Spielchen beim Thema Maut und bei er Rente mit 70 – das war es. Schon beim Dieselskandal flogen wieder die Wattebäuschchen der Einigkeit durch das Fernsehstudio.

Doch in der Substanz der Politik, in fast allen wesentlichen Sachfragen sind die Meinungsunterschiede der beiden winzig. Zuweilen gewann man den Eindruck, Schulz bewerbe sich nicht um das Kanzleramt sondern um den Posten des Außenminister im neuen Kabinett Merkel.

Bis in die Farbwahl ihres Auftritts – Merkel (hellblauer Blazer, dunkelblaue Hose) und Schulz (blauer Anzug, blauer Schlips) – tauchten die beiden das Gespräch in einen Setting gepflegter Harmlosigkeit. Und so fühlte sich der Abend mehr an wie ein Kamingespräch beim Rotary Club in Baden-Baden. Und jeder, der nach diesem Geplätscher der Berliner Politik einen der beiden zum Sieger erklärt, muss ein Parteibuch haben.
Per saldo kann die Kanzlerin – da sie in den Umfragen so weit vorne liegt – zufrieden sein mit dieser Sendung. Es ist nämlich so, als wäre nichts gewesen. Eine Deutschland-Halskette hätte dieser Sendung vielleicht gut getan.

Lesen Sie auch die neuste Kolumne von Wolfram Weimer: Der Richelieu der CSU

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