Enthemmt oder verklemmt

von Wolf-Christian Ulrich3.07.2012Innenpolitik, Medien

Sex, Sex, Sex. Gerade im Sommer läuft das Thema heiß. Statt so viel darüber zu reden, sollte es vielleicht einfach ein bisschen fröhlicher getan werden.

Ich weiß auch gar nicht, warum man über Sex reden muss. Ich rede überhaupt nicht gern mit Menschen über Sex, mit denen ich noch kein Armdrücken gemacht habe. Aber mit dieser Einstellung stehe ich offenbar ziemlich alleine. Alle wollen über Sex reden. Unser Blog hat so viel Verkehr wie lange nicht. Die Kollegen finden das Thema auch wahnsinnig spannend. Das geht bei pornosüchtigen Jugendlichen los, dann mit Studenten im Swingerclub weiter und hört schließlich bei Ehe und Familie auf. Buchstäblich.

Einmal mit allem und scharfer Soße

Vielleicht ist dieses Sexthema deshalb so wahnsinnig spannend, weil dazu jeder eine Meinung hat. Und weil natürlich jeder mitredet. Weil sich jeder panisch macht. Beispiel. Eine Zeitung behauptet: Alle Ehepaare tun „es“ zweimal die Woche. Eine Plausibilitätskontrolle unter Kolleginnen ergibt: Das kann nicht stimmen. Die Kolleginnen sind verblüfft. Entweder hat man beim ZDF einfach weniger Sex – oder die Zeitung lügt. Wahrscheinlich reden sich jetzt alle Leserinnen der Zeitung ein, der Olle müsse mal aufgefrischt werden. Und dann gucken sie ins Internet. Das ist ein großer Fehler. Das Internet ist beim Sex ein ambivalentes Medium. Einerseits gnadenlos. Einmal mit allem und scharfer Soße sozusagen. Andererseits Kampfzone aller Moralfetischisten. Und bei denjenigen, die einen Seitensprung suchen: überraschenderweise nur dritte Wahl.

Deutschland geht im Schnitt: fremd

Und das scheint das nächste große Thema zu sein. Das Fremdgehen. Das hängt damit zusammen, dass Sex und Liebe angeblich eine so schwierige Beziehung

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