There we have the salad!

von Wolfram Eilenberger29.01.2010Außenpolitik, Gesellschaft & Kultur, Innenpolitik

Man möchte am liebsten weghören, wenn so mancher deutsche Spitzenpolitiker im Ausland eine Rede hält. Doch wieso kann unser vielfach akademisch gebildetes Spitzenpersonal kein Englisch? Der Fehler liegt im System.

Man mag kaum hinsehen. Geschweige denn hinhören. Seit Oettingers Günther in Brüssel Politik macht, muss er auch auf Englisch ran. Keine so leichte Sache. Fragen Sie nur mal Guido Westerwelle. Oder Frank-Walter Steinmeier. Oder Claudia Roth. Aber von wem hätten sie auch Englisch lernen sollen? Etwa von Joschka Fischer? Gerhard Schröder? Helmut Kohl? Seien wir nicht unfair. Letzterer konnte wenigstens Altgriechisch. Sagt man. Seit Jahrzehnten fehlt es Deutschland als Kulturnation und Exportweltmeister an einer politischen Spitzenkraft, die in der Lage wäre, auf internationalem Parkett flüssig mitzudiskutieren. Oettingers jüngster Gewaltmarsch durch das Englische steht in diesem Sinne nur beispielhaft für die durchgängig dürftigen bis schlicht inexistenten Fremdsprachenkenntnisse unseres politischen Personals. Youtubetaugliche Peinlichkeiten bleiben also vorprogrammiert. Der wahre Schaden ist jedoch ein anderer, verweist die sorgsam gepflegte Tradition sprachlicher Inkompetenz doch auf ein grundlegendes Problem des politischen Systems.

Der Horizont wirkt begrenzt

Klicken Sie sich nur einmal durch die Lebensläufe unserer aktuellen Bundestagsabgeordneten und halten dort nach relevanten Auslandserfahrungen Ausschau (Schule, Studium, Arbeit). Nichts, nichts und wieder nichts! 90 Prozent unserer Volksvertreter kennen das Ausland nur aus dem Urlaub. Sie sind lebensweltlich nie über ihren eigenen Wahlkreis hinausgekommen. Nur deshalb – und damit berühren wir das eigentliche Problem – konnten sie überhaupt Bundestagsabgeordnete werden! Der politische Aufstieg in Deutschland ist noch immer an ein beharrliches Hochdienen durch Orts-, Kreis- und Landesverbände gebunden, das permanente Präsenz vor Ort erfordert. Für mobile, welthungrige und damit ambitioniertere Naturen sieht es strukturell keinen Platz vor. Wer bleibt, steigt. Das einzige Kabinettsmitglied, das in mehr als einer Fremdsprache flüssig parlieren kann, bestätigt diese Diagnose vollauf. Denn Ursula von der Leyen wusste sich qua Familienherkunft solcher Kleinkriege enthoben.

Wer fremde Sprachen nicht kennt, weiß nichts von seiner eigenen

Die konkreten politischen Konsequenzen dieser systemisch bedingten Horizontbegrenzung sollten nicht unterschätzt werden. Jeder Mensch, der auch nur einige Monate im Ausland verbracht hat, wird bezeugen, dass diese Erfahrung nicht nur ein Verständnis für andere Organisations- und Lebensformen öffnet, sondern vor allem, dass erst die Distanz der Fremde einen klareren Blick auf das Eigene ermöglicht (Goethe: Wer fremde Sprachen nicht kennt, weiß nichts von seiner eigenen). Der Wert dieser Fremderfahrung ist durch nichts zu ersetzten oder aufzuwiegen. In Zeiten vollends globalisierter Funktionssysteme darf sie als Bedingung der Möglichkeit erfolgreicher Politik überhaupt gelten. Unseren Ministern und Bundestagabgeordneten fehlt sie fast vollständig. Sie stapfen staunend durch Berlin und wähnen sich in einer multikulturellen Weltstadt. Gott allein kennt die Unzahl der politischen Fehlentscheidungen, die dieser Mangelkonstellation in unserem Land zu schulden sind. Aber wer wird ernsthaft bezweifeln, dass das faktisch vollständige Scheitern der deutschen Einwanderungs- und Integrationspolitik etwas mit der Tatsache zu tun hat, dass unseren Entscheidungsbefugten die Erfahrung der Fremde selbst fremd ist. In jedem Fall ist der wahre Schaden weitaus größer als der Prestigeverlust, der entsteht, wenn sich ein nach Brüssel abgeschobener Ex-Ministerpräsident akzentbedingt zum Äffle machen muss.

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