Und was ist mit der Wintergrippe?

von Wolfgang Becker-Brüser17.11.2009Gesellschaft & Kultur, Innenpolitik, Medien, Wissenschaft

Alle Hinweise deuten an, dass keine aggressive Infektionswelle droht, auch wenn sich Winter- und Schweingrippe kreuzen. Und: Ausreichende Erfahrungen mit dem gespritzten Wirkstoff fehlen noch.

Die Diskussion verschärft sich, seitdem in Deutschland die ersten Toten der Schweinegrippe angelastet werden. Das öffentliche Zählen von Toten vermittelt ein Gefühl der Bedrohlichkeit und weckt Emotionen. Dabei verläuft die Schweinegrippe nach wie vor milde. Es darf nicht vergessen werden, dass an der Wintergrippe allein in Deutschland jedes Jahr 5.000 bis 12.000 Menschen sterben sollen, das wären etwa 70 pro Tag.

Es droht keine Infektionswelle

Alle Hinweise deuten an, dass keine aggressive Infektionswelle im Winter droht: In Australien und Neuseeland, wo Schweinegrippe und Wintergrippe bereits zusammen aufgetreten sind, gab es weniger Tote als in den Vorjahren. Im Tierversuch entstanden keine aggressiven Viren, als Frettchen mit Schweinegrippe- plus Wintergrippe-Viren infiziert worden sind. Angeblich um Produktionszeit zu sparen, enthält der Impfstoff Pandemrix, der jetzt zur Massenimpfung verwendet wird, eine nur geringe Antigenmenge, dafür aber sogenannte Wirkverstärker. Ausreichende Erfahrungen fehlen für diese: Die im 50-millionenfach bestellten Impfstoff enthaltene patentierte Wirkverstärkermischung gab es zuvor in keinem handelsüblichen Impfstoff. Das Problem: Dieser ist keineswegs so gut verträglich, wie Behörden und manche Experten behaupten. Die öffentlich zugänglichen Zulassungsunterlagen und Studien beschreiben das Gegenteil. Die Wirkverstärker verstärken nicht nur die erwünschten, sondern auch die unerwünschten Wirkungen. Beim Vergleich eines Impfstoffs mit Wirkverstärker und einem ohne fallen deutliche Unterschiede auf, beispielsweise Gelenkschmerzen als Folge der Impfung mit Wirkverstärker bei 28 Prozent der Geimpften und 8 Prozent bei denen ohne Wirkverstärker – oder Schüttelfrost bei 20 Prozent im Vergleich zu 4 Prozent. Offen bleibt dabei, ob auch die sehr seltenen lebensbedrohlichen unerwünschten Wirkungen der Impfung ebenfalls häufiger oder verstärkt auftreten können, beispielsweise aufsteigende Lähmungen, die auch die Atemmuskulatur betreffen können. Erkenntnisse hierzu fehlen.

Sicherheit des Impfstoffs

Besonders unhaltbar ist die Situation für schwangere Frauen. Hier gelten klinische Studien mit dem Wirkverstärker-Impfstoff als ethisch nicht vertretbar. Dann kann auch die Impfung ohne Absicherung durch Studien nicht ethisch vertretbar sein. Dennoch betonen das Paul-Ehrlich-Institut und das Robert-Koch-Institut, der Impfstoff könne bei individueller Nutzen-Schaden-Abwägung verwendet werden. Eine Datenbasis für diese Empfehlung existiert nicht. Auch für chronisch Kranke und Kinder gibt es keine oder nur unzureichende Daten zur Sicherheit des Impfstoffs. Pandemrix ist vor zwei Jahren mit Verträgen, die Geheimhaltungsklauseln beinhalten, bestellt worden. Eine Kontrolle durch externe Experten fehlte. Den im Vertrag genannten Preis von 6 Euro für den patentierten Wirkverstärker – bei nur 1 Euro für das Antigen, also dem eigentlichen Wirkstoff – empfinde ich als Abzockerei. Geheimverträge über die Lieferung von Arzneimitteln, die der Gesundheit der Bevölkerung dienen sollen und die eine halbe Milliarde Euro kosten, darf es nicht geben. Fest steht, dass die falschen Impfstoffe eingekauft worden sind. Wir hätten viel weniger Probleme, wenn die besser verträglichen Impfstoffe ohne Wirkverstärker bestellt worden wären, also der Typ Impfstoff, der in den USA ausschließlich verwendet wird und der jetzt – viel zu spät – in geringer Menge aus australischen Restbeständen für Schwangere besorgt wird. Mit einem solchen Impfstoff ließe sich eine Massenimpfung rechtfertigen.

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