Arm vs. GrĂŒn

von Wolf-Christian Ulrich12.06.2012Innenpolitik, Medien

Die bitteren Wahrheiten zur nachhaltigen Zukunft der Welt.

Es gibt Probleme, die einem so groß erscheinen, dass man von vorneherein die HĂ€nde vor die Augen hĂ€lt, einen Schritt zurĂŒck tut und sagt: „Das schaffen wir nicht.“ Geholfen ist damit leider niemandem. Die Klimakatastrophe und die soziale Ungerechtigkeit zwischen den reichsten und den Ă€rmsten LĂ€ndern gehören zu dieser Problemgruppe: Sie sind zwei der wichtigsten globalen Aufgaben. Der Gipfel in Rio in zwei Wochen soll hier Antworten geben. Keine Angst, es kommt nichts bei raus. Die Kanzlerin wird nicht mal hinreisen, weil selbst sie nichts mehr vom Gipfel erwartet. Der Westen fĂŒhlt sich missverstanden. Jetzt haben wir endlich den gesellschaftlichen Konsens darĂŒber erreicht, dass der Klimawandel a) stattfindet, b) maßgeblich mit fossilen Energieformen zu tun hat, und c) es unsere Verantwortung ist, etwas zu tun. Elektroautos, SolardĂ€cher, Ökostrom aus der Dose – das ist der Stand der Dinge, mit dem das Gewissen neuerdings rein bleibt. Und dann noch die Atomkraft abgeschafft!

Wir sind noch nicht weiter

Nur ein Schelm oder ein Lobbyist wird dies heute noch als Blödsinn abtun. Umso schwerer zu akzeptieren, dass dies alles von uns gut gemeint ist – die Welt aber keinen bedeutenden Schritt weitergebracht hat. Hier ist, warum. Erstens: Die Armut ist das schlimmste Problem weltweit. Die gute Nachricht ist: Der Anteil der Ärmsten hat in den vergangenen 30 Jahren um die HĂ€lfte abgenommen. Die schlechte Nachricht: Das ging nur mit einer umweltverschmutzenden Industrialisierung. Der Grund: GrĂŒne Techniken sind teurer als solche mit fossilen Brennstoffen. Zweitens: Die Landwirtschaft geht einen irren Weg. Sie wĂ€chst rapide, frisst die WĂ€lder, wird global statt regional – und bringt nichts gegen den Hunger. 40 Prozent des in den USA angebauten Maises werden als Biokraftstoff verbrannt. “50 Prozent aller Lebensmittel verschwinden auf unterschiedlichen Wegen im Abfall, statt auf unseren Tellern zu landen.”:http://www.theeuropean.de/debatte/7527-vermeidbare-hungersnot Fazit: Verschwendung ist ein westliches Problem, grĂŒne Technik ist ein westliches Produkt – doch hungernden Afrikanern und Asiaten will man nicht ernsthaft schmackhaft machen, dass ihr Maisbrei unsere Öko-SUVs auf Drehzahl hĂ€lt. Drittens: Wir nehmen fĂŒr uns Wachstum, Industrialisierung und Wohlstand in Anspruch – fordern von den Ärmsten und denjenigen, die sich grade hocharbeiten, eine doppelte Reformarbeit. Werdet nicht so wie wir, werdet bitte gleich besser. Dabei verhauen unsere Banken und unsere Schuldenstaaten GeldbetrĂ€ge, von denen man wahrscheinlich ein globales ErnĂ€hrungsprogramm bezahlen könnte. Also: Wie soll unsere Entwicklungspolitik aussehen: Futtertrog oder Investitionsbehörde? Wie soll unsere Klimapolitik aussehen: Emissionshandel oder Verzicht oder ganz vergessen? Wie soll unsere Wirtschaftspolitik aussehen: green economy oder old economy? Und wie lange wollen wir uns von den BundeslĂ€ndern die Bildungspolitik kaputtsparen lassen, anstatt sie hochzutunen fĂŒr eine global nutzbare grĂŒne Spitzenforschung?

Einfacher ist besser

Experten sagen: keep it simple. Investiert in Forschung, “die billige grĂŒne Technik bringt.”:http://www.theeuropean.de/debatte/4501-wirtschaftsmotor-green-technology Und macht den Welthandel gerechter. Denn eine gerechtere Welt ist schneller bereit, am Klima zu arbeiten, als eine, in der immer noch jeder seinen eigenen Vorteil sucht – egal mit welchen Motiven. _log in fragt am Mittwoch um 21 Uhr: „Mal eben die Welt retten 
 Ist das nicht der Gipfel?“ Im Livestream unter “login.zdf.de”:http://blog.zdf.de/zdflogin/ und im Fernsehen auf ZDFinfo. Leserbriefe von The European können in der Sendung aufgegriffen und diskutiert werden._

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