Eigentlich untragbar

Wolf-Christian Ulrich5.12.2012Gesellschaft & Kultur

Im Vorweihnachtskonsumrausch meldet sich das Gewissen. Vor allem beim Kleidungskauf.

Ich bin ein großer Fan davon, sich allem Möglichen bewusst zu werden. Sich zu interessieren, sich zu informieren. Ich habe zum Beispiel begriffen, dass ich am besten Eier von glücklichen Hühnern kaufe, nicht mehr dauernd Fleisch esse, eher S-Bahn fahre als Auto und meinen Müll trenne. Einigermaßen. Jetzt geht’s um Kleidung.

Wer trägt die Verantwortung?

Schon länger höre ich von Freunden, dass eigentlich untragbar ist, was wir so tragen. Erster Impuls: Bitte nicht noch was, über das ich nachdenken soll. Zweiter Impuls: Das Ökozeug ist teuer und sieht blöd aus. Dritter Impuls: Wieso bin ich immer gleich verantwortlich für den Weltuntergang?

Antwort eins: ja, leider, offensichtlich, also _deal with it_. Antwort zwei: Nicht unbedingt. Die dritte Frage ist die spannendste. Denn in der Tat gehen die Meinungen darüber auseinander, wer eigentlich verantwortlich ist, wenn in Bangladesch immer wieder bei Fabrikbränden Näherinnen umkommen, weil sich die Firmen einen Dreck um Brandschutz, Arbeitsschutz, kurz um ihre Mitarbeiter kümmern. Und, liebe Kommunikationsdirektoren, jeder „Einzelfall“ ist ein „Einzelfall“ zu viel. Wer also trägt Verantwortung, die Händler oder die Kunden?

Wer schon mal versucht hat, an einem Samstagvormittag im Dezember eine passende Jeans zu kaufen, und dabei eine halbwegs brauchbare Beratung zu erfahren, weiß, was Kunden wirklich beschäftigt. Alles, aber keine fairen Arbeitsbedingungen und auch keine Biobaumwolle. Wenn man sich wenigstens drauf verlassen könnte, dass eine teure Jeans automatisch eine Jeans mit gutem Gewissen ist. Aber auch das ist ein Trugschluss.

Es gibt noch nicht mal ein einheitliches Siegel für Klamotten, die sauber und ethisch hergestellt sind. Wie bei den Smartphones scheint es im Großen und Ganzen so zu sein, dass der Kunde keine andere Wahl hat, als ein unfaires Produkt zu kaufen.

Deshalb sind in erster Linie die Hersteller dafür verantwortlich, was in ihrem Betrieb passiert. Oder bei ihren Zulieferern. Oder deren Vertragspartnern. Sie geben den Auftrag. Sie bestimmen die Margen. Sie nehmen die Bedingungen in Kauf. 2,6 Prozent eines T-Shirt-Preises sind am Ende wirklich Arbeitslohn.

Genug geseufzt, Netz an

Es kann beim besten Willen nicht nur unsere Aufgabe sein, das unnormal zu finden und das zu ändern. Der Bundespräsident hat neulich gesagt, statt sich einen Tag lang für ein neues Smartphone anzustellen, könnte man auch mal einen Tag lang für bessere Arbeitsbedingungen demonstrieren. Stimmt. Gleichzeitig würde ich gerne wissen, ob er seine Gedanken per E-Mail gleich auch an die markenbekannten Smartphone-, Tablet- und Klamottenverkäufer geschickt hat.

Genug geseufzt. Netz an. Da kann man zum Beispiel auf “designmob.de(Link)”:http://www.designmob.de erfahren, wo es faire Mode gibt, die auch noch gut aussieht. Massentauglich? Nicht für Menschen mit wirklich wenig Geld – nicht für Menschen, für die Schnäppchen ein Selbstzweck ist. Aber vielleicht ein guter Anfang.

_log in fragt am Mittwoch um 22.20 Uhr „Billig aber brandgefährlich: Sind Schnäppchen asozial?“ Im Netz unter “login.zdf.de”:http://blog.zdf.de/zdflogin/ und im Fernsehen auf ZDFinfo. Leserbriefe von The European können in der Sendung aufgegriffen und diskutiert werden._

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