Ein Mindestlohn spricht für die Demokratie. Michael Burda

Angriff aus dem wildgewordenen Westen - #BanBannon!

US-Nationalistenapologet Steve Bannon will die Europäische Union zerhacken. Sein Plan, die bevorstehende Europawahl für eine „Revolution“ zu nutzen, muss durchkreuzt werden. #BanBannon!

Im Wilden Westen war Gesetzlosigkeit das Gesetz. Der Stärkere hatte recht. Daraus formt sich bis heute das Weltbild vieler US-Amerikaner.

Heute scheint die Cowboy-Mentalität aus dem Blickwinkel einiger US-Aktivisten im „Wilden Osten“ stattzufinden, in Europa. Steve Bannon jedenfalls hat sich vorgenommen, uns Europäern den Rechtsum-Marsch zu blasen. Mit Millionen Dollars im Rücken will der „Prophet der Revolte“, wie ihn die Frankfurter Allgemeine Zeitung nennt, ganz offen die Europawahl beeinflussen. Er schießt also auf das Europaparlament. Also ausgerechnet auf die einzige direktdemokratisch gewählte Institution der Europäischen Union (EU).

Das Vorhaben des Mannes vom anderen Ufer des Atlantiks ist ernst zu nehmen. Seit Monaten streift der von US-Präsident gefeuerte einstige Chefstratege des Weißen Hauses durch seine neuen Jagdgründe. In London traf der einstige Chefredakteur des weit rechts stehenden Newsportals Breitbart wichtige Vertreter der Crème de la Crème der europäischen Nationalistenszene. In Italien freute er sich über den Wahlsieg der Populisten: „Sie zeigen der Welt den Weg.“ In Zürich lobt er den umstrittenen und autoritären Ungarn-Premier Victor Orbán auf Einladung einer Tageszeitung als „großen Patrioten und großen Helden“.

Tatsächlich findet Bannon in Europa Gehör. Seine Vorträge sind in der Regel überfüllt. Wenn er gegen ein angeblich verschworenes „Establishment“ hetzt oder die Zerstörung der EU prognostiziert – frenetischer Beifall ist ihm bei noch so banalen scherenschnittartigen Worten sicher. Es spricht ein missionarischer Mann, der sein Geld jetzt mit dem Versuch verdient, die EU zu begraben: „Ich freue mich sagen zu können, dass das Projekt Europa zum Tode verurteilt ist.“

So etwas, wie diesen offen vorgetragenen Angriff auf Europa, hat es bislang nicht gegeben. Außer von Russland-Präsident Wladimir Putin. Doch aus dem Kreml kommt Destabilisierung subtiler (was noch gefährlicher ist). Etwa via Hackerangriffen, Schüren ethnischer Konflikte oder indirekte Hilfen an Parteien vom äußersten rechten Rand.

Muss Europa sich das gefallen lassen? Nein. Meint jedenfalls Guy Verhofstadt, der Fraktionschef der Liberalen im Europäischen Parlament. „Bannon ist Putins Pudel,“ wetterte der wortgewaltige Belgier kürzlich. Auf Twitter rief Verhofstadt die „anständigen Europäer“ dazu auf, „den Import von Trumps hasserfüllter Politik“ mit Blick auf den „Alptraum Nationalismus“ zurückzuweisen: #BanBannon!

In der Tat ist es an allen europäischen Demokraten, der Einmischung aus dem wildgewordenen Westen jenseits des Atlantiks entschieden entgegenzutreten. Die historisch einzigartig lange Friedenszeit in überwiegend wohlhabenden Rechtsstaaten, die wir genießen, ist eine der größten Leistungen aus der Schaffung einer europäischen Union. Lasst uns das bewahren und uns nicht in leicht manipulierbare Klein- und Kleinststaaten auseinanderreißen!

Klar, die „alte Welt“ braucht zweifellos viel Erneuerung. Aber eine großspurig uns Europäern vom US-Amerikaner Bannon aufgedrückte nationalistische „Revolution“? So eine Erweckung durch einen Polit-Cowboy brauchen wir ganz gewiss nicht.

Lesen Sie weitere Meinungen aus dieser Debatte von: Angela Merkel, Dokumentation - Texte im Original, Klaus-Jürgen Gadamer.

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Mehr zum Thema: Europa-politik, Europaeische-union, Donald-trump

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