Wer weiß, wie Gesetze und Würste zu Stande kommen, kann nachts nicht mehr ruhig schlafen. Otto von Bismarck

Neue Bono-Show mit riesiger EU-Flagge

“Es ist eine unserer provokativeren Ideen,” sagte Weltstar Bono zum Auftakt seiner neuen Tournee mit der Band U2 kürzlich in Berlin. Der Stimulus, den die Superband aus Irland (“Bloody Sunday”) darbot, bestand im Schwenken einer großen EU-Flagge. Mehr nicht", fragt unser Autor Wolf Achim Wiegand?

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So mag sich mancher fragen. Und doch ist das Flagge zeigen der kraftvollen Rockband, die auf Platz 9 der Künstler mit den global höchsten Umsätzen rangiert, ein gewaltiges Signal.

Der 58jährige U2-Frontmann Bono hat das Tuch mit den gelben Sternen für viele seiner riesigen Anhängerschar quasi “geweiht”. Dass die Gruppe, die weltweit um die 170 Millionen Alben verkauft hat, die Europaflagge in ihre Show einbindet, bewirkt Emotion. “Diese Idee von Europa verdient es, dass Lieder darüber geschrieben und leuchtend blaue Flaggen dafür geschwenkt werden”, schrieb Bono kurz vor Tourneebeginn in einem Beitrag für die Frankfurter Allgemeine Zeitung.

Damit macht U2 das Projekt Europa in Zeiten harter Kritik und weitverbreiteter Ablehnung der EU mit künstlerischen Mitteln zum Teil ihres Lebensgefühls. Das überträgt sich – so die Kalkulation – auf die Fans. “The Saints Are Coming” (Die Heiligen kommen) heißt der erfolgreichste Titel der Iren unter den weltweit etwa 170 Millionen verkauften Alben. Heiligsprechen braucht man U2 wegen ihrer Tat natürlich nicht. Aber man kann sie loben.

Lob also für den Mut, ihren Einfluss für eine Sache einzusetzen, die nicht mehr so en vogue ist, wie zu den Anfangszeiten der Band in der 1970er Jahren. Damals waren Bono und seine Mitmusiker The Edge, Adam Clayton, Larry Mullen Jr., Ivan McCormick, Peter Martin und Dik Evans eine Schülerband in Dublin. Ihre Heimat war arm, außer Leben im Pub war nicht viel. Durch die EU konnte Irland prosperieren. Und U2 sind die lukrativste Tourband knapp hinter den Rolling Stones. Das Oktett hält Besucherrekorde in 57 Stadien weltweit. Wenn U2 etwas sagt, dann hört es die Welt.

Weltgewissen der Popmusik

Der nur 1,68 Meter kleine aber groß charismatische Sänger Bono, der als Paul David Hewson geboren wurde, ist trotz extravaganten Lebenswandels längst eine Art “Weltgewissen der Popmusik”. Er steht nahe an der Politik, verbindet den Kampf gegen Aids und gegen afrikanische Armut mit persönlicher Lobbyarbeit bei den mutmaßlichen Verantwortlichen für Missstände: Präsidenten, Regierungschefs, Minister. Diese Nähe zur Politik geht manchen Kritikern zu weit. “Bono gehört zur Geld- und Politik-Maschinerie dieser Erde, seine Konzerte sind ein Festival der Demagogie,” findet etwa Marcos Goncalves, Feuilletonchef von Brasiliens größter Qualitätszeitung “Folha de Sao Paulo”.

Doch selbst Skandale, wie Missbrauchsvorwürfe bei One, oder Berichte über Geldverstecke in Steueroasen, konnten den Nimbus Bonos nicht wirklich erschüttern. Schon gar nicht als Künstler. Der Chef der US-amerikanischen Punk-Rock-Band Green Day, Billie Joe Armstrong, meinte einmal in der Musikillustrierten Rolling Stone: “Ich würde Bonos Gesang beschreiben als 50 Prozent Guinness, zehn Prozent Zigaretten – und der Rest ist Religion.”

Wie auch immer: dass Bono sich jetzt der Sache Europas verschrieben hat, das seiner Heimat, der grünen Insel Irland so viel Segen gebracht hat, ist wohlklingend in einem Umfeld, in dem zerstörerische Kräfte das größte Friedensprojekt aller Zeiten mit schrillen Tönen in den Dreck zu ziehen versuchen.

“Europa, das lange Zeit nicht mehr als ein gleichgültiges Gähnen hervorgerufen hat, entfacht heute regelrechte Schrei-Wettkämpfe am Küchentisch,” schreibt Bono in der FAZ. Und: “Ich fühle mich privilegiert, dass ich den längsten von Frieden und Wohlstand geprägten Zeitraum auf dem europäischen Kontinent miterleben durfte… Europa muss von einem Gedanken zu einem Gefühl werden.” Genau das geht mit populärer Kunst. Bono – Danke!

U2-Webseite

Lesen Sie weitere Meinungen aus dieser Debatte von: Sevim Dagdelen , Hugh Williamson, Reinhard Bütikofer.

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