Heilige Nacht, sündige Nacht

von Wolf-Christian Ulrich13.12.2011Innenpolitik, Medien

Tofusticks oder Gänsekeule – Fleisch oder vegetarisch? Die Gewissensentscheidung beim Weihnachtsessen. Vegetarier leben Fleischessern einen vermeintlich moralischen Lebensstil vor. Warum will sich davon nicht jeder eine Scheibe abschneiden?

Die Entscheidung war klar. Schon während die Doku lief, während reihenweise Hähnchen durch die Schlitzmaschinen liefen, Schweine im Akkord geschlachtet, Küken mit einem Wisch ins Weg befördert wurden. Die Entscheidung war: wenn Fleisch, dann nur noch Bio und wenn Bio, dann nur noch aus einigermaßen vernünftiger Haltung. Es dauerte nicht lange, da saß ich mal wieder beim Vietnamesen und bestellt wie immer die Pho, mit Huhn. Da schwamm es dann, grau gescheibt, in der Brühe. Und ich ekelte mich ganz genau drei Sekunden lang und dann wollte ich es auch nicht stehen lassen und dann war ich wieder bei den alten Gewohnheiten. Gerade heute wieder: Köttbullar in der Kantine. Und die Gemüsepasta bleibt daneben stehen.

Gewissensbisse

Bei jedem Bissen Gewissensbisse? Ja. Immer mehr jedenfalls. Obwohl uns auch User schreiben, die sagen: Das sind Probleme für Besserverdiener. Stimmt vielleicht. Es gibt jedenfalls einen Grund, weshalb das Kilo Rind beim Discounter nur 1,99 kostet. Weil es nachgefragt wird. Zurück zum Sonntagsbraten, sagen dagegen Ernährungsberater, also lieber weniger und dafür besser. Vegetarier rechnen vor, warum die Herstellung eines Kilos Fleisch auch ein ökologisches Desaster ist. Mindestens sieben Kilo Getreide werden dafür benötigt. Tausende Liter Wasser. Eine Fläche, so groß wie Österreich braucht es, um die Tiere zu halten, die auf Deutschlands Tellern enden. Fast ein Fünftel des Welt-CO2-Ausstoßes kommt aus der Tierhaltung. Und, und, und. Vor allem die Massentierhaltung ist es, die industrielle (und wahrlich unethische) Schlachtindustrie, die selbst der Chefredakteur des Fleisch-Magazins „Beef“ als „perverseste Form der Lebensmittelindustrie, die Massentierhaltung“ geißelt. Jeder Bissen gegen das Gewissen. Und jeder Bissen ein Stück Gewohnheit. Es ist ja nicht so, als hätten wir die schrecklichen Bilder noch nie gesehen. Als hätten wir noch nie was gehört von Antibiotika, Dioxin und Gammel-Skandalen. Als käme uns der Preis nicht aberwitzig billig vor. Zu billig für gute Lebensmittel(Link)

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