Der Krieg ist und war nie aus der Welt. Christopher Clark

Diese Frau besitzt 47 Milliarden Dollar

Alice Walton ist die Erbin des Walmart-Einzelhandelskonzerns mit mehr als 500 Milliarden Dollar Jahresumsatz. Ihr privates Vermögen beträgt derzeit rund 46 Milliarden Dollar. Zu ihrer Lebensaufgabe macht sie das Sammeln von Kunst und die Ehrenrettung der Provinz

Alice Walton, 66 Jahre alt, ist Wal-Mart-Erbin und die reichste Frau der Welt. 1992 starb ihr Vater und legendärer Gründer der US-Einzelhandelskette, Sam Walton. Alice und ihre drei Brüder erbten. Ihr Bruder John T. Walton starb 2005 im Alter von 58 Jahren bei einem Flugzeugabsturz. Mit dem Erfolg von Walmart stieg auch das Vermögen der Waltons immer weiter, sie sind inzwischen die reichste Familie der USA.

Walmart beschäftigt weltweit über zwei Millionen Angestellte und ist damit der größte private Arbeitgeber der Welt. Der Konzern hat alleine 2000 angestellte Analysten, um das Verhalten seiner Kunden vorauszusagen. Im vergangenen Jahr übertraf Walmarts Umsatz erstmals die Schwelle von 500 Milliarden Dollar. Im Geschäftsjahr 2016 betrug der Gewinn 13,6 Milliarden US-Dollar. Allerdings spürt der Supermarktkonzern zusehends die Konkurrenz von Onlinehändlern, insbesondere von Amazon.
Anders als ihre Brüder, übernahm Walton von Anfang keine tragende Rolle im Walmart-Konzern, obwohl sie Wirtschaft studiert hatte und in ihrer frühen Karriere als Aktienanalystin für die First Commerce Corporation und als Leiterin für Investitionstätigkeiten bei Arrest Bank Group tätig war. Sogar als Börsenmarklerin bei EF Hutton versuchte sie sich. 1988 gründete sie die Lama Company, eine Investmentbank die sie selbst leitete, die aber 1998 wieder geschlossen wurde.

Mehrere alkoholisierte Unfallfahrten

Obwohl die Waltons eine engagierte republikanische Familie sind und die Wahlkämpfe von George W. Bush finanzielle massiv unterstützten, spendete Alice Walton im Jahr 2016 genau 353.400 US-Dollar an den Wahlkampf von Hillary Clinton. Walton und Clinton lernten sich während Clintons Zeit als First Lady von Arkansas und Mitglied des Aufsichtsrats von Walmart kennen.
Walton geriet mehrfach wegen Alkoholexzessen in Schlagzeilen. So war sie in drei schwere Autounfälle verwickelt. 1983 verlor sie in der Nähe von Acapulco die Kontrolle über ein gemietetes Fahrzeug und stürzte in eine Schlucht, wobei sie schwere Beinverletzungen davon trug. Nach 22 Operationen leidet sie bis heute an den Folgen. Im April 1989 erfasste ihr Wagen die 50-jährige Oleta Hardin, die die Straße überquerte. Diese verstarb daraufhin, es wurde jedoch keine Anklage gegen Walton erhoben. 1998 kollidierte ihr Auto mit einer Tanksäule, während sie unter dem Einfluss von Alkohol stand. Sie musste eine Strafzahlung von 925 US-Dollar leisten. In die Schlagzeilen geriet Walton, als sie am 7. Oktober 2011, ihrem 62. Geburtstag, wieder unter Alkoholeinfluss gefahren war und festgenommen wurde.

Walton (zweifach geschieden und heute unverheiratet) ist eine bekenne Provinzlerin, sie wuchs in Bentonville, Arkansas auf. 1971 schloss sie die Trinity University in San Antonio, Texas mit einem Bachelor in den Bereichen Wirtschaft und Finanzen ab. Doch für die Geschäft des Familienunternehmens interessierte sie sich nicht wirklich. Zwischen 1998 und 2015 lebte sie auf einer Ranch in Millsap, Texas und züchtete dort Pferde.

Kunst als großes Hobby

Seither hat sie unermesslich viel Geld – und sie steckt es vor allem in Kunst.
Ihr erstes Bild soll Alice Walton mit elf Jahren in einem der damals noch kleinen Läden ihres Vaters gekauft haben. Ein Picasso-Poster für 25 Cent, verdient, indem sie wochenlang Popcorn vor den Geschäften ihres Vaters verkauft hatte. Heute wird ihre Kunstsammlung auf einen Wert von 500 Millionen Dollar geschätzt. Sie besitzt unter anderem Werke von amerikanischen Künstlern wie Andy Warhol, Norman Rockwell und Georgia O’Keeffe.

Seit 2011 ist ein großer Teil davon öffentlich im Crystal Bridges Museum of American Art zu sehen. Walton hat das Museum gegründet, mit eigenem Geld und Unterstützung des Familienkonzerns, der auch den kostenlosen Zugang zur Kunst gewährleistet. Die von dem israelischen Architekten Mosche Safdie entworfene Ausstellungshalle aus mehreren Pavillons überbrückt einen Bach und liegt spektakulär mitten in einem Wald. Rund um das Museum herum führen zahlreiche Wanderpfade. Das Grundstück ist Familienbesitz der Waltons, die von hier aus der entlegenen Stadt Bentonville im ländlichen Nordwesten von Arkansas heraus seit den 60er Jahren Wal-Mart zu einem der größten Unternehmen der Welt formten. Nun steht just in Bentonville eines der spektakulärsten Museen der Welt. Alice Walton sieht es Demonstration zur unterschätzten Kraft der Provinz.

Lesen Sie weitere Meinungen aus dieser Debatte von: Vera Lengsfeld, Susanne Wenzel, Annalena Baerbock.

Leserbriefe

comments powered by Disqus

Mehr zum Thema: Reichtum, Geld

Debatte

Grünenwähler sind finanziell gut aufgestellt

Medium_1826afe6a7

Warum Reichtum dem Menschen nicht gut tut

Wo es Menschen richtig gut geht, vergessen sie, welche Opfer notwendig waren, um zum Wohlstand zu gelangen. Heute wählen gerade die, die durch Erbschaften unverhofft wohlhabend geworden sind, typis... weiterlesen

Medium_baecbf09f7
von Edgar Ludwig Gärtner
11.08.2018

Kolumne

Medium_3b0c51c55f
von Rainer Zitelmann
11.06.2018

Kolumne

Medium_2c39e622cc
von Stefan Groß
26.05.2018
meistgelesen / meistkommentiert