Fünf Dinge, die wir von Österreich lernen können

Wim Weimer20.01.2016Europa, Gesellschaft & Kultur

Lange haben Deutsche die Österreicher als niedlich-gemütliches Bergvölkchen belächelt, bei dem alles ein wenig hinter den Bergen schien. Inzwischen ist Austria ungewöhnlich erfolgreich – und in Sachen Lebensart Deutschland sogar weit voraus

Jedes Jahr verlassen knapp 150.000 Deutsche ihr Land, um anderswo das große Glück zu suchen. Geld spielt dabei überraschenderweise zwar eine wichtige, bei weitem aber nicht die Hauptrolle. Laut einer Studie vom Sachverständigenrat deutscher Stiftungen für Integration und Migration (SVR) sind für etwa zwei von drei Befragten neue Berufs- und Lebenserfahrungen der wesentliche Grund, Deutschland den Rücken zuzukehren. Neben der Schweiz und den USA steht dabei vor allem Österreich ganz weit oben auf der Beliebtheitsskala. Jedes Jahr verschlägt es weit über 10.000 Deutsche in die Alpenrepublik. Zum einen weil Österreich seit einigen Jahren wirtschaftlich verblüffend erfolgreich ist. Zum anderen weil die Österreicher ihren Erfolg so herrlich genießen können wie kaum ein anderes Volk. Natürlich gestaltet sich der Integrationsprozess für viele „Piefkes“ als schwere kulturelle Hürde. Schon Grillparzer warnte schließlich: Die Deutschen wollen die Österreicher verstehen, können es aber nicht. Die Österreicher könnten die Deutschen verstehen, wollen aber nicht. Wer sich allerdings innerlich selbst ein wenig austrifzieren lässt, den erwartet eine habituelle Wellness-Oase für das ganze Leben. In Österreich wird – wie Gustav Mahler schon wusste – jeder das, was er nicht ist. Kurzum: Zu lernen gibt es von unseren rot-weiß-roten Nachbarn eine ganze Menge.

1. Felix Austria

Die Österreicher sind ein außergewöhnlich glückliches Völkchen. Das erkannte schon Herzog Rudolf IV, auf den diese Wendung zurückzuführen ist, anno 1364. Und seither hat sich offenbar nicht allzu viel daran geändert. Dies ist nicht nur durch die eindeutig-wenngleich subjektiv- wahrnehmbare Lebenslust unserer Nachbarn belegbar, sondern inzwischen sogar wissenschaftlich bewiesen. Stefan Höfer und sein Team von der Medizinischen Universität Innsbruck haben in ihrem Journal „Social Indicators Research“ den „International Well-being Index“ herangezogen und bemerkt, dass sich die Einwohner der Alpenrepublik in fast allen Bereichen wohler fühlen als ihre Nachbarn aus Deutschland. Gemessen wurden unter anderen der Lebensstandard, Sozialkontakte, Gesundheit, das nationale Wohlbefinden sowie der Zustand der Umwelt. Lediglich in den Segmenten Spiritualität und Religiosität können die Deutschen mit den Rot-Weiß-Roten mithalten.

2. Hoch lebe die Lockerheit

Besonders mit schwierigen Situationen gehen Österreicher im Vergleich zu Deutschen viel gelassener um. Wendungen wie „Schauen wir einmal“, „Ois hoib so wüd” oder „Das wird sich schon irgendwie lösen“ dokumentieren diese Haltung regelmäßig. Es herrscht ein habituelles Klima der Großzügigkeit. Was Regeln betrifft drücken unsere südlichen Nachbarn darum gern mal ein Auge zu. So gibt es ähnlich wie in Deutschland auch in Österreich zwar ein Rauchverbot in öffentlichen Gebäuden und Gaststätten- nur eben kein generelles. Frei nach dem österreichischen Motto: „A bisserl was geht immer.“
Zudem neigen die Rot-Weiß-Roten gerne dazu, die Härten des Lebens zu relativieren, um stattdessen die angenehmen Seiten ganz und gar zu genießen. Diese Art der gelassenen, lockeren Lebensführung wird besonders schön vom Kabarettist Hugo Wiener auf den Punkt gebracht: „Das Leben ist eine Tragödie – zusammengestellt aus vielen Komödien.“ Mit letzterem identifizieren sich die Österreicher allzu gerne.

3. Humor macht das Leben leichter- Ironie sorgt für die Würze

Einst wurde der österreichische Oscar-Preisträger Christoph Waltz in einer von Conan O’Brien moderierten, landesweit beliebten amerikanischen Late-Night-Talkshow nach dem Unterschied zwischen Deutschen und Österreichern gefragt. Dabei wollte O’Brien von Waltz wissen, was er denn von dem Klischee hielte, die Deutschen hätten keinen Humor. Der berühmte Schauspieler antworte daraufhin kurz und bündig: „Das ist kein Klischee.“ Neben der humoristischen Überlegenheit der Österreicher gegenüber ihren nördlichen Nachbarn, zeichnet sie auch eine gesunde Portion an Selbstironie aus. Diese gipfelte in dem legendären Zitat eines Fußball-Nationaltrainers, der feststellte: „Wir haben heute unsere Stärken trainiert. Deshalb waren wir schon nach 15 Minuten fertig.“

4. Höflichkeit ist das A und O

Aus österreichischer Sicht gelten Deutsche oftmals als zu direkt, bisweilen sogar als hart im zwischenmenschlichen Umgang. In der Alpenrepublik wird hingegen mehr Wert auf Höflichkeit gelegt, was manchmal dazu führt, dass diese von einige Deutschen als störende Fassade wahrgenommen wird, die den Zugang zum Eigentlichen blockiert. Zudem wird in Österreich nach wie vor den akademischen Titeln viel mehr Bedeutung beigemessen als hierzulande. Obwohl die Donaumonarchie seit fast 100 Jahren Geschichte ist und Adelstitel in Österreich nicht mehr üblich sind, ist eine gewisse Titelverliebtheit auch noch im 21. Jahrhundert festzustellen. Beachten sollten Deutsche darüber hinaus, keine Fehler bei der Begrüßung zu machen. Das in Deutschland übliche „Hallo“ wird in der Alpenrepublik zumeist ausschließlich im Gespräch mit Freunden oder der Familie gebraucht. Ein „Grüß Gott“ ist da viel angebrachter.

5. Ernst? Typisch Deutsch.

„Es gibt ein altes Bonmot, das den Unterschied zwischen Deutschland und Österreich ultimativ beleuchtet: In Deutschland sei die Situation immer ernst, aber nicht hoffnungslos, in Österreich dagegen zuweilen hoffnungslos, aber nie ernst.“ (Milton Colvin, amerikanische Soziologie-Professor)

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