Stirb, weil Du Christ bist

von Wolfram Weimer29.03.2016Außenpolitik

Nach dem Massaker an Christen in Pakistan kommt aus der katholischen Kirche ein Hilferuf: der Priester Thomas Uzhunnalil stehe in Jemen vor der Kreuzigung, Nonnen seien bereits umgebracht worden.

Das Oster-Massaker an Christen in Pakistan ist offenbar kein Einzelfall. Nach Berichten mehrerer Nachrichtenagenturen ist es auch in Jemen zu einem gezielten Gruppen-Attentat auf Christen gekommen. Ein Dschihadisten-Kommando hat vor Ostern ein von Nonnen betriebenes Altersheim in der Stadt Aden ĂŒberfallen, 16 Christen – darunter vier Nonnen aus der Kongregation der Mutter-Teresa-Schwestern („Missionarinnen der NĂ€chstenliebe“) – ermordet und den 56-jĂ€hrigen Priester Thomas Uzhunnalil entfĂŒhrt.

Menschen werden gekreuzigt, sterben unter unsÀglichen Qualen am Balken

Nun sollen die EntfĂŒhrer mit der Kreuzigung des katholischen Priesters drohen. Das hat der Wiener Kardinal Christoph Schönborn in seiner Osteransprache alarmiert berichtet. Mehrere christliche Hilfsorganisationen appellieren daher an die Weltöffentlichkeit, sich dafĂŒr einzusetzen, dass der Mord an dem Priester verhindert wird. Kardinal Schönborn erinnert im Blick auf die Kreuzigung Jesu daran, auch heute gebe es wieder solche Hinrichtungen: „Menschen werden gekreuzigt, sterben unter unsĂ€glichen Qualen am Balken.“

Der aus dem indischen Bundesstaat Kerala stammende Salesianer Uzhunnalil ist als einer von zwei katholischen Priestern im Jemen tĂ€tig. Die indische Regierung erklĂ€rt unterdessen, sie bemĂŒhe sich um die Verhinderung der Kreuzigung und um seine Freilassung. Indiens Außenministerin Sushma Swaraj sagte: „Wir unternehmen alle Anstrengungen zu seiner Freilassung.“ Ob der “Islamische Staat” hinter der EntfĂŒhrung des Geistlichen stecke, sei nicht bestĂ€tigt, sagte der Sprecher des Salesianerordens im indischen Bengaluru, Mathew Valarkot der Zeitung “Indian Express”.

Der fĂŒr die Region zustĂ€ndige Bischof Paul Hinder bestĂ€tigt gegenĂŒber der Katholischen Nachrichten-Agentur (KNA), die BemĂŒhungen um die Freilassung des Priesters und Ordensmannes seien vielfĂ€ltig und dauerten an. Der GeneralsekretĂ€r der christlichen Organisation Christian Solidarity International (CSI), Elmar Kuhn, schreibt in einem Brief an den jemenitischen Botschafter in Wien, der Pater werde von den Islamisten gefoltert. Die Islamisten begingen einen “blasphemischen Akt” gegen das Christentum, der auch vom Koran nicht gebilligt werden könne.

Bei dem Massaker konnte sich die Oberin des Hilfswerks retten, indem sie sich vor den Angreifern versteckte, so heißt es in einem Bericht der Ökumenischen Stiftung “Pro Oriente”. Schwester Sally, ebenfalls eine Inderin, soll inzwischen aus Jemen geflohen sein. Nach Agenturberichten erschossen die bewaffneten MĂ€nner zunĂ€chst einen Wachmann, stĂŒrmten dann das GebĂ€ude und töteten dort arbeitende Schwestern, PflegekrĂ€fte, Fahrer und Köche. Die Bluttat habe in Aden “Entsetzen und Trauer” ausgelöst, sagte Bischof Hinder. Die Mutter-Teresa-Schwestern und ihre Arbeit seien hoch geschĂ€tzt worden.

Weltöffentlichkeit nimmt Massaker nicht wahr

Die vier Ordensfrauen, die bei dem Massaker getötet wurden sind von Papst Franziskus als MĂ€rtyrerinnen gewĂŒrdigt, die ihr Blut fĂŒr die Kirche gegeben hĂ€tten. Im Vatikan wird beklagt, dass sich derartige Massaker hĂ€uften, aber von der Weltöffentlichkeit kaum wahrgenommen wĂŒrden; die Ermordeten seien allesamt christliches Pflegepersonal, das einheimische Jemeniten dort betreute. Sie seien nicht nur die Opfer ihrer Angreifer geworden, sondern auch Opfer einer “Globalisierung der GleichgĂŒltigkeit“. Wörtlich erklĂ€rte der Papst: „Ich erweise den ‚Missionarinnen der Barmherzigkeit‘ meine NĂ€he
Ich bete fĂŒr sie und die anderen infolge des Angriffs getöteten Menschen und deren Familienangehörige. Sie sind die MĂ€rtyrer von heute! Sie sind nicht am Titelblatt von Zeitungen, sie sind keine ‚Nachricht‘. Diese Menschen sind die Opfer jener, die sie durch den Angriff ermordeten und auch der GleichgĂŒltigkeit, dieser Globalisierung der GleichgĂŒltigkeit, der nichts wichtig ist
 Möge Mutter Teresa ihre MĂ€rtyrertöchter der Barmherzigkeit in den Himmel geleiten und fĂŒr den Frieden und die heilige Achtung vor dem menschlichen Leben FĂŒrsprache einlegen“.

Dieser Artikel erschien zuerst auf ntv.de

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